Ulm News, 27.12.2025 18:15
Schnellere Erholung nach OP an der Uniklinik Ulm
Mit der so genannten Enhanced Recovery gelingt von Anfang an nach der Operation erfolgreich eine schnellere Erholung. Wie diese moderne Behandlungspfade die Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm funktionieren.
Als Frau M., 62 Jahre, nach ihrer Leberoperation zum ersten Mal wieder aufstand, sind gerade einmal vier Stunden seit dem Eingriff vergangen. „Das hätte ich nie gedacht“, sagte sie überrascht, während die Pflegekraft sie am Arm stützte. Noch am selben Abend konnte sie einige Schritte gehen – ein Moment, der für sie klein wirkte, für das Team der Allgemein- und Viszeralchirurgie jedoch ein großer Erfolg war. Auch ein reguläres Abendessen nach einer Bauchoperation am Morgen hätte sich die Patientin so nicht vorstellen können. Denn für genau diese Art von schnellen, sicheren Genesungsverläufen hat die Klinik am Universitätsklinikum Ulm (UKU) ein neues Kapitel aufgeschlagen: die Einführung des Enhanced-Recovery-Programms.
Von der Vision zur gelebten Praxis
Was bei seinem Amtsantritt als klares Ziel formuliert wurde, ist inzwischen Realität: Prof. Dr. Nuh Rahbari, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, hatte früh das Potenzial eines systematisch strukturierten, patientenzentrierten Genesungsprogramms erkannt. Schritt für Schritt entwickelte das Team daraus ein digitales Enhanced-Recovery-Modell, das im September 2025 in den klinischen Alltag überführt wurde. Mehr als 120 Patientinnen und Patienten, die sich einer Leber-, Bauchspeicheldrüsen- oder Darmoperation unterzogen haben, konnten seitdem bereits von den neuen Abläufen profitieren.
Ein Konzept, das den gesamten Behandlungsweg verbindet
„Enhanced Recovery ist kein einzelner Baustein, sondern ein ganzes System: Ein wissenschaftlich fundierter, multimodaler Ansatz, der alle Phasen vor, während und nach einer Operation umfasst,“ sagt Prof. Dr. Emrullah Birgin, Leiter des Enhanced-Recovery-Programms am UKU und Bereichsleiter für Leber- und Gallenwegechirurgie. Ziel ist es, Komplikationen zu senken, die Genesung zu beschleunigen und die Lebensqualität zu verbessern. Ein zentrales Element: Die Patientinnen und Patienten werden nicht nur versorgt, sondern aktiv eingebunden. Sie erhalten frühzeitig Informationen, erlernen Atem- oder Mobilisationsübungen und wissen genau, was sie selbst zu einem guten Verlauf beitragen können.
„Mit dem Enhanced-Recovery-Programm unterstützen wir unsere Patientinnen und Patienten von Beginn an bestmöglich und individuell – durch präoperative Aufklärung, optimierte Ernährung, zielgerichtetes Schmerzmanagement und frühe Mobilisation“, erklärt Prof. Birgin.
Digitale Pfade, die den Alltag verändern
Besonders prägend für die Ulmer Umsetzung ist die konsequente Digitalisierung. Eine speziell für das UKU konfigurierte App begleitet die Patientinnen und Patienten vom ersten Vorbereitungstag bis nach der Entlassung. Sie informiert, erinnert und motiviert – und erlaubt es den Betroffenen, ihren Fortschritt selbst zu verfolgen. Die Kombination aus den Enhanced-Recovery-Pfaden und der digitalen Umsetzung ist in Deutschland bisher einzigartig.
Was in Workshops begann, ist nun ein fester Bestandteil der stationären Behandlung: Checklisten, Videoanleitungen, tägliche Aufgaben und eine klare Struktur, die Sicherheit schafft – für die Patientinnen und Patienten, aber auch für die Teams im OP, auf Station und im Funktionsdienst.
Ein Projekt, das viele Hände braucht
„Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie eng evidenzbasierte Maßnahmen und digitale Unterstützung verzahnt werden können“, betont Prof. Rahbari. „Dass wir heute so weit sind, ist vor allem der außergewöhnlichen Teamarbeit aller beteiligten Kolleginnen und Kollegen zu verdanken.“
Tatsächlich ist Enhanced Recovery nur möglich, wenn alle Berufsgruppen an einem Strang ziehen: Chirurgie, Pflege, Anästhesie, Funktionsdienste, Physiotherapie, Ernährungsberatung und IT. Gemeinsam entwickelten sie Abläufe, passten Schnittstellen an und schufen neue Routinen. Aktuell entsteht zusätzlich ein Team an Pfadkoordinatorinnen und -koordinatoren, das künftig sicherstellen wird, dass jeder Behandlungsschritt – von der Aufnahme bis zur Entlassung – reibungslos ineinandergreift.
Bedeutung für das gesamte Klinikum
Die Einführung des Enhanced-Recovery-Programms gilt am Universitätsklinikum Ulm als wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung der chirurgischen Versorgung.
„Durch das evidenzbasierte Behandlungskonzept stärken wir nicht nur die Ergebnisqualität, sondern auch die Patientensicherheit und das Wohlbefinden unserer Patientinnen und Patienten“, betont Prof. Rahbari. „Dieses Projekt zeigt, wie Innovation, Teamgeist und wissenschaftliche Exzellenz zu nachhaltigen Verbesserungen in der Versorgung führen.“
Vorschlag Bildunterschrift (Quelle: Universitätsklinikum Ulm)
Enhanced Recovery.jpg: Das Enhanced-Recovery-Team der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (v.l.): Prof. Dr. Emrullah Birgin, Prof. Dr. Nuh Rahbari, Alina Prinz, Bonnie Hepp, Katharina Wehrmann und Leonard Bopp.




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