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Ulm News, 29.01.2018 16:33

29. Januar 2018 von Ralf Grimminger
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Handballer Constantin Striebel gewinnt Poker-Turnier der Ulmer Basketballer


Wenn Pokern mehr ist als wildes Zocken: Das große Poker-Turnier von BBU ’01 am Sonntag in der Oldtimerfabrik unterstützte nicht nur den OrangeCampus, es zeigt auch Parallellen zwischen Denk- und Basketball-Sport auf. Insgesamt kamen 20 000 Euro für den Bau des geplanten Nachwuchs-und Leistungszentrums der Basketballer am Ulmer Donauufer zusammen. 

Am Ende kam es dann doch so, wie Stephan Kalhamer es prophezeit hatte. Am „Final Table“ – also im Endspiel des fast zehnstündigen Pokerturniers – setzte sich Constantin Striebel durch und damit ein passionierter Handballer mit einem Faible für Computerspiele, aber eben nicht einer der Poker-Profis, die ebenfalls unter den 200 Teilnehmern waren. „Pokern ist zu 100 Prozent Denksport“, sagt Kalhamer, der nicht nur Mathematiker ist, sondern auch Präsident des Deutschen Poker Sportbundes. „Kurzfristig kann alles passieren – das wird auch heute Abend der Fall sein – aber langfristig setzt sich die bessere Entscheidung durch – wie überall im Leben“, sagt Kalhamer.
So passierte es dann auch, dass ratiopharm ulms Head Coach Thorsten Leibenath ausgerechnet den Topfavoriten, Poker-Profi George Danzer – also den Mann, der in seiner Karriere schon mehr als drei Millionen Euro an Preisgeld erspielt hatte – vom Tisch nahm. Leibenath hatte ebenso wie die Basketball-Profis Per Günther und Tim Ohlbrecht mitgepokert.
Während der ehrgeizige Günther sich mit Tarnkappe und Sonnenbrille unter die Top-Fünf des Abends spielte, sagte Leibenath: „Als Laie gehst du davon aus, dass Pokern ein Glücksspiel ist. Aber in der Realität ist es ein Denksport. Du musst mathematisch bewandert sein, solltest deinen Gegner lesen und rationale Entscheidungen treffen können.“ Und hier sieht Leibenath auch Parallellen zu seinem Sport, bei dem es oft hoch hergeht und Nuancen eine Partie entscheiden können. „Im Sport lassen wir uns ja gerne von Emotionen leiten. Vom Pokern kann man lernen, Situationen gut abzuschätzen und rational zu entscheiden“, sagt Leibenath.
Stephan Kalhamer, dessen Idee es war, den OrangeCampus mit einem Poker-Turnier zu unterstützen, pflichtet dem Trainer bei. „Auf Topniveau spielen der Mindset und die Spieltheorie eine immer größere Rolle“, so der Poker-Experte, der auch Manager bei ihrer Entscheidungsfindung berät. „Was ich bisher im Basketball gesehen habe, ist ganz großer Sport – auch vom Kopf her“, sagt Kalhamer. So ist es vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet Per Günther von allen Promis am längsten im Spiel blieb. Günther ist nicht nur ehrgeizig, er ist auch in seinem Sport ein Stratege. Und bei aller „Gaudi“, die BBU-Vorstand und Gastgeber Andreas Oettel in der Neu-Ulmer Oldtimerfabrik unter den 200 Teilnehmern ausgemacht hatte, ging es doch hochkonzentriert zu.
Nicht, dass nicht auch geflachst und gelacht wurde. Günthers Outfit bot genauso Anlass zum Schmunzeln, wie die Verschleierungstaktik des 2,10 Meter-Riesens Tim Ohlbrecht. Doch bei aller Lockerheit ging es an den 16 Tischen ernsthaft zur Sache. Das merkte man schon daran, dass auf jegliche Hintergrundmusik verzichtet wurde und die „Dealer“ (Kartengeber) der Poker-Vereinsszene entstammten.
Vielleicht lag es auch daran, dass es beim OrangePoker um ein ernsthaftes und ambitioniertes Nachwuchsprojekt ging. „Wir stoßen mit unserer Nachwuchsarbeit in Ulm, wo wir als einziger Standort in Deutschland zwei Teams in der Nachwuchs- und Jugendbasketball Bundesliga haben, schon lange an unsere Grenzen. Wenn wir weiter wachsen wollen, brauchen wir den OrangeCampus“, erklärt Thorsten Leibenath die Idee hinter dem Nachwuchszentrum, das der Club schon seit fast drei Jahren vorantreibt. Fußballbundesliga-Profi Sebastian Rode, der am Pokertisch schnell ausgeschieden war, sagt: „In einer Zeit, in der die Transferpreise immer höher werden, ist es wichtig, Ju ngendspieler selber auszubilden.“
Der Dortmunder Profi weiß, wovon er spricht. Rode erinnert an die erfolglosen Jahre der deutschen Fußballnationalmannschaft und daran, dass daraufhin beschlossen wurde, ebendiese Nachwuchsleistungszentren für junge Spieler zu etablieren. „Der Fußball hat es vorgemacht. Im Basketball sind die Ulmer Vorreiter, es wäre schön, wenn noch mehr mitmachen würden“, so Rode. Stephan Kalhamer sieht das ähnlich.
„Das Zusammenwirken zwischen gutem Sport, Nachwuchsarbeit und echter Wertevermittlung: Das ist mein Ding – da will ich dabei sein.“ Durch seine Initiative sind die Ulmer Basketballer ihrem Traum wieder einen kleinen Schritt näher gekommen. 20.000 Euro hat das Poker-Turnier an Spendeneinnahmen für den OrangeCampus zusammengebracht. „Das hat meine Erwartungen übererfüllt“, gesteht ein stolzer Stephan Kalhamer.



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