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Ulm News, 10.11.2018 01:35

10. November 2018 von Ralf Grimminger
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Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht vor 80 Jahren - Bürgermeisterin Iris Mann: Haltung zeigen gegen Ausgrenzung, Hass und Antisemitismus


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Beschreibung: Bewegende Gedenkfeier auf dem Ulmer Weinhof.

Fotograf: Ralf Grimminger

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Mit einer bewegenden Gedenkfeier wurde am Freitagabend, 9. November, an die Reichspogromnacht in Ulm erinnert - und an 212 Ulmer Juden, die unter dem Nazi-Regime gestorben sind oder ermordet wurden. Für die Toten waren 212 Kerzen in Fiorm des Davidsterns auf dem Weinhof aufgereiht. Die früher so genannte "Reichskristallnacht" jährte sich in diesem Jahr zum 80. Mal. An die jüdischen Opfer des NS-Regimes in Ulm erinnern auch die Stolpersteine, die zu deren Gedenken  vor deren Wohnhäuser in der Stadt gesetzt wurden und werden. 

Im Rahmen der Gedenkfeier erinnerte Kulturbürgermeisterin Iris Mann daran, dass es in diesem Jahr in Ulm drei Anschläge auf Gebetshäuser gegeben habe. "Das gab es bisher nicht". Es wurde ein Brandanschlag auf eine Moschee in Ulm verübt, es gab Hakenkreuz-Schmierereien im Ulmer Münster und Sachbeschädigungen an der neuen Synagoge. Trotz Videoaufnahmen konnten der oder die Täter nicht ermittelt werden. Wie schon der Gemeinderat in einer Resolution forderte sie, dass man sich gegen Hass und Ausgrenzung gegen Andersgläubige oder Andersdenkende wehren müsse. Gegen solche Tendenzen und rechtes Gedankengut könne die Stadtgesellschaft Haltung zeigen und notfalls den Mund aufzumachen. Die Stadt Ulm habe ein Zeichen gesetzt, indem am Standort der alten, niedergebrannten Synagoge eine neue Synagoge gebaut wurde. "Es gibt wieder jüdisches Leben mitten in Ulm", so Iris Mann. 
Auch Petra Bergmann von der Jüdischen Gemeinde warnte vor Ausgrenzung und den mörderischen Auswüchsen, zu denen Hass und Fanatismus führten und jederzeit führen können. Sie erinnerte an die 212 Jüddinnen und Juden aus Ulm die in den Jahren nach der Reichspogromnacht ermordet wurden oder in den Kriegsjahren starben.  
Während die beiden Rednerinnen klug und einfühlsam an die schrecklichen Ereignisse und an die 212 toten Bürgerinnen und Bürger aus Ulm erinnerten und versuchten auch Brücken zu bauen, nutzte Pfarrer Martin Tränkle, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gemeinde DIG),  die Gedenkfeier für 212 Tote -  wie an den Gedenkfeiern in den Jahren zuvor -  zur Schaustellung seiner persönlichen politischen Einstellung. Er kritisierte eingangs den BDS. Die durchaus nicht unumstrittene Organisation ruft, inspiriert vom Kampf der Südafrikaner gegen die Apartheid, zu Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) des Staates Israels auf. Daran beteiligen sich  auch einige große Künstler, die freilich weit bedeutender sind als diese Organisation BDS. Weiter zitierte er angesichts des wachsenden  Antisemitismus in Deutschland "einen der wenigen kritischen Moslems" und wies am Ende der Gedenkfeier auf Schriften zur Situation in Israel und dem wachsenden Antisemitismus hin, die "besser informieren als die Zeitungen" und damit verklausuliert von Fake News sprach.
Wobei man sicherlich kein Antisemit sein muss, um die israelische Siedlungspolitik, die Gewalt des Militärs und auch den iosraelischen Ministerpräsident Bibi Netanjahu kritisch zu sehen. 
Tränkles Politbeiträge passten absolut nicht zur Stimmung und zum Geist der Gedenkfeier, die von Schülerinnen des St. Hildegard-Gymnasiums, die die Namen der 212 toten Jüdinnen und Juden vorlasen und einfühlsam jüdische Lieder sangen, feierlich  gestaltet wurde.

Neues Buch: 1938. Das Novemberpogrom in Ulm - seine Vorgeschichte und Folgen"

Bereits am Donnerstag hatte der Historiker Ingo Bergmann im Stadthaus sein neues Buch "1938. Das Novemberpogrom in Ulm - seine Vorgeschichte und Folgen" vorgestellt. Die Ereignisse der Reichspogromnacht und der folgenden Tage sind in ihren groben Zügen bekannt, doch stellen sich heute - gerade heute! - weiter viele Fragen zu den Ereignissen rund um dieses Fanal in der deutschen Geschichte. Der Ulmer Historiker Ingo Bergmann hat zahlreiche Dokumente, erschütternde Zeitzeugenberichte und Fakten zu den Ulmer Geschehnissen gesammelt, sie in einen Gesamtzusammenhang gestellt und so neue Erkenntnisse gewonnen. Das Buch "1938. Das Novemberpogrom in Ulm - seine Vorgeschichte und Folgen" wird vom Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg und dem Stadtarchiv Ulm herausgegeben. Es nimmt vor allem die individuellen Erfahrungsberichte von Ulmer Jüdinnen und Juden sowie ihrer Nachfahren als Grundlage. Es wird deutlich, dass das Pogrom tiefe Spuren bis heute hinterlassen hat. 



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