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Ulm News, 13.02.2012 15:16

13. February 2012 von Thomas Kießling
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Club der toten Dichter: Höchst lebendig


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Club der toten Dichter: Höchst lebendig Neu-Ulm hat ja nicht "den Höchsten" oder so was. Nicht wenige behaupten: „Neu-Ulm hat so gar nichts …“ Doch! Neu-Ulm hat was. Neuerdings immer wieder mal. Im März (15. bis 25.) zum Beispiel das "1. Neu-Ulm PocketKlassiker-Festival".

Mit einem neuen Slogan tönen sie "Neu-Ulm: Neue Wege" – und spinnen wohl manchmal auch. Ein wenig jedenfalls. Jetzt behaupten sie nämlich: "Die Zeit ist reif für Theater-Klassiker im Taschenformat." Schlitzohrig schieben sie als Grund vor: „Allenthalben leiden Stadtsäckel an Schwindsucht, ganze Nationen drohen Pleite zu gehen. Da müssen auch Theater die ausgelatschten Pfade verlassen. Stücke mit 57 Schauspielern für 57 Rollen? Nicht mehr zeitgemäß! 'Faust'? Kann einer allein spielen. In fünf Minuten. Offenbachs 'Orpheus in der Unterwelt'? Ein Akteur und ein Musiker reichen. Klammheimlich hoffen die Festivalmacher, dass sie mit diesem Konzept Leute (wieder) ins Theater verführen, die normalerweise nicht ins Theater gehen. Weil sie es nicht prickelnd finden?! Weil es ihnen der Schule verleidet wurde?! Besonders der olle Goethe und so. Claudia Riese und Heinz Koch vom „Außergewöhnlichen Goethe- und Schiller-Theater Neu-Ulm“, die das Ganze für „Wir in Neu-Ulm“ geplant haben und nun umsetzen, wollen mit diesem Festival zeigen, dass alles andere als unsexy sein muss, sondern ziemlich cool sein kann. Ihr Spruch: „Der Club der toten Dichter wird ganz schön lebendig.“ Dafür haben die Festival-Macher Könner aus ganz Deutschland nach Neu-Ulm verpflichtet, ziemlich taffe Künstler, die ihre Klassiker nicht bierernst nehmen. Einer zum Beispiel spielt den „Faust“ als Variethéater (kein Schreibfehler): Karl-Heinz Helmschrot. Er jongliert zu den Goethe-Versen mit brennenden Fackeln, gibt den Wagner als zappelnde Marionette, klingt als Mephisto wie Gründgens, singt zur Gitarre, nutzt sie als fiktive Schreibmaschine, jongliert mit Wortspielen, begleitet Gretchens Klagelied auf der singenden Säge und rapt auch gern mal Texte. Die Räuberbande: Bernd Kohlhepp, deren Chef und die reizende Amalia: beide mimt Bernd Kohlhepp genauso wie den alten Moor und seinen Sohn Franz (die Kanaille). – Kohlhepp spiel solo seinen Schiller „Die Räuber oder so…“, alle Rollen. Genauso bietet Michael Quast solistisch eine ganze Operette (Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“) auf so fulminante Art, das es in einer Kritik heißt: „Alle, die da waren, haben … das Orchester gesehen und gehört, den Vorhang, den Chor, den Inspizienten und alle Personen der turbulenten Handlung. Ein Wunderwerk im ‘Spielbetrieb’ einer einzigen Stimme.“ Bernd Lafrenz (Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“) und Bridge Markland („Der zerbrochne Krug“ von Kleist) sind weitere Solisten, die ohne weitere Kollegen mit Bravour ein Riesen-Werk stemmen. Mit zwei Mimen bringt das Augsburger Sensemble-Theater „Hamlet 4 You“, und das organisierende AuGuSTheater bietet „fast Faust“ als Lustspiel für zwei Schauspieler sowie die Shakespeare-Collage mit Liedern „Willis wilde Weiber“ mit einem Damen-Trio. Die Spielregel beim PocketKlassiker-Festival: Mini-Ensembles (höchstens drei Leute) bringen „Klassisches ohne Zopf und Bart - Goethe, Shakespeare, Schiller & Co ohne Staub". Man könnte auch sagen: Classsic meets Comic. Stücke, die im Original Stunden dauern, werden in 90 Minuten auf die Bretter gebracht, mit Pause dazwischen. Das Wichtigste wird („die Stellen“ werden) im Originaltext geboten – nur schneller, kürzer und: WITZIG! Das Festival beginnt am 15. März mit einem Opening-Fest und endet am 25. März mit einem Finale-Fest. Es wird ein PocketKlassiker-K ing (respektive eine PocketKlassiker-Queen) gekürt. Das komplette Programm findet man hier. Der Vorverkauf läuft, Karten gibt es bei der Südwest Presse am Ticketschalter im Pressehaus, Frauenstraße 77, Ulm, und im Servicecenter der SWU, Neue Straße in Ulm.



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