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Ulm News, 25.04.2010 09:00

25. April 2010 von Thomas Kießling
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Peter Zwey: Unkultur der Gegenwart


Kultur ist ein übler Hurenbegriff geworden, das Wort stinkt. Denn jeder gebraucht es wie einen alten Wischlappen. Meint Peter Zwey.

 

Man kann das Wort als Hülse benützen, als Packpapier, als Trompetenphrase, als Sponsorengewäsch, als öffentliche Lüge. Das Wort hat keine Lobby,  dazu eine schlechte Presse und fristet seine Existenz auf der Tschandalastufe des Lebens.
Kaum jemand, der den Anspruch des Wortes noch ahnt, Kultur immer neu zu schaffen, zu bewahren was von ihr übrig ist, zu fördern, was in ihr Wert und Zukunft verheißt. Statt dessen überlässt man sie dem Betrieb der Händler und der Verwaltungsöde. Denn man habe kein Geld, die Krise nötige zur Sparsamkeit, Soziales und Wirtschaftliches, die Unterstützung der Bedürftigen und die Ankurbelung und Begünstigung der Investoren genieße absolute Priorität. 
Man trennt Kultur vom sozialen-asozialen Ganzen, man trennt sie von der Dynamik des wirtschaftlichen Fortschritts. Erst wenn dieser wieder nachhaltig stattfände, käme Kulturförderung wieder in Frage. Solche falsche Logik beherrscht die Köpfe, die die Massen bearbeiten mit den genannten und anderen, fadenscheinigen Argumenten.
„Ihr denkt ganz falsch“, möchte man hineinrufen in die Bande der Macher und Gschaftler, aber wer unter ihnen hätte noch ein Ohr  für Einsicht und Besonnenheit in dieser Zeit der Hochgeschwindigkeit und des Gedächtnisverlustes? Alzheimer ist längst keine individuelle Krankheit mehr, die ganze Gesellschaft ist von einer kollektiven Demenz befallen. Kritik ist verpönt, Mitschwimmen Massensport, egal wohin, jeder zweite schläft schlecht, weil Arbeitsplatzverlust oder drohende Insolvenz ihn um die Existenz fürchten lassen. An den Schulen und Universitäten wird geholzt, der Konkurrenzkampf und der darin waltende Neid zerstören Bildung und Tradition. Deutsch wird nur noch verschämt und wie ein Lumpenkleid getragen. Denn werben, firmieren soll man auf Englisch. Das sei ein „Must“. Welches Durcheinander, was für ein Chaos, dessen Bändigung man nur dem Internet noch zutraut.
Wer sich nicht weltweit zu verknüpfen versteht, der steht bald im Regen, predigen die Propheten der Technik.  Nur wer online präsent ist, immer erreichbar, für Innovation und kundenfreundlich, erreicht den letzten Zug. Der Rest hängt am sozialen Tropf des Staates, der immer kleingeistiger, immer verschrumpelter drein sieht und doch auch nichts dafür kann.
Franz Kafka, unser wahrer Prophet, hat Recht, es gibt unendlich viel Hoffnung auf der Welt, aber nicht für uns Menschen, sagte er voraus.
Also Schluss mit dem Gerede von Kultur und Kunst, es muss ohne sie gehen, arbeitet, bleibt dran, malocht und konzentriert euch auf den unmittelbaren Nutzen.  Was braucht der Nächste, wie dreht ihr es ihm an, was er braucht? Das ist der Hauptgedanke, der die Massen ergreift, Kultur kommt dann wieder, wer weiß, wenn die Wetterlage im Ganzen besser wird.
Bei der Kulturwissenschaft aber brennt bis abends noch immer das Licht. Doch in den Kulturverwaltungen geht die Angst um, es werden wieder Stellen abgebaut. Die Künstler aber und die Poeten kellnern seit langem, pflegen die websites der Banken und Industrie, spielen stilles Straßentheater. Gesichert und furchtlos sind wie immer nur die Erben und die Bonustypen, die uns die ganze Misere  beschert haben. Peter Zwey< ;/em>



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