Ulm News, 18.10.2010 15:54
BUND zu Stuttgart 21: Fakten statt Durchhalteparolen!
Die BUND-Vertreter sehen in dem Projekt keinerlei Vorteile für die Region, es gefährde vielmehr aus finanziellen Gründen viele andere, dringend notwendige Verkehrsprojekte. Bahn und Ministerien müssten jetzt endlich alle Fakten auf den Tisch legen. Hierzu zählen für den BUND auch bisher unveröffentlichte Gutachten, welche die Mängel von Stuttgart 21 hinsichtlich Sicherheit oder Fahrplangestaltung dokumentierten.
Ulms BUND-Vorsitzender Dr. Dieter Fortmann greift den am Freitag erfolgten Durchbruch am Gotthard-Basistunnel auf, um die Argumentation der Befürworter von Stuttgart 21 anzugreifen: „Der neue Gotthard-Tunnel ist ein wirkliches Jahrhundertprojekt. Dieses Projekt hat ohne Zweifel eine europaweite Bedeutung. Und die Schweiz zeigt vorbildlich, wie man bei Entscheidungen über solche wichtigen Infrastrukturprojekte die Bevölkerung einbindet und mitentscheiden lässt!“
Stuttgart 21 wird zum Nadelöhr und bringt der Region nur Nachteile BUND-Regionalgeschäftsführer Ralf Stolz befürchtet, dass die Reduzierung der Bahnsteiggleise den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof zum Nadelöhr im bundesweiten Bahnverkehr macht. Ein integraler Taktfahrplan sei mit Stuttgart 21 nicht mehr möglich, Verspätungen könnten kaum noch abgepuffert werden. Ohne Not werde einer der pünktlichsten Großbahnhöfe Deutschlands zerstört. Wer in Stuttgart künftig ein- oder umsteige, stoße auf vier schmale Bahnsteige, die nur noch über Treppen, Rolltreppen oder Aufzüge zu erreichen seien. Es sei nicht erkennbar, warum Ulm und sein Umland „an diesen massiven Verschlechterungen“ ein Interesse haben sollten. Das von BUND und Verkehrsclub Deutschland (VCD) entwickelte Alternativkonzept K21 („Kopfbahnhof 21“) sehe laut BUND-Verkehrsfachmann Dr. Dietmar Reinborn eine Modernisierung des Kopfbahnhofes, eine Neuordnung des Gleisvorfeldes, einen Ausbau der Zulaufstrecken und ebenfalls eine Verknüpfung mit der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm vor. K21 würde die sehr gute Leistungsfähigkeit des Hauptbahnhofes erhöhen, sei preiswerter als Stuttgart 21 und könne zudem noch abschnittsweise umgesetzt und in Betrieb genommen werden. Auch bei K21 stünden bisherige Bahnflächen für den Städtebau zur Verfügung und wäre eine Anbindung des Stuttgarter Flughafens möglich.
BUND für schnellere Verbindung nach Stuttgart Ulms BUND-Chef Fortmann betont, dass es im Ziel, von Ulm aus eine schnellere Verbindung auf der Schiene nach Stuttgart zu erhalten, mit der Politik ein „hohes Maß an Übereinstimmung“ gebe. Für den BUND stehe außer Frage, dass Ulm, Oberschwaben und Bayerisch Schwaben eine schnellere Anbindung nach Stuttgart benötigten und die Bahnachse Stuttgart-München gestärkt werden müsse. Dafür sei jedoch Stuttgart 21 nicht erforderlich.
Der BUND habe die entsprechenden Planungen immer mitgetragen, auch wenn man heute feststellen müsse, dass die Festlegung auf die autobahnnahe Trasse das Projekt deutlich verzögert habe und verteuern werde. Deutlich mehr Gebietskörperschaften und Institutionen seien in den 1990er Jahren für einen Ausbau der Filstalstrecke und zwei nur kurze Neubauabschnitte bei Geislingen und Ulm gewesen. Hätte sich die Landesregierung für diese Lösung entschieden, wären nach Einschätzung des BUND die Züge schon seit Jahren im Filstal deutlich schneller unterwegs.
Stuttgart 21 gefährdet Neubaustrecke Fachmann Reinborn macht deutlich, dass ein Festhalten an Stuttgart 21 die Realisierung der Neubaustrecke gefährde: Steigende Kosten für Stuttgart 21 beschränkten automatisch die Geldmittel, die für Neubaustrecke, aber auch andere wichtige Bahnprojekte benötigt werden. Je weniger Geld für die Neubaustrecke zur Verfügung stehe, desto eher sei aber zu befürchten, dass es ähnlich wie beim Bau der Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt eine finanzierungsbedingte Bauunterbrechung gebe und sich so die Bauzeit erheblich verlängere.
Kopfschütteln haben die BUND-Vertreter für die zahlreichen Erklärungen von Vertretern aus Politik und Wirtschaft übrig. Mögliche Stimmenverluste bei der nahenden Landtagswahl seien hierfür wohl die Ursache. Stolz sieht zudem die Bedeutung der Neubaustrecke für Ulm und die Region als maßlos überschätzt an: „Dieselben Politiker, die mit stolz geschwellter Brust Statistiken und Prognosen präsentieren, die unsere Region als bestens für die Zukunft aufgestellt sehen, malen Schreckgespenste an die Wand, sollte die Neubaustrecke nicht kommen.“
Beim BUND registriert man sehr wohl die Sorge der Politik, dass einem inzwischen „deutlich näher rückenden Aus von Stuttgart 21“ auch die Neubaustrecke zum Opfer fallen könnte. Fortmann: „Falls es so kommen sollte, wären unsere Politiker gefordert. Anstatt öffentliche Erklärungen abzugeben, könnten sie dann ihre Verhandlungskünste beweisen.“
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