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Ulm News, 04.09.2015 15:00

4. September 2015 von Thomas Kießling
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Migräne: Jeder zweite Betroffene erhält keine Diagnose


Eine Mehrheit der Deutschen leidet unter Kopfschmerzen, oft unter chronischen. Schnell wird dann von Migräne gesprochen. Doch Migräne ist weit mehr als ein Kopfschmerz und beeinträchtigt Betroffene immens. In Ulm, Alb-Donau-Kreis und Biberach gab es 2014 gemäß den Zahlen der AOK 4,2 Prozent Migräne-Patienten. Experten gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl mindestens doppelt so hoch liegt: Gut jeder zweite Betroffene kennt seine Diagnose nicht.

Migräne ist nicht nur ein Kopfschmerz, sie ist eine neurologische Störung und damit eine chronische Krankheit – sogar eine der häufigsten in Deutschland. Migräne-Patienten kennen den Unterschied: Erste Symptome sind Müdigkeit und Konzentrationsstörungen Tage vorher. Bei jedem zehnten Patienten folgt die so genannte Aura mit Sehstörungen. Danach kommt der hämmernde oder stechende Schmerz, der sich fast ins Unerträgliche verschlimmert. Dann hilft nur noch Liegen im abgedunkelten Raum.

Unter ihren Versicherten zählt die AOK Ulm-Biberach nach aktuellen Zahlen 8.663 Migräne-Patienten, das sind 4,1 Prozent aller ihrer Kunden. Das entspricht in etwa dem Schnitt ganz Baden-Württembergs mit 4,2 Prozent. Vier von fünf Betroffenen sind Frauen (79,9 Prozent). Regional variieren die Zahlen leicht.

  • Stadt und Landkreis Biberach liegen mit 3,6 Prozent und 3.592 Migräne-Patienten unter dem Schnitt. 2.810 Erkrankte sind weiblich.
  • Ulm hingegen hat 1.611 Patienten und damit überdurchschnittliche 4,5 Prozent, 1.295 davon Frauen.
  • Im Alb-Donau-Kreis leiden 3.460 Personen und damit 4,3 Prozent unter Migräne. 2.725 davon sind Frauen.

Da Experten die Zahlen auf mindestens zehn Prozent der Bevölkerung schätzen,* kann man davon ausgehen, dass sich die Annahme bewahrheitet, jeder Zweite wisse trotz hohem Leidensdruck und klarer Symptome nicht, dass er unter Migräne leidet. Patienten laufen dann vom Augenarzt über den Orthopäden bis zum Zahnarzt auf der Suche nach Linderung, doch alle Maßnahmen nützen nichts. „Nur bei einer klaren Diagnose können Ärzte die richtige Therapie einleiten. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der den Patienten am besten kennt und eventuelle andere Erkrankungen bei der Diagnose berücksichtigen kann. Deshalb ist der Hausarzt-Beruf so wichtig,“ sagt Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach. Der Hausarzt überweist dann an einen Schmerzspezialisten oder Neurologen.



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