ulm-news.de

Sparkasse Neu-Ulm - Illertissen 1
Sie sind hier: ulm-news Startseite  Nachrichten

Ulm News, 23.01.2021 10:00

23. Januar 2021 von Ralf Grimminger
0 Kommentare

Wie das „Nerd“-Klischee Frauen vom Informatik-Studium abhält


 schließen


Beschreibung: Physikerin am Institut für Quantenoptik der Universität Ulm

Fotograf: Universität Ulm

Foto in Originalgröße



Der Ulmer Gastprofessor für Geschlechterforschung, Dr. Yves Jeanrenaud, hat eine Expertise für den Dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung verfasst. Er befasst sich darin mit der Frage, warum Frauen im MINT-Bereich noch immer unterrepräsentiert sind. 

Im Fokus stehen dabei kulturelle und strukturelle Barrieren wie MINT-bezogene Geschlechter-Stereotype sowie Rollen- und Berufsbilder. Die Expertise floss in das Gutachten der Sachverständigenkommission ein, das am 26. Januar der Bundesgleichstellungsministerin Franziska Giffey übergeben wird.

Das Klischee vom „Nerd“ ist weit verbreitet, nicht zuletzt aufgrund seiner fortwährenden medialen Reproduktion. Was viele allerdings nicht wissen: das Bild vom männlichen Computer-Freak hält Frauen vom Informatik-Studium ab. Zu dieser Einschätzung kommt Dr. Yves Jeanrenaud. Der Gastprofessor für Geschlechterforschung in MINT & Med. an der Universität Ulm hat in einer rund fünfzigseitigen Studie herausgearbeitet, welche kulturellen und strukturellen Faktoren Frauen davon abhalten können, ein MINT-Studium aufzunehmen. In dieser allgemeinverständlichen Expertise zum Gutachten für den Dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung präsentiert er zudem einen Überblick über bestehende Fördermaßnahmen und gibt weitere Handlungsempfehlungen, wie der Frauenanteil im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) langfristig gesteigert werden kann.

Denn noch immer ist der Frauenanteil unter den MINT-Studierenden in Deutschland mit etwa einem Drittel im internationalen Vergleich recht niedrig. Noch vielsagender ist der Anteil der weiblichen Beschäftigten in MINT-Berufen: er beträgt gerade einmal ein Sechstel. Und das obwohl im Zuge der Digitalisierung die Berufsaussichten und Karrierechancen insbesondere im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) besser sind denn je. Doch was haben Stereotypen, Rollen- und Berufsbilder mit Studien- und Berufsentscheidungen zu tun? „Berufsbilder wie Ingenieur oder Informatiker sind noch immer männlich konnotiert. Insbesondere klischeehafte Rollenbilder wie die des Nerds werden so gut wie ausschließlich für junge Männer gebraucht. Viele Frauen fürchten sich davor, von ihrer `Weiblichkeit´ einzubüßen, wenn sie sich auf dieses männlich besetzte Terrain vorwagen. Sie entscheiden sich dann nicht selten gegen ein Informatik-Studium, obwohl sie ein gewisses Interesse dafür durchaus mitbringen“, erklärt Dr. Yves Jeanrenaud.

Warum ist das so? Von Kindesbeinen an macht der Mensch geschlechtsspezifische Sozialisationserfahrungen und internalisiert damit bestimmte Erwartungen, die an sein Geschlecht gebunden sind. „Passt die verinnerlichte Geschlechterrolle nicht zum geläufigen Berufsbild oder einer bestimmten Fächerkultur, droht die Abkehr. Dies gilt für Männer in Pflegeberufen genauso wie für Frauen in den Ingenieurwissenschaften oder Informatik“, so der Soziologe. Einen weiteren Gender-Effekt sieht Gastprofessor Yves Jeanrenaud im sogenannten MINT-Fähigkeitsselbstkonzept, das dazu führt, dass Mädchen ihre Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften ganz anders einschätzen als Jungen, selbst wenn diese gleich ausgeprägt sind.

Außerdem orientierten sich Mädchen beziehungsweise Frauen bei der Berufswahl oft noch an bestimmten sozialen Mustern und wünschen sich berufliche Tätigkeiten, bei denen sie mit anderen Menschen zu tun haben oder das Gefühl haben, etwas Sinnstiftendes zu tun. Vielen MINT-Berufen hafte allerdings noch immer das Image der isolierten Beschäftigung mit Dingen statt mit Menschen an. Dazu kommt, dass viele Schülerinnen und Schüler nur vage oder gar keine Vorstellungen von vielen Technik-Berufen haben. Der Ulmer Soziologe hält es dafür für ratsam, die gesellschaftliche Bedeutung solcher Berufe stärker hervorzuheben und auch zu hinterfragen, ob nicht vielleicht auch sehr männlich geprägte Fachkulturen oder ein bestimmter Berufshabitus eine abschreckende Wirkung auf Frauen hat.

Der Gender-Forscher betont in diesem Zusammenhang die Rolle von „Gatekeepern“ wie Eltern und Lehrkräften, die einen großen Einfluss darauf haben, welchen Weg die Kinder später einmal beruflich einschlagen werden. Wichtig sind auch positive Rollenmodellen, die Mädchen darin bestärken, MINT-Interessen zu entwickeln und selbstbewusst nachzugehen. Immerhin steigen die Frauenanteile in MINT-Studiengängen und -berufen dank umfangreicher Fördermaßnahmen von Seiten der Politik, der Wirtschaft und der Bildungsträger kontinuierlich an, doch bleiben die Zahlen teils noch immer weit unter den Erwartungen. So gibt es zwar im Studien-Fach Mathematik ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, doch dies liegt wahrscheinlich am hohen Anteil der Lehramtsstudentinnen in diesem Fach. Ein ähnlicher Effekt lässt sich in den Naturwissenschaften beobachten, wo ebenfalls dank entsprechender Lehramtsstudiengänge die Zahl weiblicher Studierender so gut wie ausgeglichen ist. In den Technik-Fächern sieht dies mit einem Frauenanteil von 26,3 Prozent schon wieder ganz anders aus. Das Schlusslicht macht hier die Informatik mit einem Anteil an weiblichen Studierenden von 22 Prozent.

„Wir brauchen hier auf jeden Fall mehr weibliche Vorbilder und positive Rollenmodelle!“, fordert Jeanrenaud. Das müssen keine nerdy Superheldinnen sein, wie die schwedische Hackerin Lisbeth Salander, und auch keine Mathe-Genies. Nach Meinung des MINT-Experten wird Mathematik im Informatik-Studium mitunter etwas überbetont. „Wir müssen gerade auch die normal begabten Schülerinnen für ein Informatik- oder Technik-Studium begeistern“, meint der Gender-Forscher.



Grüne

Termine & Kino

weitere Termine
Sparkasse Neu-Ulm - Illertissen 1
Dez 05

Messerangriff auf Schulweg: 14-jähriges Mädchen erliegt schweren Verletzungen
Eine 14-Jährige, die am Montagmorgen in Illerkirchberg von einem Mann unvermittelt und brutal angegriffen...weiterlesen


Dez 05

Tödliche Messerattacke in Oberkirchberg: Polizei nimmt 27-jährigen Mann fest
Nach einem Messerangriff auf zwei Schülerinnen am Montag im Illerkirchberger Ortsteil Oberkirchberg ist...weiterlesen


Dez 05

Nach Messerangriff in Oberkirchberg: Stadt Ulm sagt Beratungen in Ortsteilen über Unterbringung Geflüchteter ab
Nach der tödlichen Messerattacke auf zwei Mädchen am Montagmorgen in Oberkirchberg sagt die Stadt die...weiterlesen


Nov 26

Wieder schwerer Alkoholunfall in der Nacht
Nicht einmal vier Wochen nach dem tödlichen Unfall auf der Bundesstraße 28 zwischen Neu-Ulm und Senden...weiterlesen


Dez 05

Brutaler Angriff: Mann verletzt Mädchen auf Schulweg schwer - SEK vor Ort
Zwei Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren sind am Montagmorgen von einem Mann im Illerkirchberger...weiterlesen


Dez 06

Verdächtiger schweigt nach Bluttat - Innenminister Strobl und türkischer Botschafter am Tatort in Oberkirchberg
Nach der schrecklichen Bluttat in Oberkircbberg befindet sich der mutmaßliche Täter in einer Klinik. Der...weiterlesen


Nov 29

Frau pinkelt an Synagoge in Ulm
Am Montag pinkelte eine Frau in den Eingangsbereich der Ulmer Synagoge. Und das am helllichten Tag. weiterlesen


Dez 05

Flüchtender 26-Jähriger verursacht mehrere Unfälle - Polizist schießt auf Auto
Eine folgenschwere Unfallserie in Ulm hat ein flüchtender Autofahrer am Sonntag  in Ulm verursacht. Ein...weiterlesen



Sparkasse Neu-Ulm - Illertissen 1

 
© ulm-news.de, Nachrichten für Ulm und Umgebung   KONTAKT | FAQ | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ nach oben