Ulm News, 29.07.2022 09:00
BUND: Biodiversität am Straßenrand in Ulm
Mitglieder des Bündnis für Artenvielfalt konnten diesen Sommer erfreulicherweise an vielen Beispielen beobachten, dass sich in Sachen Biodiversität an Straßen- und Wegesrändern einiges getan hat.
Zwar werden immer noch etliche Randstreifen, Säume und Böschungen an Straßen, Wegen und Gewässern, wie auch andere kommunale Flächen zu früh gemäht oder rücksichtslos gemulcht, doch scheinen einige Kommunen inzwischen mehr Wert auf eine blütenschonende und damit insektenfreundliche Pflege zu legen. An einigen Straßenrändern in den Kreisen Ulm und Alb-Donau, wie zum Beispiel am Radweg zwischen Ulm und Thalfingen (Foto 1), oder vor dem Bad Blau in Blaustein, blüht es auch jetzt im Juli noch bunt und artenreich. Hier finden Schmetterlinge, Schwebfliegen, Wildbienen und Co genügend Pollen und Nektar. In ungemähten Altgrasstreifen finden außerdem Heuschrecken einen wichtigen Lebensraum. Abgeblühte Wildpflanzen bieten mit ihren Samen Nahrung für Stieglitz, Grünfink und Co. Mähen muss zwar sein, um Verbuschung zu verhindern und die Artenvielfalt der Pflanzen zu steigern, erläutert Jana Slave, Regionalgeschäftsführerin des BUND, aber ein bis zwei Mal im Jahr ist völlig ausreichend. Wichtig ist dabei, dass das Mähgut abgeräumt wird und nicht auf der Fläche verbleibt. Dann nämlich düngt es den Boden und fettes Gras wird gefördert. Die Wildblumen, die so wichtig sind für viele Insekten, werden dadurch zurückgedrängt. Beim Mulchen (Mähen mit Häckseln des Grases, das dann liegen bleibt), werden bis zu 85 % der Insekten und auch viele Amphibien und Reptilien auf der Fläche getötet. Zudem düngt das gehäckselte Gras den Boden. Viel tierschonender ist eine Mahd mit Balkenmähgerät. Ein solches haben sich inzwischen einige Kommunen angeschafft, um ihre Straßen- und Wegränder ökologisch zu pflegen. Was ist weiterhin zu beachten? Gemäht werden sollte frühestens ab dem 15. Juni mit einer Mindesthöhe von 12 Zentimetern, um Insekten, Amphibien und Reptilien eine Chance zu geben, die Mahd zu überleben. Besonders schonend ist eine abschnittsweise Mahd von Säumen, Böschungen oder Flächen (Mahd des zweiten Abschnittes z.B. sechs Wochen später). Bis dahin wachsen auf dem ersten Abschnitt wieder genügend Wildkräuter, sodass ein dauerhaftes Nahrungsangebot für Insekten vorhanden ist. Außerdem können Tiere im ungemähten Teil weiter Zuflucht und Nahrung finden. Dieses Prinzip kann auch an Straßenrandstreifen umgesetzt werden, zu sehen etwa am Bertha-von-Suttner-Weg am Eselsberg. Altgrasbestände sollten abschnittsweise sogar im Winter stehen bleiben, um die vollständige Entwicklung, Ernährung und Überwinterung verschiedener Tierarten zu ermöglichen. Das Bündnis für Artenvielfalt hofft, dass sich immer mehr Kommunen auf eine insektenschonende Pflege ihrer Grünflächen und Randstreifen einlassen und bedankt sich bei allen Kommunen, die dies bereits umsetzen. Das Bündnis für Artenvielfalt ist ein Zusammenschluss der Naturschutzverbände BUND, NABU, SAV und NaturFreunde, des Imkerverbands Ulm, des Bündnis genfrei (um) Ulm und dem Städtischen Gärtnern Ulm.




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