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Ulm News, 14.02.2012 12:33

14. February 2012 von Thomas Kießling
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Gestörte Nervenzell–Kommunikation begünstigt Autismus


Genetische Mutationen, die die Kommunikation von Nervenzellen stören, stehen offenbar in direktem Zusammenhang mit autistischen Störungen. Entsprechende Ergebnisse sind kürzlich in der Fachzeitschrift „Public Library of Science – Genetics“ veröffentlicht worden. Unter den Autoren finden sich Professor Tobias Böckers, Dr. Christian Pröpper und Jutta Heinrich vom Ulmer Institut für Anatomie und Zellbiologie.

Sie haben mit Wissenschaftlern des renommierten Instituts Pasteur, des französischen Nationalen Zentrums für Wissenschaftliche Forschung (CNRS) sowie weiterer europäischer Einrichtungen zusammengearbeitet. Die neuen Erkenntnisse untermauern die Annahme, dass Störungen an synaptischen Kontakten des zentralen Nervensystems ursächlich für Autismus sind. Unter dem Sammelbegriff Autismus werden verschiedene neuronale Entwicklungsstörungen zusammengefasst. Symptome setzen meistens in der Kindheit ein und umfassen zum Beispiel soziale Isolation, eine beeinträchtige Sprachentwicklung und stereotype Verhaltensmuster. Genetische Ursachen sind noch nicht vollständig verstanden: Mit autistischen Störungen haben Wissenschaftler bereits Mutationen in mehr als 100 Genen assoziiert. Allerdings bleibt es schwierig, ihre genauen Rollen und hierarchischen Bedeutungen im neuronalen Funktionsgefüge zu bestimmen. Bei genetischen Analysen hat die Forschergruppe jetzt neue Mutationen im so genannten Shank2-Gen nachgewiesen. Diese Veränderungen können bei einigen Patienten sogar zum kompletten Verlust einer Genkopie führen. Das Shank2-Gen kodiert ein synaptisches Protein und ist somit für die Vernetzung von Nervenzellen mitverantwortlich. Anhand von neuronalen Zellkulturen haben die Wissenschaftler gezeigt, dass die Mutationen mit einer reduzierten Synapsen-Zahl und somit einer gestörten neuronalen Kommunikation einhergehen können. Eine detaillierte Untersuchung von Patienten, denen eine Genkopie fehlt, hat zusätzliche chromosomale Anomalien aufgezeigt. Diese seltenen Anomalien werden bereits mit anderen neuropsychiatrischen Störungen in Verbindung gebracht. „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung synaptischer Gene bei Autismus“, erklären die Professoren Thomas Bourgeron und Tobias Böckers, die schon seit einigen Jahren erfolgreich zur Thematik „Analyse neuropsychiatrischen Erkrankungen“ zusammenarbeiten. Weiterhin wiesen die Erkenntnisse auf die Existenz modifizierender Gene hin, die Symptome verschiedener autistischer Störungen angleichen könnten. Unterstützt wurden die Untersuchungen im Institut für Anatomie und Zellbiologie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Medizinischen Fakultät der Uni Ulm.



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