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Ulm News, 27.10.2025 20:30

27. October 2025 von Thomas Kießling
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Fluch und Segen von Künstlicher Intelligenz und Social Media


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Beschreibung: Die Referentinnen und Referenten des Abends.

Fotograf: Moritz Reulein

Foto in Originalgröße



Wenn Wirtschaft, Wissenschaft und Politik der Großregion Ulm/Neu-Ulm
aufeinandertreffen, geht es um die Zukunft – und in diesem Jahr
besonders um die Macht von Social Media und Künstlicher Intelligenz.
Unter dem Titel „Social Media & KI: Auswirkungen auf die Gesellschaft,
die Wirtschaft und die Politik“ hat die initiative.ulm.digital kürzlich in den Wiley Club in Neu-Ulm eingeladen. Rund 300 Gäste folgten der Einladung zu einem Abend, an dem Fluch und Segen von Künstlicher Intelligenz und Social Media in großer Vielfalt besprochen wurden.

Bei der Begrüßung mahnte Heribert Fritz, Vorsitzender der initiative.ulm.digital, „dass die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft auch 2025 mit Bürokratie, Krieg, hohen Energie- und Steuerlasten alles andere als ideal sind“. Wie Unternehmen mit Hilfe Künstlicher Intelligenz und Social Media dem begegnen können, zeigten Referentinnen und Referenten an diesem Abend auf, für den der Vorstand der Unternehmervereinigung wieder ein hochklassiges Programm zusammengestellt hatte. Fritz bedankte sich eingangs besonders bei allen Rednerinnen und Rendern ausdrücklich für ihr Engagement und ihre Teilnahme am „Höhepunkt unseres Vereinsjahres“.

Experten eröffnen den Abend

Zum Auftakt führten Chris Boos, ehemaliger Berater der Bundesregierung,
Professor Dr. Frank Kargl von der Universität Ulm sowie Andreas
Buchenscheit, Geschäftsführer der CORTEX media GmbH und stellvertretender Vorsitzender der initiative.ulm.digital, in das komplexe Thema ein.
Social Media und KI seien längst keine demokratischen Spielwiesen mehr. „Sie
bestimmen heute, wie wir denken, handeln und wirtschaften“, betonte Boos.
Social Media und die Algorithmen funktionierten mit Gefühlsthemen und 
Empörung. „Wissen kann nicht durch Gefühle ersetzt werden“, spielte Boos auf das beliebte „Bauchgefühl“-Argument im Netz an. Gleichzeitig sinke die Fähigkeit zum Konsens. „In den USA klagen schon Kinder gegen Eltern und umgekehrt.
Das ist eine Katastrophe für die Gesellschaft“. Social Media und KI seien „eine
riesige Propagandamaschine“, erklärte Boos, der auch als Berater für das Militär tätig ist. Ein Atomangriff hinterlasse ein verwüstetes Land. Mit Cyberangriffen, bei denen beispielsweise die Strom-Infrastruktur gestört werden und Propaganda im Netz könnten Gesellschaften und Regierungen verändert werden, „ohne dass etwas zerstört, wird“. „KI beschleunigt solche Möglichkeiten“. Was kann man dagegen tun? „Wir können wieder mehr nachdenken und Gefühle zurücksetzen“, riet Boos.
Auch Professor Dr. Kargl warnte: Unsere Gesellschaft nutzt KI-Systeme, „ohne zu wissen, wie sicher diese sind“. Noch wisse man nicht, wie manipulierbar Chat GPT und Co seien, weder bei Angriffen von außen noch bei den Inhalten. Ein Riesenthema sei auch Ethik und Moral. Könne die KI, „was wir Menschen für menschlich halten?“ „KI rast mit Vollspeed in die Gesellschaft – trotz all dieser Fragen, so Kargl, der mit seinem Institut an der Uni Ulm an diesen Themen forscht.
Andreas Buchenscheit verwies auf die zentrale Rolle der Bildung: „Kinder und
Jugendliche wachsen in einer digitalen Welt auf. Wir müssen sie befähigen,
kritisch mit Algorithmen umzugehen – nicht sie ihnen überlassen.“
Buchenscheit hat als Schüler das Ulmer Facebook namens Team Ulm – vor Facebook –& amp; amp; amp; amp; amp; amp; amp; nbsp;aufgebaut und damals schon die Zusammenhänge von Dating, Kontakten, Events erkannt und angewandt. Team Ulm wurde ein extrem reichweitenstarkes Portal – und doch von anderen Portalen wie StudiVZ oder später Facebook überholt. „Warum setzt sich das in den USA durch und bei uns nicht“, fragte Moderator Becker. „Es gibt die Vision, dann kommt bei uns erst die lange Analyse und dann ist der Zug auch schon abgefahren“, mutmaßte Buchenscheit.

Professor Dr. Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim beleuchtete die Wechselwirkung zwischen Social Media, Künstlicher Intelligenz und öffentlicher Meinungsbildung: „Wir müssen uns fragen, wie sich digitale Kommunikation verändert, wenn KI-Inhalte erzeugt – und wer am Ende überhaupt noch den Diskurs kontrolliert.“ Leichte Inhalte seien „unheimlich dominant“. In Social Media gehe es „vorwiegend um Gefühle, nicht um Wahrheit und Qualität.“ So würden Fakenews öfter geteilt als richtige, wahre Nachrichten. Früher hätten die Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen die Informationen – nach Prüfung auf Infhalt und Quelle – verteilt, heute könne das jeder tun. Und immer weniger Nutzer prüften die Quellen dieser Nachrichten, weil das mühsam sei. „Social Media ist wie die Bild-Zeitung auf Speed“, kommentierte Schweigert die Entwicklung ernüchternd.

In einer weiteren Runde berichteten Unternehmerinnen und Unternehmer aus
der Region, wie KI den Arbeitsalltag verändert. Hubert Ketterer, Geschäftsführer der Bite GmbH, stellte gemeinsam mit dem Michael Fiedler vom Talent Cluster Schwaben neue Ansätze im Personalmanagement vor: „Recruiting wird datengetrieben, aber Menschlichkeit und Authentizität bleibt entscheidend.“ Auch Michael Fiedler betonte, dass Facebook, Instagram und TikTok maßgeblich beim Recruiting von Auszubildenden, aber auch von Fachkräften ist. Auf ein anderes Problem machte IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Engstler-Karrasch aufmerksam: „Heute wird jede Bewerbung mit KI geschrieben“. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, riet sie den Unternehmen zur internen Personalentwicklung. Eine Möglichkeit sei auch, vermehrt Teilzeitjobs anzubieten. Hierzu müsste aber die Kindergartenbetreuung in den Kommunen verbessert werden, sagte sie mit Blick auf die anwesenden Oberbürgermeister im Saal.

Influencerin, Politiker, Unternehmer und Musiker mit Mission

Besonderen Applaus erhielt Aurelia Anna Heinz, auf TikTok und Instagram  als Aurelia bekannt. Die Ulmer Influencerin, die insgesamt über eine Million Follower zählt, gewährte einen ehrlichen Einblick in die Welt der sozialen Medien: „Social Media ist kein Zufall – es ist tägliche Arbeit, Authentizität und viel Interaktion.
Aber auch Druck, sich ständig zu präsentieren.“ Zur Influencerin sei sie eher
zufällig geworden. Sie habe ihren priv aten Accou nt vo r ein igen Jahre n &am p;ouml;ffentlich gemacht. Aufgrund der Themen und Fotos sei die Zahl der Follower mit der Zeit angewachsen. Heute laufe der Influencer-Job eher nebenher, da ihr das Medizin-Studium wichtiger sei, „aber so alles authentisch bleibt“. Bezugnehmend auf
Social Media-Aktionen von Unternehmen meinte sie: „Oft merkt man, dass es
nicht mehr echt und gewollt ist. Das kommt nicht gut an“. „Ich würde Social
Media abschalten“, sagte die Studentin, die mit Social Media ihr Geld verdient,
überraschend ehrlich. „Social Media kann cool sein. Es erfordert aber eine große emotionale Reife, damit umzugehen“.

Wie Social Media in der Kommunalpolitik genutzt wird, erläuterten Katrin
Albsteiger, Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm, und Martin Ansbacher,
Oberbürgermeister von Ulm. Albsteiger erklärte: „Soziale Medien sind für uns
direkte Kommunikationskanäle mit den Bürgerinnen und Bürgern. Politiker sind auch im Wettbewerb und erklären damit auch ihre Politik“. „Social Media muss nicht sein, wer erfolgreich sein will, sollte dort aber aktiv sein“, sagte Albsteiger, die über ihre Kanäle den Usern viele Einblicke in ihren politischen, aber auch private Einblicke ermöglicht. Grundsätzlich müsse Social Media „zu einem passen oder man lässt es“.
Deutlich zurückhaltender agiert OB Martin Ansbacher auf Social Media. Er nutze Social Media, um politische Vorgänge zu erklären. „Das passt eher zu mir“. Er verstehe sich eher als „Ulmfluencer“. Privates werde so gut wie nie gepostet.

Auch bei Unternehmen spielt Social Media eine große Rolle, wenngleich mit
unterschiedlichen Ansätzen. Die Sparkasse Ulm beschäftigt ein professionelles
Team für Facebook und Co nach dem Motto: „Gscheid oder gar nicht“, so
Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Bill. Mit spaßigen Posts wird das eher trockene Finanzgeschäft unterhaltsam und sehr erfolgreich der jüngeren Generation verdeutlicht. „80 Prozent Unterhaltung und 20 Prozent Info“, erläuterte Bill.
Philipp Utz, Vorstand der Uzin Utz AG, setzt bei den Sozialen Medien neben der Marketingabteilung auch auf die Kreativität und Lust der Mitarbeiter – und der Handwerker im Netz. Ein privates Filmchen über das Verlegen eines Holzbodens brachte es auf 15 Millionen Klicks. Messbare Marketingerfolge, die das familiengeführte Unternehmen bei herkömmlichen Werbeartikeln wie Kataloge und Prospekte nicht hat.

Einen emotionalen Höhepunkt bot Rüdiger „Rüde“ Linhof von der Band „Sportfreunde Stiller. Wie kommt man ins Tun und Handeln, in einer Zeit, die oft lähmt? Der Musiker Rüdiger Linhof, Bassist der Band Sportfreunde Stiller, stellte sein Projekt Kultur.Konvoi vor. Eine Initiative, die Öffentlichkeit, Kultur und konkrete Hilfe für die Ukraine verbindet. Kultur.Konvoi bringt Rettungswagen in Kriegsgebiete, organisiert Surf-Camps für ukrainische Jugendliche und gibt&n bsp;K &u uml;ns tlerin nen u nd K&a mp;uuml;nstler n aus der Ukraine eine Bühne, indem sie per Live-Schaltung auf die Videowände deutscher Fußballstadien und Festivals zugeschaltet werden.
„Musik verbindet über Grenzen hinweg – und Social Media hilft, diese Botschaft sichtbar zu machen“, sagte Linhof, bevor der Musiker Alex aus einem Bunker in Charkiw zugeschaltet wurde. Alex sang bewegend „Wonderwall“ von der Band „Oasis“ – und die 300 Gäste im Wiley Club hörten gebannt zu und klatschten mit. „Wir versuchen zu leben, zu lieben und Musik zu machen, auch wenn gestern drei Raketen vor einem Kindergarten eingeschlagen sind“, sage Alex. „Wir sind widerstandsfähig und kämpfen für eine freie Welt“, sagte der Ukrainer unter Beifall.
Auch Marta, die live aus Lviv zugeschaltet wurde, erinnerte daran, dass sich die Ukraine gegen tägliche Propaganda wehren müsse. „Russland investiert viel Geld in Spams und Fake News“. Marta warb via Internet um Investitionen und Investoren. „Wir haben beispielsweise einen Top-IT-Sektor und bauen Green Energie auf. Wir warten nicht auf das Ende des Krieges“, so die junge Frau aus Lviv kämpferisch und unter großem Applaus.

Digitale Projekte zum Anfassen

Parallel präsentierten sich im Wiley Club zahlreiche von der initiative.ulm.digital geförderte Projekte an Info-Ständen – darunter LoRaPark, Einstein Motorsport, Daheim.Dank.Digital, She Codes und die Robotik-AG des
Lessing-Gymnasiums, die gerade wieder einen Weltmeister-Titel errungen hat.
Besucherinnen und Besucher konnten sich dort direkt mit den Teams
austauschen und Innovation „made in Ulm“ erleben.

Ausklang mit Jazz und Networking

Nach dem offiziellen Programm lud das bekannte Knudsen Fessele Streit-Trio
mit handgemachtem „Hygge-Jazz“ zum entspannten Ausklang ein. Bei feinem
Fingerfood und angeregten Gesprächen nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum Networking – ganz im Sinne der Initiative, die sich seit Jahren für die digitale Zukunft der Region einsetzt.
„Es geht uns darum, Menschen zusammenzubringen – analog und digital“, fasste Andreas Buchenscheit den Abend zusammen. „Denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern Gemeinschaftsarbeit.“



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