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Ulm News, 15.05.2021 17:43

15. Mai 2021 von Ralf Grimminger
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Mehr Fisch- und Pflanzenarten an der Donau: Ökologische Dammsanierung erfolgreich abgeschlossen


Den Hochwasserschutz verbessern und gleichzeitig ökologisch wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen – dass diese beiden Ziele miteinander vereinbart werden können, zeigt ein EU-gefördertes Pilotprojekt an den Standorten der Obere Donau Kraftwerke AG (ODK), unter Koordination der LEW Wasserkraft GmbH als Betriebsführer. 

Im Rahmen des Projekts INADAR (Innovative approach for dam restoration) hat LEW Wasserkraft zusammen mit dem Kraftwerkseigentümer ODK und weiteren Projektpartnern an der Donau umweltfreundliche Alternativen für die Dammsanierung und -erhöhung erprobt und gleichzeitig Lebensräume für Flora und Fauna geschaffen. Dazu wurden an den Staustufen Oberelchingen und Offingen auf einer Strecke von insgesamt einem Kilometer sogenannte Öko-Bermen eingebaut. Die Bilanz nach vier Jahren Projektlaufzeit fällt positiv aus: Die Maßnahmen haben den Lebensraum der dort heimischen Tier- und Pflanzenwelt aufgewertet und sorgen dafür, dass wieder mehr Fisch- und Pflanzenarten im Fluss vorkommen.

Projekt für LIFE-Awards der EU nominiert

INADAR wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Programms LIFE gefördert. Mit diesem Förderprogramm unterstützt die EU Maßnahmen in den Bereichen Biodiversität, Umwelt- und Klimaschutz. Das Projekt INADAR hat damit Vorbildfunktion für ähnliche Vorhaben in Europa. Eine Fachjury wählte das Pilotprojekt nun unter die 15 besten Projekte des Jahres 2021 und nominierte es für die diesjährigen LIFE-Awards der EU. INADAR ist in der Kategorie Umwelt nominiert sowie für den „Citizen‘s Award“, bei dem sich jeder Interessierte an der Abstimmung beteiligen kann. Die Abstimmung ist frei zugänglich und läuft noch bis 2. Juni. Über die Seite www.lifeawards.eu/life-inadar/ kann für INADAR abgestimmt werden. Die Preisverleihung wird Anfang Juni stattfinden.

Innovative Art der Dammsanierung mit Öko-Bermen

Bisher war die Sanierung von Dämmen mit erheblichen Eingriffen in die Natur verbunden. Genau hier setzte das Projekt INADAR mit einer innovativen Art der Dammsanierung an: Der Platz für den Hochwasserschutz entsteht dabei nicht auf der Landseite, sondern direkt am Ufer. Auf diese Weise werden die angrenzenden Donauauwälder geschont, der Flächenverbrauch reduziert und der Uferbereich gleichzeitig ökologisch aufgewertet.

Mehr Fisch- und Pflanzenarten nachgewiesen

Bis Mitte letzten Jahres haben die Universität Innsbruck und das Aueninstitut Neuburg das Projekt evaluiert und dokumentiert. Dabei haben die Wissenschaftler die Auswirkungen auf die Umwelt ebenso untersucht wie die Auswirkungen auf die Dammstabilität und die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens. Die Bilanz des Projekts fällt positiv aus: Insgesamt haben die Projektpartner bei der Umsetzung des Pilotprojekts zwei Hektar neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen. Die Zahl der Fischarten ist von acht auf 17 gestiegen – die Gesamtgröße der Fischpopulation hat sich insgesamt sogar verachtfacht.
Bei Stichprobenuntersuchungen im Stauraum Offingen stieg die Anzahl der Fische von rund 170 vor dem Einbau der Öko-Bermen auf mehr als 1.300 nach dem Einbau. Das zeigt, dass die Strukturen der Öko-Bermen insbesondere als Laich- und Rückzugsgebiete für Jungfische die Strukturen genutzt werden. Weiterhin konnten nach Abschluss des Projekts unter anderem vier gefährdete Spezies in den Öko-Bermen entdeckt werden: Rapfen, Bachneunauge, Barbe und Bitterling.
Auch die Zahl der Pflanzenarten ist von rund 15 auf bis zu 37 gestiegen, wobei die Entwicklung noch nicht auf allen Flächen abgeschlossen ist. Auch hier haben die Wissenschaftler gefährdete Arten wie den Schmalblättrigen Rohrkolben oder den Frühlings-Wasserstern nachgewiesen, die vorher kaum mehr vorkamen. Darüber hinaus hat der Fluss durch die ökologische Ufergestaltung auch an Attraktivität für Besucher gewonnen, die jetzt wieder direkt am Uferbereich verweilen können.

Effizienzsteigerungen im baulichen Prozess

Die innovative Art der Dammsanierung hat auch in der Bauphase ökologische Vorteile: LEW Wasserkraft gestaltete die Dämme beispielsweise mit eigenem Totholz- und Wurzel-Material, das sie aus früheren Ausholzmaßnahmen gewonnen hatten. Der Transport von zusätzlichem Material entfiel größtenteils. Außerdem kam nur wenig Beton zum Einsatz, der in der Herstellung sehr energieintensiv ist. So war der CO2-Ausstoß rund 45 Prozent geringer als bei herkömmlichen Verfahren. Da Dammsanierung und -erhöhung gleichzeitig umgesetzt werden, ist das Verfahren zudem besonders effizient. Dammstabilität und Hochwasserschutz werden im selben Maße gewährleistet wie bei herkömmlichen Methoden.

Projekt mit europaweitem Vorbildcharakter

„Die enge wissenschaftliche Begleitung war ein Kernelement des Projekts INADAR und soll den Vorbildcharakter der Maßnahme unterstreichen. Ziel des Projektes ist schließlich auch, das Verfahren auf vergleichbare Flüsse in Europa zu übertragen und die Genehmigungsverfahren für solche Maßnahmen zu vereinfachen. Mit den positiven Erfahrungen und Ergebnissen aus dem Pilotprojekt können wir Impulse für eine nachhaltige Entwicklung der Wasserkraft geben – weit über die Region hinaus“, sagt Prof. Dr. Frank Pöhler, Geschäftsführer von LEW Wasserkraft. Europaweit eignen sich mehrere 1.000 Kilometer Flussstrecke für das ökologische Dammsanierungsverfahren. Klassische Anwendungsgebiete sind Staubereiche von Kraftwerken, Schleusen oder Wasserstraßen.

Ablauf des Projekts und der Baumaßnahmen

Bereits vor dem Start des Projekts INADAR wurde das Prinzip der Öko-Bermen im Bereich der ODK getestet: Die Experten haben zunächst an drei etwa 30 Meter langen Musterstrecken an der Donau ökologische Dämme angelegt und anschließend eine mehrere hundert Meter lange Musterstrecke bei Günzburg gebaut. Ab 2016 entstanden dann die zwei Pilotstrecken von je 500 Metern Länge in den Staubereichen der Donaukraftwerke Oberelchingen und Offingen. In Oberelchingen wurde neben der Sanierung auch die Dammerhöhung mit der neuen Methode erprobt.
Die Baumaßnahmen gliederten sich im Wesentlichen in zwei Abschnitte: In einem ersten – technischen – Schritt wurde der Damm verbreitert und auf der Wasserseite mit Wurzelschutzmatten ausgestattet. Die speziellen Matten haben eine Dichtungsfunktion und schützen so die Dämme der Staustufe. Anschließend wurden Kies und Sedimente aufgeschüttet.
Im zweiten Schritt hat LEW Wasserkraft die ökologischen Maßnahmen in Angriff genommen und die Uferbereiche neugestaltet. Mit Hilfe von Totholz, Kies und Wasserbausteinen entstanden auf den Sedimenten naturnahe Strukturen und damit wertvolle neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Nachdem sich die Verbreiterung des Damms gesetzt hatte, konnte der Damm erhöht werden.
Öko-Bermen bereits in weiteren Staubereichen umgesetzt Nach den positiven Erfahrungen im Rahmen des Projekts INADAR hat LEW Wasserkraft das Verfahren bereits in anderen Staubereichen an Donau und Lech eingesetzt. Weitere Maßnahmen sind in Planung.

Finanzierung und Projektpartner

Die Gesamtkosten für das Projekt INADAR betrugen rund 1,4 Millionen Euro. Die EU unterstützte den ökologischen Teil des Gesamt-Projekts INADAR mit 600.000 Euro. Die restlichen Kosten von rund 800.000 Euro trägt die Obere Donau Kraftwerke AG (ODK), die Eigentümerin der Kraftwerke in Offingen und Oberelchingen. „Wasserkraft ist eine tragende Säule der Energiewende. Sie ist umweltfreundlich, ressourcenschonend, emissionsfrei und vor allem sicher verfügbar. Die Dämme und Deiche sind darüber hinaus wichtiger Teil des Hochwasserschutzes“, sagt Dr. Jörg Franke, Technischer Vorstand der Obere Donau Kraftwerke AG und bei der EnBW AG für die Stauanlagen zuständig. „Um die Wasserkraft fit für die Zukunft zu machen, sind Projekte wie INADAR ganz entscheidend. Als Eigentümerin der Wasserkraftwerke in Oberelchingen und Offingen haben wir mit diesem Projekt Anlagensicherheit und Ökologie optimal verknüpft.“
Am Projekt beteiligt waren neben LEW Wasserkraft, der ODK, der Universität Innsbruck und dem Auenistitut Neuburg außerdem die Technische Universität München und der VGB Powertech e.V. (Fachverband der Strom- und Wärmeerzeuger). Die Projektzusammenfassung (Layman‘s Report) und weitere Informationen zum Projekt sind abrufbar unter: https://www.inadar.eu/. Mehr zu LIFE: https://cinea.ec.europa.eu/life_en

Die Obere Donau Kraftwerke AG ist Eigentümerin der Wasserkraftwerke Oberelchingen, Leipheim, Günzburg, Offingen, Gundelfingen und Faimingen. Die Kraftwerke erzeugen jährlich etwa 290 Millionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbarer Energie. Mit dieser Menge können etwa 83.000 Haushalte das ganze Jahr über mit elektrischer Energie versorgt werden. Die ODK gehört zu 60 Prozent der Rhein-Main-Donau GmbH (RMD), München, und zu 40 Prozent der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Stuttgart. Der erzeugte Strom wird von der EnBW AG abgenommen und vermarktet. Die Wasserkraftwerke werden von LEW Wasserkraft betrieben und von deren Zentralwarte in Gersthofen bei Augsburg aus ferngesteuert.



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