Ulm News, 24.01.2023 13:56
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus mit Vorträgen, Kunst und Kranzniederlegung
Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar wird in Ulm unter anderem die Videoskulptur „Candelabro“, die bis 13. März im Ulmer Münster zu sehen sein wird, präsentiert. Die Kunstinstallation beschäftigt sich mit Aristides de Sousa Mendes, der als portugiesischer Generalkonsul im Jahr 1940 tausende Leben rettete.
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Deshalb wurde der 27. Januar zum Gedenktag, an dem in ganz Deutschland der Millionen Menschen gedacht wird, die durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden – auch in Ulm. Dabei wird unter anderem die Videoskulptur „Candelabro“, die bis 13. März im Ulmer Münster zu sehen sein wird, präsentiert. Die Kunstinstallation beschäftigt sich mit Aristides de Sousa Mendes, der als portugiesischer Generalkonsul im Jahr 1940 tausende Leben rettete.
Über Aristides de Sousa Mendes und die Videoinstallation
Aristides de Sousa Mendes war im Juni 1940 portugiesischer Generalkonsul in Bordeaux. Damals trafen über eine Millionen Menschen, darunter viele Jüdinnen und Juden, auf der Flucht aus zahlreichen Ländern Europas in der Stadt ein. Sie hofften, über Portugal fliehen zu können, nachdem die deutsche Wehrmacht Belgien, die Niederlande und Nordfrankreich besetzt hatte. Die Flüchtenden benötigten dazu Visa, doch hatte der portugiesische Diktator António de Oliviera Salazar bereits im November 1939 seinen Diplomaten untersagt diese auszustellen. Sousa Mendes geriet in ein Dilemma: Der gläubige Katholik musste zwischen seinen Grundwerten und dem Befehl Salazars entscheiden. Nach dreitägigem Gewissenskampf entschied er sich, seinem Gewissen zu folgen. Zwischen dem 17. und 23. Juni 1940 stellte er zahlreiche Visa aus und rettete damit tausende Leben.
2019 beauftragte die New Yorker Sousa Mendes Foundation den renommierten Künstler Werner Klotz (Berlin/New York), eine Videoskulptur zu schaffen, die diese drei Tage der Entscheidung von Aristides de Sousa Mendes zum Thema hat. Es entstand ein nahezu vier Meter hohes Werk aus Edelstahl mit 13 Monitoren, das bereits in Portugal und Frankreich ausgestellt wurde und nun durch das Engagement von Dr. Jennifer Hartog (Toronto) in Ulm gezeigt wird. Sie wird in der Gedenkveranstaltung am 27. Januar die Geschichte von Sousa Mendes und ihrer eigenen Familie vorstellen. Zehn ihrer Familienmitglieder wurden durch Mendes' Visa gerettet.
Einführung und Eröffnung am 27. Januar im Stadthaus Ulm
In der Abendveranstaltung im Stadthaus ab 20 Uhr geht es um in der Geschichte und in der Gegenwart brennende Fragen. Woher kam dieser Mut? Welche Entscheidungsprozesse fanden statt? Warum begeben sich auch heute Menschen in Gefahr, um unmenschliche Regime und totalitäre Strukturen zu bekämpfen oder Verfolgten und Geflüchteten zu helfen?
Im Anschluss an diesen ersten Teil des Abends wird die Skulptur mit musikalischer Umrahmung durch Almut Kühne (Berlin), die die Sound-Spur des Kunstwerks komponierte, im Münster präsentiert. Die Begrüßung übernimmt Oberbürgermeister Gunter Czisch.
Ausstellungszeitraum
Die Videoskulptur ist von 27. Januar bis 13. März 2023 in der Turmhalle des Ulmer Münsters zu besichtigen. Während dieses Zeitraums findet immer mittwochs um 12.00 Uhr dort ein Mittagsgespräch, bei dem die Skulptur vorgestellt wird, statt.
Gedenkfeier mit Kranzniederlegung in Neu-Ulm
Am 27. Januar, um 12,30 Uhr, auf dem Neu-Ulmer Friedhof ist eine Kranzniederlegung am Gedenkstein für ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger vorgesehen.
Vortrag in der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg
Am Freitag, 27. Januar 2023, 14.30 Uhr, findet in der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg ein Vortrag zum Thema „Was in Ulm am Oberen Kuhberg begann… 78 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz“ statt.





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