Ulm News, 26.08.2024 13:42
Günther "Günni" Heiser ist tot
Günther Heiser ist tot. Der 68-Jährige Ulmer Kulturarbeiter, Konzert- und Hardrockfan ist vergangene Woche überraschend verstorben. Er war eine allzeit wichtige, prägende und verbindende Figur im Ulmer Kulturbetrieb.
Der gelernte Banker, der vor über 20 Jahren von Backnang nach Ulm wechselte, engagierte sich ehrenamtlich im Ulmer Zelt, wo er schnell zu einem wichtigen Mitarbeiter für Organisation und Programmgestaltung wurde. Daneben arbeitete Günther Heiser nach einiger Zeit auch im und für das Ulmer Roxy, was beide wichtige Ulmer Kulturinstitutionen wieder näher zueinanderbrachte. Der bekennende Hardrockfan, besonders liebte er die US-Band Guns N' Roses, hatte gefühlt alle Gitarrenbands der 70er und 8oer schon einmal live erlebt, meist ganz vorn direkt an der Bühne. Er wollte die Stromgitarren spüren.
In den letzten Jahren wagte er sich zudem auf neues, ungewohntes Terrain und baute den Comedy-Bereich im Roxy zu einer zuverlässigen und vor allem lukrativen Marke auf. Heiser hatte viel Humor, war immer gut informiert und verbindlich im Gespräch und dennoch klar in seinen Vorstellungen, was ihn auch zu einem guten Ansprechpartner für die Ulmer Stadtverwaltung werden ließ.
Der 68-Jährige ist vergangene Woche plötzlich und unerwartet verstorben. Er wurde in seiner Wohnung aufgefunden, nachdem er, der absolut Zuverlässige, einige Tage telefonisch nicht erreichbar gewesen war.
Günther Heiser wird der Ulmer Kultur fehlen. Vielen Ulmer Musikfans fehlt aber jetzt schon ein angenehmer Freund und Gesprächspartner. Beispielsweise für die erste, schnelle und fundierte Nachtkritik nach dem Konzert an der Theke im Roxy oder am Stehtisch im Ulmer Zelt, natürlich bei einem Hefeweizen, seinem Lieblingsgetränk.
Text: Ralf Grimminger
Langjähriger Roxy-Wegggefährte
Das Roxy schreibt über Günther Heiser:
Es ist unfassbar, und wir sind untröstlich. Völlig unerwartet ist unser Freund, Mitstreiter, Mentor und langjähriger Kollege Günther Heiser verstorben. Er wurde 68 Jahre alt. Günther war eine der tragenden Säulen des ROXY. Sein Tod hinterlässt nicht nur eine tiefe Lücke in unserem Team, sondern im gesamten Kulturleben Ulms.
Seit fast zwei Jahrzehnten war Günther dem ROXY persönlich eng verbunden. Seit 15 Jahren engagierte er sich auch im Vorstand des Trägervereins der Kulturhallen, in den letzten Jahren als dessen 1. Vorsitzender. In dieser Funktion setzte sich Günther unermüdlich dafür ein, das ROXY als kulturelle Institution zu stärken und weiterzuentwickeln.
Zwischendurch steuerte er zwei Jahre lang als Interims-Geschäftsführer das ROXY souverän durch nicht ganz einfache Zeiten. Seit einigen Jahren verantwortete Günther zudem als Booker das erfolgreiche und viel gelobte Kabarett- und Comedy-Programm im ROXY. Bis zuletzt blieb er dem Haus als unverzichtbare Instanz und als Ratgeber verbunden.
Als unermüdlicher Förderer hat Günther das kulturelle Leben in Ulm stark geprägt. Eine Zeitschrift bezeichnete ihn treffend als einzigen „hauptberuflichen" Kulturlobbyisten in Ulm. Nicht nur das ROXY, auch das Ulmer Zelt – für das er sich ebenfalls lange Jahre in verschiedenen Funktionen engagierte – sind ihm dafür unendlich dankbar. Günther hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich ROXY und Ulmer Zelt angenähert haben. Er hatte früh begriffen, dass kein Platz für eine künstliche Konkurrenz beider unverzichtbarer Institutionen besteht, sondern dass sie sich aufs Beste ergänzen können.
Günther stammte aus Stuttgart und wuchs in Backnang auf. In seiner ersten Lebenshälfte hatte er es als Bankberater und zeitweiliger IT-Unternehmer zu einigem Wohlstand gebracht. 2002 zog Günther als Freiberufler in seine Wahlheimat Ulm, eine Stadt, in der er sich „sauwohl" fühlte und deren Musik- und Kulturszene er lieben lernte.
Günther liebte besonders Konzerte. Seit er als 15jähriger einen Auftritt der Band „The Lords" erlebt hatte, war er vom Live-Musik-Virus infiziert. Fortan trampte er oder fuhr mit seinem Mofa zu den Auftritten der damals angesagten Krautrock-Bands, bevor er zum Fan härterer Töne und verzerrter Gitarrenklänge wurde. „Laute, schrille Stromgitarren waren immer mein Faible", bekannte Günther in einem Radio-interview, und – unerwartet für viele, die ihn kannten, schob er nach – „Ich stehe eigentlich auf Mädelsbands".
Günther galt als bekennender Hardrock-Fan, aber sein musikalischer Horizont war viel weiter gespannt. Er mochte viele Facetten der Musik, und viele Spielarten der freien Kultur. Bemerkenswert war, dass er immer neugierig blieb – keiner konnte sich mehr freuen als Günther, wenn ihn im Konzert eine unbekannte Band begeisterte oder er Unerwartetes auf einer Bühne miterleben konnte.
Seine Lieblingsveranstaltung im ROXY war die „Disco für alle", deren Atmosphäre der Vielfalt und Toleranz er liebte. Unter den vielen Dutzend Kabarettist:innen und Comedians, die er ins ROXY einlud, schätzte er persönlich besonders Hagen Rether. Wirklich zuhause war Günther aber auf Konzerten. Über 3000 davon soll er Zeit seines Lebens besucht haben, oft in den vordersten Reihen. Günther war dabei, wenn die berühmten Hardrock-Heroen seiner Jugend auf Stadiontournee in Deuschland waren, und er war auch dabei, wenn Newcomer-Bands erstmals in kleinem Rahmen in Ulm auftraten. Im ROXY erlebte und begleitete Günther viele hundert Veranstaltungen und Konzerte. Der Auftritt der Metal-Band „Testament" in der Werkhalle am 7. August sollte sein letzter Konzertbesuch werden.
Günthers Arbeit für das ROXY war von großem Engagement geprägt. Mit seiner Erfahrung und seinem organisatorischen Geschick schuf er die Grundlagen für den Erfolg vieler Veranstaltungen. Mit Fingerspitzengefühl und seinem scharfen Blick für Talente holte er einige der besten Künstler:innen in unser Haus und sorgte dafür, dass das ROXY nicht nur ein Ort der Begegnung und Musik, sondern auch des Lachens und der Reflexion blieb.
Günthers früher Tod trifft uns tief. Gleichzeitig sind wir sicher, dass sein Erbe weiterleben wird. In den unzähligen schönen Momenten, für die er gearbeitet hat, in den Begegnungen, die er ermöglichte, und in den Herzen all derer, die ihn kannten und schätzten.
Günther wird uns fehlen. Die persönlichen Begegnungen mit ihm, sein Humor und seine Ratschläge. Aber Günther wird in unseren Erinnerungen präsent bleiben. Wir werden ihn nicht vergessen.
Ruhe in Frieden, lieber Günther. Wir hoffen, dass Du im richtigen Teil des Hardrock-Himmels gelandet bist. Möge dort Deine Lieblingsmusik erklingen und stets ein kühles Weizenbier für Dich bereitstehen.
Dein ROXY-Team
Deine Vorstandskollegen vom ROXY-Trägerverein





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