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Ulm News, 18.06.2019 08:00

18. Juni 2019 von Ralf Grimminger
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Gebäudereiniger finden keine Mitarbeiter


Den Betrieben fehlen die Mitarbeiter. Und zwar nicht nur die Fachkräfte, sondern auch Teilzeitkräfte und Minijobber. „Wir müssen derzeit 2000 Stunden pro Monat neu besetzen“, erklärt Jürgen Barz, Chef des größten Ulmer Gebäudereinigungsunternehmens mit rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dramatische Situation.    

Über den Mangel an Fachkräften klagen in Ulm und Neu-Ulm die Unternehmen in nahezu allen Branchen. Doch jetzt bekommen auch Unternehmen, die ungelernte Mitarbeiter beschäftigten, Probleme. „Auch wir Gebäudereiniger haben seit ein, zwei Jahren große Probleme, Personal zu finden“, bedauert Jürgen Barz, Inhaber der Barz GmbH.
„Das bedeutet, dass wir derzeit rund 2000 Arbeitsstunden monatlich für unsere Kunden neu besetzen und organisieren müssen, was kaum möglich ist“, verdeutlicht Geschäftsführer Bernd Neher die Problematik. Die größte Ulmer Gebäudereinigungsfirma beschäftigt derzeit 540 Minijobber, also 450 Euro-Kräfte und 150 Mitarbeiter, die in Teilzeit angestellt sind.
Die Barz GmbH zahlt Tariflöhne, die jedes Jahr um zirka drei Prozent steigen. Momentan liegt der Tariflohn bei 10,56 Euro pro Stunde bei den Gebäudereinigern. Gleichzeitig ist aber die Beitragsbemessungsgrenze bei den 540 Minijobbern, die Barz beschäftigt, bei 450 Euro – und das seit dem Jahr 2013. „Der Lohn steigt jährlich. Da die Mitarbeiter nicht mehr als 450 Euro steuerfrei verdienen dürfen, müssen sie weniger arbeiten“, erklärt Neher. Das wiederum lohne sich für die Mitarbeiterinnen nicht. „Wer macht sich den Abend wegen einer Stunde Arbeiten kaputt?“ fragt Neher und fügt hinzu: „Unsere Mitarbeiterinnen wollen arbeiten und Geld verdienen. Der Aufwand muss sich für sie lohnen“ Sein Gebäudereinigungsunternehmen sei auf die Minijobber angewiesen, die für ihren Haushalt etwas dazu verdienen wollen. Teilzeit ist aufgrund der Arbeitszeiten nur bedingt möglich. „Wir können die Büros, Schulen und Kindergärten nur in den Stunden vor 7 Uhr morgens oder nach 17 Uhr reinigen“. Außerdem benötige man immer eine Vertretung, „weil Toiletten in Schulen oder Kindergärten schon wegen der Hygienevorschriften immer gereinigt sein müssen. Eine Produktion kann ausfallen, eine Reinigung darf nie ausfallen“, sagt Neher. Wer bis spätabends reinigt, darf außerdem nicht früh am nächsten Morgen arbeiten. Das verbietet das Arbeitszeitgesetz mit den festgeschriebenen Ruhezeiten. „Späte Arbeit, frühe Arbeit, dazu vertrauensvolle Arbeit, weil man Schlüsselgewalt hat und leider schlechte Steuerklassen“, bringt Jürgen Barz die Probleme seiner Angestellten und der Branche auf den Punkt.
Barz und Neher sehen für ihre Branche nur eine Möglichkeit: Die steuerfreie 450 Euro-Verdienstmöglichkeit sollte auf zunächst 500 Euro angehoben und „danach jährlich prozentual mit dem Tarif- oder Mindestlohn erhöht werden“, schlägt Neher vor. Vorstellen könne er sich auch „eine Bemessungsgrenze von 900 Euro für Ehepaare, sodass sich diese die Stunden ein- und aufteilen können.“
Nach Ansicht von Barz kann auch das Minijobber-Modell abgeschafft werden, wie es beispielsweise Verbände und Gewerkschaften fordern. Dann allerdings müsse zwingend die Steuerklasse 5 für Teilzeitarbeiter völlig überarbeitet werden, beispielsweise „bis 800 Euro steuerfrei und freiwilliger Beitritt zur Sozialversicherung“. „Teilzeit auf Steuerklasse 5 lohnt sich momentan überhaupt nicht. Das macht niemand“, weiß Barz, der sogleich vor den Folgen warnt. „Wir kö ; ; ; ; ; ;nnten sofort 50 weitere Minijobber einstellen. Wenn sich aber nicht schnell etwas ändert, treibt man die Menschen regelrecht in die Schwarzarbeit“.



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