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Ulm News, 11.06.2024 17:32

11. Juni 2024 von Ralf Grimminger
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Dauerausstellung im Urgeschichtlichen Museum: Perlen der Alb mit fast 300 eiszeitlichen Schmuckstücken


Keine Rubine, keine Diamanten oder Smaragde. Und doch sind die Schmuckstücke, denen das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) seine neu gestalteten Räume widmet, von unschätzbarem Wert. 279 Fundstücke, die Archäologen aus dem UNESCO-Welterbegebiet „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ geborgen haben, präsentiert jetzt das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) in seinem neu gestalteten Ausstellungsbereich zum Thema Schmuck der Eiszeitmenschen.

Keine Rubine, keine Diamanten oder Smaragde. Und doch sind die Schmuckstücke, denen das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) seine neu gestalteten Räume widmet, von unschätzbarem Wert. 279 Fundstücke, die Archäologen aus dem UNESCO-Welterbegebiet „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ geborgen haben, präsentiert das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) in seinem neu gestalteten Ausstellungsbereich zum Thema Schmuck der Eiszeitmenschen. Am Dienstag, 11. Juni 2024, ist Eröffnung.

Im ersten Raum macht eine Gesamtschau eiszeitlichen Schmucks aus der Region den Auftakt. Schmückten sich die Menschen schon vor mehr als 100.000 Jahren mit Schneckenhäusern oder Muschelschalen, die leicht in Anhänger verwandelt werden konnten, sind die bis zu 42.000 Jahre alten Perlen aus Mammutelfenbein aus dem UNESCO-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ der bislang älteste Nachweis für die komplexe Herstellung von Schmuck weltweit. Besonders hervorzuheben sind die doppelt sowie teilweise dreifach gelochten Perlen, die über einen Zeitraum von 6.000 Jahren im Ach- und Lonetal nachweisbar sind. „Solche Perlen sind bisher ausschließlich von der Schwäbischen Alb bekannt“, sagt Prof. Nicholas Conard von der Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie an der Universität Tübingen und wissenschaftlicher Direktor des urmu.

Damit deuteten die Grabungsfunde aus den Höhlen des Ach- und Lonetals darauf hin, dass die eiszeitlichen Menschen schon vor mehr als 40.000 Jahren bestimmte Schmucktraditionen gewahrt und Perlen zur Kennzeichnung ihrer Gruppenidentität angefertigt hätten, sagt Conard weiter, „es ist ein großes Glück, dass die Perlen hier nun eine würdigende Präsentation erhalten und wir aufgrund der vielen Funde in allen erdenklichen Bearbeitungsphasen auch die Abfolge der Arbeitsschritte bei der Herstellung von Elfenbeinperlen darstellen können.“

Darüber hinaus finden in der Präsentation der Funde aus der Region auch Schmuckstücke aus anderen Materialien − wie solche aus Rentierzähnen oder schwarzem Gagat, einer Form fossilen Holzes, − ihren Raum. Diese Materialien waren im Ach- und Lonetal beliebt, nachdem im Zuge des Klimawandels die Mammutherden abgewandert waren und der Rohstoff Elfenbein damit rar geworden war.

Der zweite Raum beleuchtet die Bedeutung des Sichschmückens. Denn Schmuck ist wertvoll in mehrfachem Sinne: zum einen als kostbares Handwerksprodukt, zum anderen ideell – im Spiel um Schönheit, Sinn und Repräsentation und auch im Ausdruck von Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe oder zu einem Geschlecht. In diesem Kontext schlagen zwei außergewöhnliche Exponate die Brücke in die Gegenwart: ein Goldreif des international renommierten Goldschmieds und Künstlers Rudolf Dentler sowie die Olympiamedaille, die Dieter Baumann, einer der erfolgreichsten Langstreckenläufer der deutschen Sportgeschichte, dem urmu als temporäre Leihgabe überlässt.

Neue Funde, neue archäologische Erkenntnisse

Mit der Eröffnung der neuen Schmuckräume schließt das urmu die grundlegende Erneuerung seiner Dauerausstellung ab. Das Museum hatte die Stadt Blaubeuren 1965 auf Anregung der Universität Tübingen als Einraumschau eingerichtet, um archäologische Fundstücke aus der Region rund um Blaubeuren der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mehrfach erweitert, präsentiert das zentrale Museum für altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen seit 2014 ein einzigartiges Ensemble eiszeitlicher Kunst aus Höhlen der Täler der Ach und der Lone am Südrand der Schwäbischen Alb − mit der Venus vom Hohle Fels, der ältesten bekannten Menschendarstellung, als prominentestes Exponat.

„Seitdem die Dauerausstellung im Mai vor zehn Jahren eröffnet wurde, wurden zahlreiche neue Funde gemacht und neue archäologische Erkenntnisse gewonnen“, sagt Dr. Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des urmu, „dem müssen wir Rechnung tragen.“

Nach Ausrufung der Fundhöhlen zum UNESCO-Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ im Jahr 2017 hat das Museum eine Neukonzeption unter Berücksichtigung der neusten Erkenntnisse und Funde angestrebt. Im Jahr 2021 schließlich eröffneten die Räume zu den Themen Farbe und Klang. Dabei ist ein völlig neuer Raum für die frühen Nachweise der Malerei auf der Schwäbischen Alb gestaltet worden. Außerdem wurde eine einzigartige Präsentation prähistorischer Musikinstrumente konzipiert, in der seitdem die komplexen Herstellungsprozesse von Flöten aus Vogelknochen und Mammutelfenbein erlebbar sind.

Mehr als 40 originale Exponate aus allen Phasen der Produktionskette sowie zahlreiche Videos machen die Entstehung der Instrumente anschaulich. Professionelle Musikerinnen haben die unterschiedlichen Anspielarten der Blasinstrumente für Hörstationen und eine Mitmachstation eingespielt. Im vergangenen Jahr erhielt dann die Abteilung zur Werkzeugnutzung mit der Integration neuer Funde aus dem UNESCO-Welterbegebiet eine weitreichend aktualisierte Ausstellung. „Mit den fast 300 Schmuckstücken in unseren Räumen vervollständigen wir nun das Bild der eiszeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaft als eine Gemeinschaft mit ausgeprägtem symbolischem Denken“, sagt Kölbl, „und dass wir so reich an Funden zum Ursprung der Kultur vor 40.000 Jahren bestückt sind, hat es seit Bestehen des Museums noch nie gegeben.“

Insgesamt hat die Stiftung „Urgeschichtliches Museum & Galerie 40.000 Jahre Kunst“ rund 480.000 Euro in die Modernisierung und Aktualisierung der Ausstellung investiert. Sie erhielt dafür unter anderem eine maßgebliche Förderung durch das Investitionsprogramm Nationaler Kulturgüter (INK) und durch den Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg. Die Förderung durch den Bund unterstreicht die nationale Bedeutung, die das urmu in der Museumslandschaft hat.

Das urmu liegt in unmittelbarer Nähe der Steinzeithöhlen, die von der UNESCO 2017 zum Welterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ ernannt wurden. Als das zentrale Museum für altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-Württemberg und Forschungsmuseum der Universität Tübingen stellt das urmu das eiszeitliche Leben am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren vor. Höhepunkte sind die älteste Kunst und die ältesten Musikinstrumente der Menschheit mit Originalfunden aus der Region. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“.



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