Ulm News, 26.10.2010 14:38
Die Bahn rast in die Facebook-Falle
Bis elf Uhr streikten heute die DB-Mitarbeiter. In ganz Deutschland herrscht das reinste Bahn-Chaos. Empörte Kunden suchen händeringend nach einer Möglichkeit, ihrem Ärger Luft zu machen und mit dem Konzern zu reden. Schlau, dass die Bahn gerade eine neue Facebook-Seite einrichtete. Dumm ist nur: Über die Webseite soll eigentlich exklusiv das neue Chefticket verkauft werden. Zudem sind die wenigen Moderatoren mit dem empörten Kunden-Ansturm völlig überfordert. Mit Ansage raste die Bahn in die Facebook-Falle, berichtet das Medien-Portal Meedia
So haben sich die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn AG den Start ins Social-Network-Zeitalter wohl nicht vorgestellt. Seit einer Woche bewirbt die Bahn auf Facebook ihr Chefticket. Entworfen wurde die Kampagne von der Frankfurter Agentur Ogilvy.
Die Idee dahinter: Über ein eigens für die Werbekampagne eingerichtetes Profil können User ein Discount-Ticket kaufen. 25 Euro soll eine einfache Fahrt in ganz Deutschland in der zweiten Klasse kosten, sofern zwischen dem 25. Oktober und 7. November gebucht und zwischen dem 1. November und dem 15. Dezember gereist wird. Ein Lockangebot also – von begrenzter Dauer. Wer das Schnäppchen nutzen will, muss nur ein Fan der Seite werden. Aktuell verfolgen fast 29.000 Personen den Auftritt.
Die User nutzen den Dienst aber ganz anders: um ihrem Ärger über verspätete Züge und schmutzige Abteile und den heutigen Streik Luft zu machen. Der gewollte Imagewechsel droht zum PR-Debakel zu eskalieren.
Die Kritik am Konzern reicht von einem knappen "Scheiß Deutsche Bahn", bis zu grundsätzlichen Kommentar-Abhandlungen zum Mitarbeiter-Ausstand wie, "Ich finde es nicht richtig, dass bei einem Unternehmen, das jahrelang in staatlicher Obhut war, auf Kosten der Kunden gestreikt wird. Wettbewerb hätte hier von Anfang an nicht geschadet.
Dass neben dem fahrenden Personal auch Mitarbeiter der Infrastruktur streiken, ist das beste Beispiel für die Monopolstellung."
Die Verantwortlichen des Facebook-Auftritts wirken recht überfordert von dem "Shitstorm", der sich vor ihnen aufbaut. Statt forsch zu reagieren, hüllen sich die Moderatoren der Seite bei kritischen Fragen in Schweigen. Bei vielen anderen Wortmeldungen zum Streik gibt es nur den semi-automatischen Moderatoren-Text: "Details zur aktuellen Situation sind über die kostenlose Servicehotline 08000 996633 erhältlich." Lediglich die Fragen zum Cheftcket werden zügig beantwortet.
Bei einigen frustrierten Streik-Opfern schlägt der Ärger auf der Fan-Seite schon in Galgenhumor um. So schreibt einer: "Wer spielt mit? Findet jemand einen Zug mit höherer Verspätung als +150min? (ICE513 Münster,Köln, München)". Die Antwort folgt prompt: " Ich spiel mit. Hab hier "ca. +140 Min. " von Würzburg nach Nürnberg im ICE 25... aber soviel wie du hab ich noch nicht gefunden". Auch in diesem Thread werden die wütenden Reisenden allein gelassen.
Doch es hagelt nicht nur gehässige Kommentare. Es gibt auch User, die der Bahn zur Hilfe springen. "Wenn ihr die Bahn so scheiße findet", schreibt ein Facebook-Nutzer", warum treibt ihr euch dann hier rum? Ihr könntet ja auch das Auto nehmen (und dabei n Haufen CO2 ausstoßen). Es gibt auch jetzt schon viele Apps für Smartphones seitens der DB, die sehr gut gelungen sind & über Fahrpläne informieren.
Genug Informationen sind also da, man muss nur auf sie zugreifen wollen. Sucht die Fehler daher erstmal bei euch & nicht bei den anderen, die einfach nur ihren Job machen."
Die Werbeaktion scheint der Bahn eine Lehre zu sein. Laut heute.de erklärt die Bahn-Konzernzentrale, dass es sich lediglich um einen Testballon handle. Nach Ablauf der Aktion werde die Seite wieder geschlossen. ax/fd www.meedia.de



Highlight
Weitere Topevents
Unangenehmes Glanzlicht der Woche: Döner-Laden in der Ulmer Frauenstraß: schwere Vorkommnisse: Brotkörbe auf dem Innenhofboden, Salat in Eimern, Dönersoße mit rostiger Bohrmaschine angerührt
Bei der Kontrolle der lebensmittel-Überwachungs-Behörde Mitte Februar mussten erhebliche Mängel in...weiterlesen
Trauriges Glanzlicht der Woche: Drei Männer dringen in Ulmer Wohnung ein und attackieren einen 36-Jährigen
In einer gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Ulm und der Polizei geben biede bekannt: In...weiterlesen
Frontal gegen einen Baum geprallt und herausgeschleudert - Autofahrer verunglückt tödlich
Ein Autofahrer kam am Donnerstag bei bei Kirchberg an der Iller von der Straße ab und prallte gegen einen...weiterlesen
Auto nimmt`s mit Straßenbahn auf - 30 Fahrgäste kommen mit dem Schrecken davon
Am Dienstag sind ein Auto mit einer Straßenbahn in Ulm zusammengestoßen. weiterlesen
Vorsicht: ab heute Abend Umleitung: Vorbereitung für neuen A8-Albaufstieg: Sperrung der A 8 von Ulm-West bis Mühlhausen in Richtung Karlsruhe vom 20. bis 23. März 2026
Zur Vorbereitung für den Ausbau des neuen A8-Albaufstiegs führt die Autobahn GmbH Niederlassung Südwest...weiterlesen
Ein Glanzlicht der Woche: Katrin Albsteiger bleibt Oberbürgermeisterin und startet mit einem klaren Vertrauensvotum in ihre zweite Amtszeit
Das war glatt der Oberhammer: Es gab eine klare Entscheidung im ersten Wahlgang für OB Albsteiger. Sie...weiterlesen
Weitere Baustellen fordern weitere Geduld - das Ulmer Baustellen-Update wird immer vielschichtiger
Die Stadt Ulm steht inmitten von zahlreichen Baustellen. Die „Car-Toffel“ bekommt einen Zusatz....weiterlesen
Noch mehr Sperrungen - das Baustellen Update der Stadt Ulm für die kommende Woche - über Webcams zu sehen
Drei Webcams zeigen die aktuelle Verkehrssituation am Ulmer Ehinger Tor / Bismarckring. Da lässt sich...weiterlesen







