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Ulm News, 07.04.2015 10:46

7. April 2015 von Thomas Kießling
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Wettläufe gegen die Zeit


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Beschreibung: Prof. Dr. Marc-Eric Halatsch

Fotograf: Universitätsklinikum Ulm

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„Neue Ziele sind nur über neue Wege erreichbar“, wusste schon der Aphoristiker Ernst Ferstl. Ersteht  mit  dieser  Erkenntnis  nicht  alleine  da.  Auch  Neurochirurg  Prof.  Dr.  Marc-Eric  Halatsch, Leitender  Oberarzt  an der Klinik  für  Neurochirurgie des Universitätsklinikums Ulm,  verlässt – im Dienste  der  Wissenschaft  –  ausgetretene  Pfade.  Er  ist  Gründer  eines  Netzwerks  aus  ärztlichenKollegen und Forschern aus aller Welt,  die sich dem Kampf gegen das Glioblastom verschrieben haben, einem äußerst aggressiven und bösartigen Hirntumor, der bis heute nicht heilbar ist und eine mittlere Überlebenszeit von durchschnittlich 14 Monaten zulässt. 

Das Rezept von Prof. Halatsch und seinen Mitstreitern: Ein „CUSP9“ genannter Cocktail aus zugelassenen und langjährig erprobten Medikamenten und Substanzen, die in ihrem Zusammenwirken und nach ersten Analysen zu einem Absterben der Glioblastomzellen in Zellkulturen führen. „Unsere Studie befindet sich zurzeit noch in der Genehmigungsphase, sogenannte individuelle Heilversuche finden jedoch schon jetzt statt. Die ersten Ergebnisse im Rahmen unserer engmaschigen Überwachung sind dabei durchaus ermutigend“, sagt Professor Halatsch.

Der Neurochirurg gesteht gerne ein, dass ihm und seinen Mitstreitern angesichts des Cocktails auch Skepsis entgegenschlägt. Eigentlich kein Wunder, schließlich setzt sich CUSP9 aus Mitteln u.a. gegen Bluthochdruck, HIV, Rheuma, Malaria und Übelkeit zusammen. Hinzu kommen eine Substanz zum Alkoholentzug, ein Antimykotikum (Arzneimittel zur Behandlung von Pilzkrankheiten), ein Antidepressivum sowie ein Antibiotikum. Die Zusammensetzung des Cocktails sei natürlich nicht zufällig oder gar willkürlich entstanden, vielmehr seien umfangreiche Recherchen mit der Fragestellung vorausgegangen, welche bereits zugelassenen Substanzen gegen die tückischen Tumoren, die sich aus den Gliazellen des Hirns entwickeln, unter pharmakologischen Gesichtspunkten helfen könnten. „Mögliche Wechselwirkungen standen und stehen dabei stets im Mittelpunkt und sind mit Hilfe datenbankgestützter Analysetools erfasst und gewichtet worden“, erläutert der Ulmer Neurochirurg.

Wettlauf gegen die Zeit

Viel Überzeugungsarbeit ist natürlich weiterhin nötig, die jedoch langsam erste Früchte trägt, denn der hinter dem Cocktail stehende Therapieansatz gewinnt mehr und mehr Aufmerksamkeit. Aktuell kommt Professor Halatsch zusammen mit anderen renommierten Wissenschaftlern und Ärzten sowie Betroffenen in dem in England produzierten Film „Surviving Terminal Cancer“ (sinngemäß „Eine tödliche Krebsart überleben“) zu Wort, der u.a. die außergewöhnliche Lebensgeschichte des ehemaligen Psychologieprofessors Ben Williams aus Kalifornien aufgreift. Williams erkrankte 1995 an einem Glioblastom. Seine Ärzte gaben ihm nur noch wenige Monate zu leben. Der „kompromisslose Wissenschaftler“ entschloss sich jedoch damals, „wenigstens nicht ohne Kampf unterzugehen“ und für sich mittels eines Medikamentencocktails (der nicht dem aktuellen CUSP9 entsprach) eine neue Möglichkeit der Behandlung auszuprobieren. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann … Heute, nach fast 20 Jahren des Überlebens, gilt Ben Williams Wissenschaftlern und Medizinern als einer der bemerkenswertesten „statistischen Ausreißer“. Der in englischer Sprache vorliegende Film ist im Internet kostenfrei unter http://www.survivingterminalcancer.com/ verfügbar.

Was genau beinhaltet eigentlich die nach wie vor essentielle Standardtherapie, die Neurochirurgen und Onkologen seit vielen Jahren nahezu unverändert zur Verfügung steht? „An erster Stelle steht die chirurgische Entfernung des betroffenen Hirngewebes. Das Tückische dabei ist jedoch, dass ein Glioblastom diffus infiltrierend und rasch wächst. Die Folge ist meist ein Wiederauftreten des Tumors innerhalb eines Jahres“, erläutert Professor Halatsch, der neben dem neurochirurgischen Eingriff zwei weitere Säulen der Behandlung nennt: Chemo- und Strahlentherapie. „Wir hoffen, dass unser IIAIGC-Netzwerk, die Abkürzung steht für ,International Initiative for Accelerated Improvement of Glioblastoma Care‘, in der Zukunft dazu beiträgt, eine weitere Behandlungsoption zur Verfügung zu haben“, so Halatsch abschließend.



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