Ulm News, 23.04.2024 12:44
Mutmaßliche Sprayer in Haft - Sitzstreik auf Wache
Verdächtig verhielten sich ein Mann und eine Frau in der Nacht von Montag auf Dienstag. Die Kontrolle hatte ein Nachspiel.
Geradezu für eine polizeiliche Überprüfung empfahlen sich die beiden gegen 1 Uhr in der Ulmer Platzgasse in Ulm. Sie gingen in einem Hauseingang in Deckung. Augenscheinlich, um sich so den Blicken einer entgegenkommenden Streife zu entziehen. Bei einer daraufhin durchgeführten Kontrolle war der erste Grund dafür schnell ermittelt.
Der 35-jährige Mann war zur Festnahme ausgeschrieben. Er musste mit dem Streifenwagen zum Polizeirevier Ulm-Mitte transportiert und vorher durchsucht werden. Dabei versuchte er in seiner Kleidung einen lilafarbenen Stift mit einer etwa 1 Zentimeter breiten Spitze und mehrere Sprühkopfaufsätze für Farbdosen zu verstecken. Seine 20-jährige Begleiterin war im Besitz von Sprühdosen in den Farben orange, weiß und schwarz. Auch sie hatte zwei Markierungsstifte in den Farben schwarz und weiß in ihrem Gepäck. Die aufgefundenen Utensilien werden für Gewöhnlich zum Anbringen von Graffiti und auch für sogenannte TAG's verwendet. Als TAG's werden Schriftzüge und Abkürzungen genannt, die ihre Urheber unter anderem auf Hauswänden hinterlassen. Der Mann musste nach Ankunft beim Polizeirevier die Nacht bis zu seiner Einlieferung in eine Haftanstalt in einer Gewahrsamszelle verbringen.
Mit der Maßnahme war aber seine Begleiterin gar nicht einverstanden. Eigentlich wäre für sie die Sache nach der Kontrolle erledigt gewesen. Statt ihren Heimweg anzutreten, begab sie sich aber direkt zum Polizeirevier. Dort war es ihr wichtig, gegen die Festnahme ihres Begleiters zu protestieren. Den Protest bleiben lassen und dafür die Geldstrafe zu bezahlen, war die 20jährige nicht bereit. Vielmehr hielt sie es für sinnvoller, durch einen Sitzstreik im Vorraum der Wache gegen die Festnahme zu demonstrieren. Alle Versuche, sie zur Aufgabe ihres Vorhabens zu bewegen, scheiterten.
Die gesamte Situation eskalierte als die junge Frau aus dem Neuen Bau geführt werden sollte. Die Beamten wurden mit Schlägen Tritten und Beleidigungen attackiert. Mangels anderer Möglichkeit wendete sich das Blatt für die Frau. Auch sie erhielt einen Platz in einer Gewahrsamszelle des Polizeireviers Ulm-Mitte - in direkter Nachbarschaft des 35jährigen und das so lange, bis sich ihr Mütchen abgekühlt hat. Die Begegnung mit den Ordnungshütern wird für die 20jähre noch ein Nachspiel haben. Gegen sie wird nun wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung ermittelt.
Ob der zweite Grund für ihr Verhalten in der Platzgasse der Besitz der Sprayerutensilien war, muss noch ermittelt werden. Den beiden konnte bislang noch kein Graffiti und auch noch kein TAG zugeordnet werden. Mögliche Geschädigte werden gebeten, sich beim Polizeirevier Ulm-Mitte unter 0731/188-0 zu melden.





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