ulm-news.de

Donaubad Skyscraper - oben_neu
Sie sind hier: ulm-news Startseite  Nachrichten

Ulm News, 12.11.2013 07:00

12. November 2013 von Thomas Kießling
0 Kommentare

Schutzmechanismus für störungsfreie Zell-Zell-Kommunikation entdeckt


 schließen


Beschreibung: Prof. Gilbert Weidinger vom Institut für Biochemie und Molekulare Biologie der Universität Ulm mit seinen Zebrafischen.

Fotograf: Elvira Eberhardt

Foto in Originalgröße



Die Kommunikation zwischen Zellen ist für viele physiologische Prozesse essentiell. Eine zentrale Rolle dabei spielt die sogenannte Signalübertragung. Zellen können damit auf äußere „Reize“ reagieren und diese als „Reizinformation“ ins Zellinnere weitergeben, wo diese Informationen wiederum den Ausschlag geben, ob die Zelle sich teilt, sich weiter ausdifferenziert oder ihr Arbeitsprogramm ändert.

Ein ganz besonderer Signalweg, der vor allem für die Embryonalentwicklung entscheidend ist, wird über so genannte Wnt-Proteine vermittelt. Diese Proteine docken an spezifische Rezeptoren in der Zellmembran an, die wiederum die Bindungsinformation als chemisches Signal ins Zellinnere weitergeben. Wissenschaftler der Universität Ulm haben nun aufgedeckt, über welche molekularen Mechanismen dieser lebenswichtige Signalweg reguliert und kontrolliert wird. „Der Wnt-Signalweg ist unter anderem wichtig für die Entwicklung des Nervensystems, vor allem für die Herausbildung von Hirn- und Rückenmarksstrukturen“ erläutert Professor Gilbert Weidinger. Der Biologe vom Institut für Biochemie und Molekulare Biologie und sein Team haben hierzu die Embryonalentwicklung an Zebrafischen untersucht. „An diesem Fisch kann man besonders gut beobachten, wie sich ein gestörter Wnt-Signalweg auf die Entwicklung der Kopf- und Schwanzstrukturen im Nervensystem auswirkt: da sich nur das Vorderhirn ausbildet, kommt es zu einem so genannten Dickkopf. Rückenmark, Mittel- und Hinterhirn verkümmern“, so Weidinger. Der gebürtige Österreicher, der sich schon während seines Studiums an der Uni Salzburg für entwicklungsbiologische Fragen sehr interessiert hat, forschte bereits für seine Promotion an der Universität Freiburg und dem MPI Göttingen an Zebrafischen. Zum Spezialisten für Wnt-Signale wurde der Entwicklungsbiologe in seiner Zeit als Postdoc in Seattle (USA). Weidinger weiß daher genau, dass nicht nur die Störung des Signalweges, sondern auch dessen Überaktivierung böse Folgen haben kann: nämlich unkontrolliertes Zellwachstum bis hin zu Krebs. „Solche zentralen Signalübertragungswege sind daher streng kontrolliert, damit entscheidende physiologische Prozesse wie die Embryogenese oder die Teilung von Stammzellen nicht aus der Bahn geraten“, erläutert der Entwicklungsbiologe. So können die Rezeptoren für das Wnt-Protein natürlicherweise nur in bestimmten Unterregionen der Zellmembran, sogenannten „rafts“, aktiviert werden, obwohl die Rezeptoren für dieses Protein (`LRP6´ und `Frizzled´) in der gesamten Membran zu finden sind. Die Forscher konnten nun nachweisen, dass ein spezielles `Schalterprotein´ (Lypd6) die Aktivierung von Wnt-Signalen in den Membranunterregionen reguliert. Diese Proteine aus der Ly-Familie kommen natürlicherweise ausschließlich in den „raft“-Domänen der Membran vor. Die Wissenschaftler haben nun den experimentellen Nachweis erbracht, dass sich der Wnt-Signalweg nicht aktivieren lässt, wenn Lypd6 dort fehlt. „Und – was noch erstaunlicher ist – wir konnten zeigen, dass sich die Wnt-Rezeptoren auch in anderen Membrandomänen aktivieren lassen, wenn das `Schalterprotein´ Lypd6 experimentell dorthin verbracht wurde“, so Weidinger. Die Forscher verfolgten dabei einen doppelten Ansatz: in vivo über die Embryonalentwicklung von Zebrafischen und in vitro –also in Zellkultur – mit Hilfe menschlicher Nierenzellen. „Mit Hilfe vielfältiger gentechnischer, biochemischer und zellphysiologischer Experimente haben wir einen neuen molekularen Mechanismus der Regulation von Wnt Signalen gefunden, der bisher völlig unbekannt war“, erklärt Dr. Günes Özhan. Die Wissenschaftlerin ist Postdoc am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden, wo Weidinger bis zum Antritt seiner Professur Anfang 2012 in Ulm 6 Jahre als Gruppenleiter tätig war. „In dieser Zeit haben wir auch den Grundstein g elegt zu der sehr spannenden Zusammenarbeit mit Entwicklungsbiologen und Biophysikern aus der damaligen Dresdner Arbeitsgruppe der LMU-Professorin Petra Schwille“, ergänzt Gilbert Weidinger. „Lypd6 ist ein sehr wichtiges Protein, das bei vielen tierischen Lebewesen vorkommt. Doch seine Funktion und Bedeutung konnte bisher noch nicht wirklich geklärt werden. Wir haben nun zum ersten Mal zeigen können, welche wichtige Rolle es als `Schalterprotein´ für die Regulierung des Wnt-Signalweges spielt“, so das Forscherteam. Damit konnten die Wissenschaftler einen wichtigen Beitrag leisten zur Klärung des molekularen Schutzmechanismen, die dafür Sorge tragen, dass dieser essentielle Signalweg nicht unkontrolliert aktiviert wird und damit möglicherweise bestimmte Krebsformen auslöst. „Denn Embryonalentwicklung und Krebsentstehung sind sozusagen zwei Seiten einer Medaille. Mit dem Unterschied, dass das Zellwachstum im guten Fall kontrolliert verläuft und im schlechten eben nicht. Daher ist dieser Schutzmechanismus so wichtig“, fasst Weidinger zusammen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse des von der DFG unterstützten Forschungsprojektes in der renommierten Fachzeitschrift Developmental Cell.



Hochzeitsmesse 2026 - Teil 2Paul Camper - Tessa 2Donaubad Startseite 1Stauferkrone 2026Sparkasse NU

Termine & Kino

weitere Termine
Donaubad Skyscraper - oben_neu
Mar 05

Tödlicher Unfall bei Ehingen - Bus und Auto stoßen zusammen
Ein 58-jähriger Autofahrer starb am Dienstagnachmittag bei Ehingen. Tödlicher Unfall auf der B492Ein...weiterlesen


Mar 07

Kurioses Glanzlicht der Woche: Brand im Ulmer Gefängnis sorgt für große Aufregung - mit hohen Sicherheits-Vorkehrungen
In einer Werkstatt der Justizvollzugsanstalt Ulm ist am Mittwochmittag ein Feuer ausgebrochen. Drei...weiterlesen


Feb 28

Ein Glanzlicht der Woche: Ulms Mega-Kran ist aufgebaut - höher als das Münster - nun kann es für 10.000 Euro Miete pro Stunde losgehen
Die Stadt Ulm erlebt ihre wohl bisher größte Baustelle. Für den Neubau der Wallstraßenbrücke wird nun...weiterlesen


Mar 14

Trauriges Glanzlicht der Woche: Drei Männer dringen in Ulmer Wohnung ein und attackieren einen 36-Jährigen
In einer gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Ulm und der Polizei geben biede bekannt: In...weiterlesen


Mar 03

Baustellensprechstunde u.a. am imposanten Kranen am Blaubeurer Ring - und weitere Ulmer Baustellen
Das Update des Baustellen-Managements der Stadt Ulm ist auch für kommende Woche umfangreich -...weiterlesen


Mar 14

Auto nimmt`s mit Straßenbahn auf - 30 Fahrgäste kommen mit dem Schrecken davon
Am Dienstag sind ein Auto mit einer Straßenbahn in Ulm zusammengestoßen. weiterlesen


Mar 09

Hammer in Ulm: Mario Schneider von der CDU klaut Michael Joukov, Grüne das Direktmandat
Mit Mario Schneider (45) wird wieder ein CDU-Politiker aus dem Wahlkreis Ulm direkt in den Landtag...weiterlesen


Mar 06

88-Jähriger Fahrfahrer nach Unfall seinen Verletzungen erlegen
Am Montag kam es zu einem schweren Verkehrsunfall bei Erolzheim bei dem ein 88-Jähriger schwere...weiterlesen



Donaubad Skyscraper - oben_neu

 
© ulm-news.de, Nachrichten für Ulm und Umgebung   KONTAKT | FAQ | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ | Cookie Einstellungen anpassen nach oben