Ulm News, 01.12.2025 19:15
Ulm feiert Abschied von der Brücke - und tausende Besucher Kommen - größtes Projekt seit dem Münsterbau - und der ging rund 500 Jahre
Tausende kamen am Sonntag nach Ulm um den beginnenden Abriss der Wallstraßenbrücke und des Blaubeurer-Tor-Ring zu feiern. Unter der Blaubeurer-Tor-Brücke waren Familien, Neugierige, Minister und der Oberbürgermeister zusamen. Es herrschte Volksfeststimmung. Hütten und eine Bühne standen unter der Brücke. Im Hintergrund warteten Baumaschinen auf ihren Einsatz. Infostände erklärten das Projekt. Besucher stellten Fragen, manche übten Kritik. Doch die meisten staunten einfach nur.
Es folgt noch eine ulm-news Foto-Galerie.
Sieht so ein bisschen aus wie die autofreien Sonntage aus den 1970ern - die Älteren mögen sich erinnern. Aber halt nur halb. Seit Freitag ist die Brücke Richtung Neu-Ulm gesperrt, und heute war sie begehbar - aber halt nur die in Richtung Süden. Tausende nutzten die einmalige Chance und spazierten über die Fahrbahn, auf der sonst nur Autos rollen. Manche liefen sogar in den Lehrtal-Tunnel hinein. Wo sonst Motoren dröhnen, hallten nun Schritte. Reden,
Helme und ein Stau
Dann passierte es. Neugierige öffneten eine Notausgangstür zur anderen Tunnelröhre. Der Tunnel Richtung Norden wurde automatisch gesperrt. Es staute sich einmal quer durch die Stadt. Die Polizei überprüfte alles. Als keine Personen mehr im Tunnel waren, gab sie ihn wieder frei. Auf der Bühne sprachen die Ehrengäste. Verkehrsminister Winfried Hermann war aus Stuttgart gekommen. Er lobte das Projekt. „Das ist ein Vorreiter", sagte er. Das Partnering-Modell sei das erste einer Kommune in Baden-Württemberg. Bald soll es auch bei der Sanierung des Stuttgarter Flughafens eingesetzt werden. Hermann hatte auch gute Nachrichten dabei. „Zehn Millionen weitere Förderung können wir zusagen.“ Regierungspräsident Klaus Tappeser würdigte die Region. „Ulm ist die florierende Region in Süddeutschland", sagte er. Dann wurde er humorvoll. „Feiern Sie noch mal ordentlich, bevor Sie im Stau stehen." Das Projekt schaffe eine neue Struktur der Stadtmitte.
Größtes Projekt seit dem Ulmer Münster
Oberbürgermeister Martin Ansbacher sprach von einem historischen Tag. „Das ist derzeit das größte Projekt der Stadt", erklärte er. Minister Hermann setzte noch einen drauf. „Das ist das größte Projekt in Ulm nach dem Bau des Ulmer Münsters.“ Baubürgermeister Tim von Winning erklärte die Vision. Er nannte die B10 einen „Urban Canyon". Die Straße zerschneide die Stadt. „Es muss gelingen, diese Schlagader verträglicher in die Stadt einzubauen", sagte er. Das sei nicht einfach. In den letzten drei Jahren gab es eine der höchsten Baupreissteigerungen in der Geschichte des Landes. Projektleiter Gerhard Fraidel von der Stadt Ulm hatte einen besonderen Tag. Er feierte Geburtstag. Der Oberbürgermeister überreichte ihm ein Geschenk: einen goldenen Bauhelm mit aufgeklebter Brücke. Tunnelpatin Helga Malischewski, eine Alt-Stadträtin, bekam einen rosa Bauhelm mit Schaufel. Brückenpate Jürgen Eismann, Filialleiter von IKEA Ulm und Nachbar der Baustelle, erhielt einen Helm mit Bagger.
Jungbürger feierten am Vorabend
Schon am Samstagabend war die Fläche unter der Brücke eine Party-Location. Die Stadt feierte ihre Jungbürger. Oberbürgermeister Ansbacher hatte rund 3500 junge Menschen eingeladen. Sie wurden zwischen Schwörmontag 2024 und 2025 sechzehn, siebzehn oder achtzehn Jahre alt. Über 600 kamen zur geschlossenen Veranstaltung. Von 18 bis 22 Uhr verwandelte sich der Raum in eine Open-Air-Location. Streetfood, heiße und kalte Getränke, weihnachtliche Hütten und Lichtinstallationen schufen Atmosphäre. DJs spielten Clubsounds und Afrohouse. Ein Abend, den es so nie wieder geben wird. Denn bald fällt die Brücke.
Text/Fotos: Thomas Heckmann





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