Ulm News, 21.01.2026 11:15
Brutale Attacke – Prozess um Messerangriff beginnt
Am Ulmer Landgericht hat die Hauptverhandlung gegen einen 26-Jährigen begonnen. Er soll im Sommer 2025 in einem Linienbus einen 16-Jährigen angegriffen haben. Mit einem Küchenmesser stach er auf den Jugendlichen ein. Das Opfer konnte sich wehren. Die Staatsanwaltschaft fordert die Unterbringung in der Psychiatrie. Der Mann leidet an Schizophrenie.
„Es tut mir sehr leid. Ich bereue es. Ich wollte es nie", sagt der Beschuldigte Mario L. Er räumt die Tat ein, doch er kann sich kaum erklären. „Ich war nicht Herr meiner Sinne", gibt er zu Protokoll. Was am 20. Juli 2025 im Bus geschah, hat dramatische Folgen. Staatsanwalt Maurice Moure wirft dem Mann versuchten Mord vor. „Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, im Sommer letzten Jahres im Bus einen ihm völlig unbekannten Dritten mit einem Messer angegriffen zu haben, einem Küchenmesser, welches er im Vorfeld der Tat von zu Hause mitgenommen hat", erklärt Moure. Der Beschuldigte habe das Opfer erheblich verletzen wollen. Auch den Tod habe er billigend in Kauf genommen.
Stimmen befohlen Messerangriff
Der 26-Jährige Deutsche leidet seit Jahren an Schizophrenie. Seit Januar 2022 war er mehrfach freiwillig in psychiatrischer Behandlung. Im Sommer 2025 setzte er eigenmächtig seine Medikamente ab. „Die Tabletten tun mir nicht gut", sagt er später aus. Er habe ohne Medikamente verwirrende Gedanken gehabt. Doch die Nebenwirkungen der Medikamente seien massiv gewesen, Übelkeit habe ihn gequält. Ohne Medikamente verschlimmerte sich sein Zustand rapide. Er hörte akustische Halluzinationen. Stimmen befahlen ihm, was er tun sollte. In der Nacht vor der Tat konnte er wieder einmal nicht schlafen. Peinigende Stimmen quälten ihn. „Damals redete Gott ohne jeden Zweifel", berichtet er dem psychiatrischen Sachverständigen. Gegen sieben Uhr morgens traf er eine fatale Entscheidung. „Ich mache jetzt irgendwas, damit ihr mich nicht weiter drangsaliert", habe er gedacht.
Messer mit 20 Zentimeter Klinge
Mario L. nahm ein Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge aus dem Elternhaus und versteckte es in seiner Jacke. Dann stieg er am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr in einen Linienbus Richtung Ulm. An einer Haltestelle in Arnegg stiegen der 16-jährige Auszubildende und seine damals 15-jährige Freundin zu. Sie setzten sich auf der anderen Gangseite hin. Als der Bus anfuhr, stand Mario L. plötzlich auf. Er zückte das Messer. Dann stach er unvermittelt in Richtung des Halses des Jugendlichen. Der junge Mann erlitt Schnittverletzungen am linken Ohr und am Oberarm. Doch er konnte sich wehren. Beim Kampf verletzte er sich am rechten Daumen. Der 16-Jährige hatte den Selbstverteidigungssport Krav Maga trainiert. Er drückte mit der Hand in den Ellenbogen des Angreifers. So konnte dieser den Arm mit dem Messer nicht richtig bewegen. Der Busfahrer bemerkte den Angriff. Er stoppte sofort und öffnete die hintere Tür. Er forderte den Angreifer auf, auszusteigen. Mario L. flüchtete und warf das Messer in die Blau. Seine Jacke blieb im Gebüsch zur Blau hängen.
Opfer bricht in Tränen aus
Wenige Minuten später rief er selbst über Notruf die Polizei. „Ich habe einen Messerangriff verübt", gestand er. Die Beamten nahmen ihn widerstandslos fest. Eine Polizistin berichtet vor Gericht: „Er stand auf dem Gehweg. Er hat sich hingelegt. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Er war ruhig, nicht aggressiv.“ Der 16-Jährige sagt als Zeuge aus. Er ist fast einen Kopf größer als der Beschuldigte, aber schlaksig. „Es ging alles ziemlich schnell. Ich habe nur ein Messer gesehen", erinnert er sich. Seine damalige Freundin sitzt weinend im Zeugenstand, ihre Mutter nimmt sie in den Arm. Richter Wolfgang Tresenreiter zeigt Mitgefühl, er reicht ihr Taschentücher. Währenddessen haben die Blicke des Beschuldigten den Richter fixiert, das Opfer und seine Freundin würdigt er keines Blickes. „Wie geht es Ihnen heute?", fragt der Vorsi tzende Richter einfühlsam. Die junge Frau kann kaum sprechen. In den Tagen nach der Tat konnte sie nicht einkaufen gehen, nicht Bus fahren. Heute ist es besser geworden, doch es quält sie spürbar, nochmals über das Erlebte berichten zu müssen. Die Staatsanwaltschaft geht von Schuldunfähigkeit aus. Sie sieht versuchten heimtückischen Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung als erfüllt an. Von dem Mann seien weitere erhebliche Taten zu erwarten, er sei für die Allgemeinheit gefährlich. Daher fordert sie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der Prozess wird fortgesetzt, drei weitere Termine sind bis Ende Februar angesetzt.
Text/Fotos: Thomas Heckmann





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