Ulm News, 05.07.2025 11:00
Innovationspreis für die klingende Blau-Brücke


Beschreibung: Die Smart Circular Bridge auf der Ulmer Blauinsel ist jetzt preisgekrönt.
Fotograf: Proesler Kommunikation

Die „Smart Circular Bridge“ auf der Blauinsel in der Ulmer Innenstadt wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit einem Award ausgezeichnet. Die Fachjury der DGNB Sustainability Challenge verlieh der wegweisenden Brücke, die im Februareröffnet wurde, den begehrten Preis in der Kategorie „Forschung“.
Bau- und Umweltbürgermeister Tim von Winning: "Der renommierte Award freut mich außerordentlich und bestätigt, dass die Stadt Ulm mit dem zukunftsweisenden Brückenprojekt auf dem richtigen Weg ist!"
Sie zeigt das Potenzial schnell nachwachsender Rohstoffe für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen und darüber hinaus.
Klangkunst macht Innovation sinnlich erfahrbar
Passanten achten selten auf die Straßen oder Brücken, über die sie gerade laufen. Das ist in Ulm anders. Durch Klangkunst erleben sie, wie eine Brücke auf sie reagiert. Sie hören ihre eigenen Schritte und hören, wie die Brücke bei unterschiedlicher Belastung oder Temperaturveränderungen klingt. So macht das Stuttgarter Atelier für auditive Kommunikation „Klangerfinder“ die Innovation spielerisch und sinnlich erfahrbar – direkt vor Ort und online unter www.flachsbruecke-ulm.de
Möglich wird das mit Hilfe von 42 Sensoren, die in der Brücke verbaut sind. Sie dienen in erster Linie der Materialforschung für das EU-Projekt „Smart Circular Bridge“ und seinem neuartigen Werkstoff aus Flachsfasern und einem bio-basierten Polyesterharz. Die Sensoren überwachen das Bauwerk und liefern genaue Daten über den Werkstoff im täglichen Einsatz. Auf Basis der Sensordaten übersetzen die „Klangerfinder“ die Schritte von Passanten in komplexe Klanglandschaften. Mit ihrem Soundkonzept laden sie dazu ein, die Brücke als Musikinstrument zu erleben und die Auswirkungen von Gewicht und Temperaturveränderungen in Echtzeit zu hören.
Traditioneller Flachs als innovativer Baustoff
Auf der Suche nach schnell nachwachsenden Rohstoffen für die Bauwirtschaft gerät ein altes Material wieder in den Blickpunkt: Flachs ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt, ihre Fasern sind äußerst robust und reißfest. Aus den Fasern der Pflanze sowie einem Polyesterharz mit 25-prozentigem Bio-Anteil haben Forschende in den Niederlanden einen hochstabilen Verbundwerkstoff entwickelt.
Der Flachsfaserverbund ist in seinen Eigenschaften Stahl oder Beton ähnlich, aber flexibler einzusetzen. Die Kombination aus Festigkeit und Steifigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht verleiht dem korrosionsbeständigen Bioverbundwerkstoff viel Potenzial im Bauwesen. Die Brücke in Ulm wiegt lediglich 3,9 Tonnen, kann aber 24 Tonnen tragen. Die leichte Bauweise und die nachwachsenden Rohstoffe sorgen für einen verkleinerten CO2-Fußabdruck.
Erste befahrbare Brücke aus dem neuen Baustoff
Was mit bio-basierten Baustoffen schon heute möglich ist, zeigt die „Smart Circular Bridge“. Sie ist für Fahrzeuge bis zu 12 Tonnen zugelassen, wiegt selber aber nur 3,9 Tonnen. Zugleich zeigt das Projekt, dass nachhaltige Lösungen wirtschaftlich sein können.
Für diese Brücke wurden das neuartige Verbundmaterial und die Konstruktion unter Leitung der Technischen Universität Eindhoven in Zusammenarbeit mit 14 Projektpartnern weiterentwickelt.
Vakuuminjektion mit bio-basiertem Harz
Die freitragende Fußgänger- und Radfahrerbrücke mit einer Spannweite von 8,5 Metern hat eine Breite von 5,34 Metern und eine Gesamtlänge von 9 Metern. Die Brücke wiegt weniger als 100 kg/m² und ist damit deutlich leichter als eine vergleichbare Stahl- oder Betonbrücke.
Der eigentliche Brückenkörper besteht aus unterschiedlich gestalteten Einzelkomponenten. Für das Sandwich-Deck wurden Flachsfasermatten mit Vierkantbalken aus recyceltem PET-Schaum belegt und mit flüssigem bio-basierten Polyesterharz im Vakuum verpresst und verklebt.
Die Bodenplatte sowie acht Hauptträger und drei Querspanten in U-Form wurden ebenfalls aus Flachsfasermatten hergestellt und mit
dem Harz vergossen. Nach der Herstellung wurden die Einzelteile miteinander zu einem Brückenkörper zusammengesetzt und verklebt. Ein robustes Beschichtungssystem sorgt für den Schutz der Flachsfasern und sichert deren Langlebigkeit und Haltbarkeit. Das Brückengeländer besteht aus dem gleichen Material und wird per Roboter kunstvoll zu einem Geflecht gewickelt.
Die Daten der Sensoren werden tagsüber in Klangkunst überführt. Der Link zum Anhören und Ausprobieren der Klangkunst sowie zu Hintergrundinformationen zur Brücke: www.flachsbruecke-ulm.de
Die Messdaten zur Informationen über Verformungen und Umwelteinflüsse können auf einer öffentlichen Webseite eingesehen werden: https://dashboard.smartcircularbridge.eu/d/ulm/ulm?orgId=1







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