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Ulm News, 26.05.2023 16:00

26. Mai 2023 von Ralf Grimminger
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IHK-Konjunkturbericht Frühjahr 2023: Wirtschaft weiter in schwierigem Fahrwasser


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Die leichte Skepsis der Unternehmen in der IHK-Region Ulm von Jahresbeginn hat sich im Frühjahr 2023 bestätigt. Sowohl die Zufriedenheit mit ihrer aktuellen Situation als auch die Einschätzung ihrer Perspektiven fallen aktuell etwas ungünstiger aus als zuvor. Den Betrieben fehlt es somit an Rückenwind. Immerhin sind die Rezessionsbefürchtungen von Herbst 2022 aber nicht eingetreten. So schärtzt die IHK Ulm die aktuelle wirtschaftliche Situation ein. 

Das IHK-Konjunkturklima, das Lage und Erwartungen in einem Wert zusammenfasst, ist von 114 Punkten im Januar 2023 auf knapp 108 Punkte im Mai zurückgegangen. „Die regionale Wirtschaft ist bislang besser als befürchtet durch die Energiekrise gekommen. Gesunkene, aber immer noch zu hohe Energiepreise, die weiterhin stark steigenden Verbraucherpreise sowie die zu erwartende kräftige Zunahme der Arbeitskosten zehren jedoch an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen und Standorte“, fasst IHK-Präsident Dr. Jan Stefan Roell die Ergebnisse zusammen und ergänzt: „Die nach oben geschnellten Finanzierungskosten bremsen zusätzlich Investitionen in Bauten und Anlagen. Eine Konjunkturbelebung auf breiter Basis und eigentlich erforderlichem Niveau ist vorerst nicht in Sicht.“

Kaum noch zunehmende Umsätze und eine sich abschwächende Auftragseingangstendenz bei anhaltendem inflationsgetriebenen Kostendruck trüben die Stimmung vieler Unternehmen in der IHK-Region Ulm. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Lage als gut einschätzten, ist im Vergleich zum Januar um sieben Prozentpunkte zurückgegangen, entsprechend nahm die Zahl der Betriebe in befriedigender Lage zu. Nahezu unverändert geht es jedem achten Unternehmen schlecht. Die regionale Konjunktur tritt derzeit auf der Stelle.

Das gilt insbesondere für die Industrie. Angesichts einer anhaltend rückläufigen Tendenz im Auftragseingang aus dem In- und Ausland hat die Branche ihre Produktion gedrosselt, damit sich die bislang gut gefüllten Auftragsbücher nicht zu schnell leeren. Die Kapazitätsauslastung ist von 86 auf 81 Prozent zurückgegangen. Steigende Kosten bei stagnierenden Umsätzen drücken auf die Erträge. Zwar geraten dadurch bislang nur wenige Betriebe in Schwierigkeiten. Bei der Bewertung der aktuellen Lage reicht es aber bei einer wachsenden Zahl von Unternehmen nur noch für ein befriedigend.

Auch die Dienstleister sind unzufriedener als zu Jahresbeginn, insbesondere die industrie- und baunahen Betriebe. Die in kurzer Zeit stark gestiegenen Finanzierungskosten sowie die Pläne der Bundesregierung, dass künftig nur noch Heizungen eingebaut werden dürfen, die zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden, hat zu einem Einbruch im privaten Wohnungsbau geführt. Der Großhandel hat es dagegen geschafft, trotz hoher Inflation seine Ertragsentwicklung zu verbessern. Er bewertet seine Lage deshalb besser. Ausgehend von einem im Vergleich zu den anderen Branchen niedrigem Lageniveau ist es für viele Einzelhändler bergauf gegangen.

Wirtschaft rechnet nicht mit baldiger Belebung

Die Wirtschaft in der IHK-Region Ulm hat sich in den letzten Monaten folglich tendenziell seitwärts bewegt. Die Geschäfte verliefen in den meisten Branchen auf recht ordentlichem Niveau, jedoch ohne jegliche Dynamik. Im Frühjahr 2023 erkennen die meisten Unternehmen kaum Signale für eine baldige konjunkturelle Belebung. Die Geschäftserwartungen haben sich seit dem Jahresauftakt sogar leicht eingetrübt. Sie bleiben aber deutlich freundlicher als noch im Krisen-Herbst. Unverändert befürchtet ein Viertel der Betriebe Rückschläge.
Dagegen rechnen mehr Unternehmen mit einer gleich bleibenden (60 Prozent) und weniger mit einer positiven Entwicklung (15 Prozent) als zuvor. Die regionale Wirtschaft geht somit mehrheitlich von einer Weiterentwicklung auf dem derzeitigen Niveau aus. Dabei blicken Industrie und Dienstleister skeptischer nach vorn. Im Großhandel ist der Pessimismus einer vorsichtigen Zuversicht gewichen. Auch im Einzelhandel hat sich die Stimmung etwas aufgehellt, Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage.

Es fehlen weiterhin frische Nachfrageimpulse. Die Industrie rechnet zwar mit steigenden Exporten nach Asien, dafür schwächeln jedoch Europa und – auf merklich besserem Niveau – auch Nordamerika. Vor allem die leicht rückläufige aber weiterhin sehr hohe Inflation wird die Wirtschaft sowie die Verbraucher in den kommenden Monaten belasten. Die von ihr verursachten Kaufkraftverluste senken die Konsumnachfrage. Die zu ihrer Eindämmung steigenden Zinssätze der Europäischen Zentralbank verschlechtern die Finanzierungsbedingungen und dämpfen kreditfinanzierte Käufe und Investitionen.

Zahlreiche Risiken dämpfen die Stimmung

Trotz der eher verhaltenen Perspektiven wird der Fachkräftemangel erneut von allen Geschäftsrisiken am häufigsten genannt. Inzwischen sehen fast drei von vier Unternehmen wachsende Personalengpässe auf sich zukommen, die zu eine Beschränkung ihrer wirtschaftlichen Aktivität führen könnten. Kaum entspannt hat sich auch der Blick der Wirtschaft auf die Energiepreise. Zwar haben sich die Energiemärkte erst einmal beruhigt, jedoch nagen die im Vergleich zum Vorkrisenniveau weiterhin zu hohen Preise für Gas und Strom an der Wettbewerbsfähigkeit.

Angesicht der jüngsten Tarifabschlüsse und der laufenden Tarifverhandlungen in einigen Branchen wächst zudem die Sorge über steigende Arbeitskosten, der Anteil der betroffenen Unternehmen legte von 43 Prozent zu Jahresbeginn auf aktuell 61 Prozent zu. Für vier von zehn Betrieben bleibt die Entwicklung der Rohstoffkosten von Bedeutung. Ein Viertel der Unternehmen wird durch die anhaltenden geopolitischen Spannungen verunsichert. In der Industrie befürchten 45 Prozent der Unternehmen erneute Störungen ihrer Lieferketten. Im Einzelhandel machen sich 47 Prozent der Betriebe über neuerliche Lieferengpässe Sorgen.

Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt bleibt aus

Der konjunkturelle Seitwärtstrend schlägt sich auch auf dem Arbeitsmarkt in der IHK-Region Ulm nieder. Die Arbeitslosenquote verharrt im April 2023 bei 2,8 Prozent. Auch wenn dies natürlich nach wie vor ein hervorragender Wert ist – keine andere IHK-Region in Deutschland kann eine niedrigere Arbeitslosenquote vorweisen -, bleibt die übliche Frühjahrsbelebung durch die anziehende Nachfrage nach saisonalen Arbeitskräften bislang aus.

Dazu trägt auch die Arbeitskräfteknappheit bei. Denn Unternehmen, die Personal suchen, haben es weiterhin schwer, passende Fachkräfte zu finden. Der Arbeitsmarkt für qualifiziertes Personal ist so gut wie leergefegt und die Unternehmen wissen darum. Deshalb wollen die meisten Betriebe ihre Fachkräfte halten, so dass die leichte Stimmungseintrübung nicht gleich zu einem Stellenabbau führt. Der Arbeitsmarkt bleibt somit robust.

Investitionspläne senden positive Signale

Eine gewisse Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung machen die Investitionsabsichten der regionalen Wirtschaft. Der Indikator für die Investitionspläne bleibt klar positiv. Über ein Drittel der Unternehmen plant seine Ausgaben für Inlandsinvestitionen gegenüber dem Vorjahr zu erhöhen, knapp 16 Prozent haben ihre Investitionsbudgets gekürzt. Jeder zweite Betrieb hält seine Investitionsbudget konstant.

Der Blick auf die Investitionsmotive lässt die Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung durch steigende Investitionen jedoch wieder schwinden. Die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise haben vor allem Investitionen in die Energieeffizienz und den Umweltschutz vorangetrieben. Auch Digitalisierungsinvestitionen genießen weiterhin Priorität. Die Unternehmen versuchen so, Kosten zu sparen und auf dem Weg zur Klimaneutralität voranzuschreiten. Investitionen zur Kapazitätserweiterung, die die wirtschaftliche Expansion beflügeln würden, spielen hingegen weiterhin eine untergeordnete Rolle.

Statt Expansion droht Stagnation

Insgesamt lassen die zahlreichen anhaltenden Risiken das Fahrwasser für die regionale Wirtschaft weiterhin als schwierig erscheinen und schüren die Skepsis. Statt Expansion droht weitere Stagnation. 

 „Die Wirtschaft leistet auch in dieser Krise wieder einmal einen großen Beitrag und zeichnet sich durch ein hohes Maß an Flexibilität und Transformationswillen aus. Die Politik ist gefordert, diesen Prozess aktiv zu unterstützen und dafür notwendige und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen: Durch massive Investitionen in Infrastrukturen, durch Digitalisierung und die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Auch der Bekämpfung des Fachkräftemangels sollte in diesem Zusammenhang eine höhere Priorität eingeräumt werden. Ansonsten droht ein hoher Verlust an Wertschöpfung, Innovation und Wohlstand“, sagt Roell.



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