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Ulm News, 02.11.2022 15:00

2. November 2022 von Thomas Kießling
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Brutaler Mord an Rafael Blumenstock in Ulmer Innenstadt immer noch ungeklärt


Ein bestialisches Verbrechen schockte Ulm vor 32 Jahren: In der Nacht zum 4. November 1990 wurde der damals 28-jährige Rafael Blumenstock mitten in der Ulmer Innenstadt auf dem Münsterplatz zusammengeschlagen, zusammengetreten, mit Schlägen und Fußtritten ins Gesicht bestialisch mit 21 Messerstichen umgebracht. Nach wie vor sind der oder die Täter nicht ermittelt und auf freiem Fuß. Eine Gedenktafel am Rande des Münsterplatzes erinnert an Rafael Blumenstock und das schreckliche, nach wie vor ungeklärte und ungesühnte Verbrechen. Der oder die brutalen Mörder sind immer noch nicht ermittelt und auf freiem Fuß 

 Am 4. November ab 18 Uhr wird auf dem Münsterplatz der Ermordung Rafael Blumenstocks gedacht.  Die Ulmer Gruppe kollektiv26 hat umfangreiche Informationen über Rafael Blumenstock und Tat zusammengetragen.
Das brutale Verbrechen mitten in Ulm schockierte Ulm vor 31 Jahren - und schockiert immer noch.  Denn der oder die Täter sind mit äußerster Brutalität vorgegangen. Die Leiche von Rafael Blumenstock war entsetzlich zugerichtet. Der übel zugerichtete, leblose Körper des damals 28-jährigen Mannes wurde am Morgen des 4. November 1990 zwischen Blumenkübeln und einem geparkten Auto gegenüber dem Haushaltsgeschäft Abt entdeckt. Das Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, die Nase abgeschnitten. Außerdem gab es am gesamten Körper Stich und Schnittverletzungen sowie Spuren von massiver Gewalt wie Fußtritte oder Faustschläge. Auch die Genitalien des Opfers waren verletzt. Es brauchte deshalb einen Tag, bis das so zugerichtete Opfer identifiziert werden konnte. 
Die Polizei ermittelte in alle Richtungen. Es kann ein Raubmord gewesen sein oder eine Tat in der Schwulenszene, der das Opfer zugerechnet wird. Sehr möglich ist auch eine Tat mit rechtsradikalem Hintergrund. Anfang der 1990er Jahre gab es in Ulm und Neu-Ulm eine aktive Neonazi-Szene und mehrere Gewalttaten mit rechtsradikalem Hintergrund.  

Rafael Blumenstock war in dieser Nacht in der Innenstadt in verschiedenen Lokalen unterwegs, wohl zuletzt im Nachtlokal "Aquarium" in der Kohlgasse, in dem der amerikanische Sänger Percy Sledge ("When a man loves a woman") ein Konzert gab. 
Das brutale Verbrechen mitten in der Stadt ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Ulmer Polizei hofft weiter, dass der oder die Mörder eines Tages doch noch gefasst werden können. Vermutlich waren mehrere Männer an dem äußerst brutalen Mord beteiligt, weil eine Anwohnerin am Münsterplatz am Morgen des 4. November 1990 immer wieder Schreie hörte. Als sie aus dem Fenster schaute, sah sie drei Männer, die in einem Sportwagen wegfuhren. Ob diese Männer etwas mit der Tat zu tun haben, ist nach wie vor unklar. Sie haben sich bislang aber auch nicht als Zeugen gemeldet.
Die Ulmer Bevölkerung war seinerzeit entsetzt. Schließlich konnte und kann nicht ausgeschlossen werden, dass Rafael Blumenstock ermordet wurde, weil er homosexuell war. Die Fußabtritte im Gesicht könnten von Springerstiefeln stammen, die bevorzugt von Skinheads gertagen wurden und werden. Obwohl die Polizei mit Sonderkommissionen nach den Tätern suchte und hohe Belohnungen ausgesetzt wurden, konnte der oder die Täter bislang noch nicht ermittelt werden. 
Der Schmutz unter einem Fingernagel von Rafael Blumenstock ist die Wichtigste von vielen Spuren. Zehn Jahre nach der Tat untersuchte die Kripo diesen Schmutz auf DNA-Strukturen. Dabei wurde klar, dass dieser Dreck von einem anderen Menschen als Rafael Blumenstock stammt. Es könnte DNA-Material des Täters sein.
Die Polizei verglich diese genetischen Spuren mit der DNA von 118 verdächtigen Personen. 115 Personen gaben ihre Proben freiwillig ab. Drei wurden vom Gericht dazu gezwungen, auch ein Mann, der mittlerweile in Spanien lebt. Es wurden jedoch keine übereinstimmenden Spuren bei diesen Verdächtigen gefunden. 
Die Polizei gibt die Suche nach den brutalen Mördern nicht auf, weil die Spuren am Tatort mit immer neueren Techniken ausgewertet werden können. Eine Gedenktafel am Ulmer Münsterplatz erinnert an das schockierende Verbrechen und an Rafael Blumenstock.
Die Ulmer Polizei (Telefon 0731/188-0) sucht weiter nach dem Mörder.

Kundgebung an Gedenktafel am Münsterplatz

Erinnern an Rafael Blumenstock und an die schrecklcihe Tat sei jedoch nicht ausschließlich für das direkte Umfeld von Bedeutung sondern eben auch für die gesamte Gesellschaft und aussagekräftig für die Aufarbeitung von solchen Verbrechen und ihren , häufig strukturell verankerten, Motiven, schreibt der Verein "Young & Queer". Die Stadt Ulm zeige sich desinteressiert bei der Gestaltung eines Denkmals und habe viele Vorschläge zur Erhöhung der Sichtbarkeit abgelehnt. Dass die mangelnde Sichtbarkeit ein Problem darstellt, zeige auch die Tatsache, dass Tische und Stühle der neu eröffneten Gastronomie am Münsterplatz sehr nah oder teils auf der Gedenkplatte standen, was für viele keinen respektvollen Umgang damit ausdrückt. 
Daher hat der Verein Young & Queer Ulm anlässlich des 32.Todestages für Freitag, 4. November, um 17.30 Uhr eine Kundgebung angemeldet, mit der Raum für ein Gedenken an Rafael Blumenstock geschaffen werden soll. Dies wird auf dem Münsterplatz am Gedenkstein stattfinden. Es wird dazu aufgerufen Kerzen und Blumen mitzubringen.


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