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Ulm News, 20.06.2011 15:54

20. Juni 2011 von Ralf Grimminger
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Verkehrsminister Martin Zeil: „Reaktivierung der Strecke Senden - Weißenhorn nimmt Konturen an


Die Reaktivierung der Bahnlinie Senden – Weißenhorn für
den Personenverkehr nimmt Konturen an: Der Freistaat Bayern und die Projektpartner in der Region haben sich jetzt auf wesentliche Eckpunkte des Vorhabens geeinigt. Die 9,6 km lange Strecke soll grundlegend saniert werden. In Wullenstetten, Witzighausen, im Weißenhorner Industriegebiet und am Weißenhorner Bahnhof entstehen vier moderne und barrierefreie Haltepunkte. Insgesamt will die SWU Verkehr, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH, als Streckeneigentümerin rund zehn Millionen Euro in die Infrastruktur investieren.

Die Verantwortlichen gehen von etwa 1.800 Fahrgästen täglich aus. „Das ist eine vorbildliche Stadt-Umland-Kooperation. Sie trägt dazu bei, Verkehre in der Region von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern. Wenn alles gut geht, können im Dezember 2013 die ersten Züge rollen“, zeigt sich Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil optimistisch. Der Betreiber dieser Züge soll, wie in Bayern üblich, im Wettbewerb ermittelt werden.
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regionalverkehr im Auftrag des Freistaates plant, bestellt und finanziert, hat jetzt die Vergabe der Zugleistungen im Europäischen Amtsblatt bekannt gemacht. Nach europäischem Recht müssen Wettbewerbsprojekte im Bahnverkehr ein Jahr vor ihrem Start angekündigt werden, damit sich mögliche Bieter rechtzeitig vorbereiten können. Auch Baden-Württemberg beteiligt sich mit der Bestellung an dem Projekt. Laut BEG-Geschäftsführer Fritz Czeschka soll eine neue, stündliche Regionalbahnlinie von Ulm nach Weißenhorn den Zugverkehr gleich in zweifacher Weise verbessern: „Zwischen Ulm und Senden verkehrt sie auf den bestehenden Gleisen der Illertalbahn und verdichtet dort das Angebot zu einem 30-Minuten-Rhythmus. Ab Senden nutzen die Züge die Reaktivierungsstrecke. Alle Orte entlang der Strecke nach Weißenhorn erhalten somit stündliche Direktverbindungen nach Neu-Ulm und Ulm“, erklärt Czeschka.
Bis es soweit ist, hat die Region noch einige Aufgaben zu erledigen. Unter anderem muss ein neues Buskonzept beschlossen werden, das am zusätzlichen Zugangebot ausgerichtet ist. Der Neu-Ulmer Landrat Erich Josef Geßner bestätigt, dass die Vorarbeiten für die Busanpassung bereits laufen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir zeitnah zu verbindlichen Vereinbarungen kommen. Schließlich ist die Reaktivierung der Bahnlinie nach Weißenhorn ein Schlüsselprojekt für die Verbesserung der Mobilität in unserer Region und bringt Schülern, Pendlern und Touristen Vorteile“, unterstreicht Geßner. Auch das besucherstarke Bildungszentrum für Familie, Umwelt und Kultur in Roggenburg werde dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser zu erreichen sein, erklärt der Landrat. Die Reaktivierung von Bahnlinien ist in Bayern an einheitliche Bedingungen geknüpft. Zunächst muss von unabhängiger Seite ein Fahrgastaufkommen von mehr als 1000 Reisenden pro Werktag bestätigt werden. Zweite Bedingung ist, dass ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen bereit ist, die Strecke zu ertüchtigen, dauerhaft zu betreiben und marktübliche Trassenpreise zu garantieren.
Diese Rolle übernehmen bei der Strecke nach Weißenhorn die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) beziehungsweise deren Tochter SWU Verkehr. „Durch den Betrieb von Industriegleisanlagen in Ulm und Neu-Ulm sowie der Ulmer Straßenbahn sind Gleise und Weichen kein Neuland für uns“, erläutert SWU-Verkehr-Geschäftsführer Ingo Wortmann. „Wir wollen unsere Erfahrung nutzen, um die Weißenhorner Strecke zu einer attraktiven Nahverkehrslinie zu machen“, so Wortmann. „Wir betreiben damit als lokal verankertes Unternehmen auch Strukturpolitik für die Region.“
Der Personenverkehr auf der Bahnlinie nach Weißenhorn, einer Nebenstrecke der Illertalbahn, war im Jahr 1966 eingestellt worden. Seitdem fahren dort lediglich noch Güterzüge.



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