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Ulm News, 14.10.2021 15:51

14. Oktober 2021 von Ralf Grimminger
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Aktueller IHK-Konjunkturbericht: Kräftiger Aufschwung, aber keine Euphorie


Die Situation der Wirtschaft in der IHK-Region Ulm hat sich in den vergangenen Monaten weiter verbessert. Das gilt nicht nur für die immer besser laufenden Geschäfte der Industrie sowie der unternehmensnahen Dienstleister. Dank der Lockerung vieler Corona-Beschränkungen hat sich auch die Stimmung im Einzelhandel sowie bei den kontaktintensiven Dienstleistern aufgehellt. 

Anhaltende Risiken bremsen jedoch die Erwartungen: Die Sorge über eine vierte Corona-Welle bleibt in den besonders betroffenen Branchen hoch. Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten sowie rasant steigende Rohstoff- und Transportkosten halten die Stimmung trotz sich schnell füllender Auftragsbücher in Schach. 
Die regionale Konjunktur setzt im Herbst 2021 ihren Aufwärtstrend fort. Der IHK-Konjunkturklimaindex, ein gemeinsames Maß für die Lageurteile und Erwartungen, steigt erneut und hat mit knapp 135 Punkten erstmals seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wieder deutlich sein Vorkrisenniveau (119 Punkte zu Jahresbeginn 2020) übertroffen. „Zu dieser Erholung trägt inzwischen nicht mehr nur die exportorientierte Industrie bei. Auch die unter den Corona-Schutzmaßnahmen leidenden Branchen konnten im Zuge der Lockerungen wieder Fuß fassen und blicken zuversichtlicher nach vorn“, kommentiert der Präsident der IHK Ulm, Dr. Jan Stefan Roell, das Ergebnis der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage.
Die verbesserte geschäftliche Entwicklung schlägt sich inzwischen bei gut der Hälfte aller Unternehmen in steigenden Umsätzen nieder. Im Frühsommer meldeten erst drei von zehn Betrieben Erlöszuwächse. Der Anteil der Unternehmen, deren Umsatzschwund anhält, hat sich auf 19 Prozent halbiert. Das schlägt sich positiv in der Ertragsentwicklung nieder. Nur noch knapp 15 Prozent der Unternehmen klagen über eine schlechte Gewinnlage, zuvor waren noch über ein Viertel betroffen. In der Folge ist die Zufriedenheit der regionalen Wirtschaft mit ihrer aktuellen Lage kräftig gestiegen. 55 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Situation als gut, schlecht geht es nur jedem elften Betrieb.
Zwar hat die Corona-Pandemie gesamtwirtschaftlich als Konjunkturrisiko kräftig an Bedeutung verloren – nur noch ein gutes Drittel aller Unternehmen nennt sie als Risiko für die eigenen Geschäfte - trotzdem bleibt sie weiterhin prägend für die wirtschaftliche Entwicklung. Auf der einen Seite befürchten weiterhin viele der besonders betroffenen Unternehmen, dass eine vierte Corona-Welle in den kommenden Monaten zu erneuten Beschränkungen führen könnte. Diese könnten viele Betriebe aus dem Einzelhandel und aus kontaktintensiven Dienstleistungsbereichen kaum noch verkraften. Auf der anderen Seite haben sich die globalen Lieferketten noch immer nicht vollständig von ihrem pandemiebedingten Zusammenbruch erholt. Staus in vielen großen Seehäfen, Lieferengpässe und rasant steigende Transport- und Rohstoffkosten sind die Folge. Viele Industriezweige können deshalb trotz prall gefüllter Auftragsbücher ihre Produktion kaum ausweiten oder sehen sich gar zur Drosselung ihres Outputs gezwungen. Über steigende Rohstoffkosten klagen 55 Prozent der Unternehmen, in der Industrie 72 Prozent.
Die Industrie blickt somit nur mit unveränderter Zuversicht nach vorn. Erst nach Überwindung der Lieferengpässe wird sie richtig durchstarten können. In der Hoffnung an einer schlimmen vierten Corona-Welle vorbeizukommen, haben sich die Erwartungen der Dienstleister und Einzelhändler verbessert. Insgesamt ha t sich der Konjunkturhimmel über der IHK-Region Ulm weiter aufgehellt. 35 Prozent der Unternehmen sind optimistisch, etwas mehr als die Hälfte rechnet mit einer gleichbleibenden Entwicklung und jeder neunte Betrieb befürchtet weitere Rückschläge. Der IHK-Erwartungsindikator, der die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen wiedergibt, ist von 14 Punkten im Fr& amp; amp; amp; amp; uuml;hsommer auf aktuell 24 Punkte geklettert.
Die sich insgesamt spürbar belebende wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch in den Investitions- und Personalplänen der Unternehmen wider. 36 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten ihre Budgets für Inlandsinvestitionen erhöhen, eine Steigerung um elf Prozentpunkte gegenüber dem Frühsommer. 42 Prozent der Betriebe beabsichtigen das Niveau der Investitionsausgaben zu halten (+ 1). Lediglich 12 Prozent wollen weniger investieren (-10), jedes zehnte Unternehmen investiert nicht (-2). Der Großteil der Investitionsausgaben fließt dabei in den Ersatz von Maschinen und Anlagen sowie in die Digitalisierung.
Auch die Zurückhaltung vieler Unternehmen gegenüber Neueinstellungen löst sich zunehmend auf. Erstmals seit dem ersten Corona-Lockdown wollen wieder mehr Betriebe ihren Personalbestand vergrößern (30 Prozent) als verkleinern (13 Prozent). Die Mehrheit der Unternehmen beabsichtigt weiterhin, an dem derzeitigen Beschäftigungsstand festzuhalten. Parallel zum steigenden Personalbedarf geht die Arbeitslosigkeit zurück. Zwischen September 2020 und September 2021 sank die die Arbeitslosquote von 3,7 auf 2,7 Prozent. Damit gerät der Fachkräftemangel wieder in den Fokus der regionalen Wirtschaft. Er hat mit einem Anteil von 79 Prozent die Corona-Pandemie als am häufigsten genanntes Konjunkturrisiko abgelöst.
„Die regionale Wirtschaft steht vor zahlreichen Herausforderungen: Digitalisierung, Fachkräfteschwund, Klimaneutralität. Sie ist bereit, ihren Anteil daran zu leisten. Sie ist jedoch darauf angewiesen, dass die Politik die überfälligen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur beschleunigt und bessere Rahmenbedingungen schafft, damit die Unternehmen auch künftig prosperieren und in eine positive nachhaltige Zukunft blicken können. Eine neue Bundesregierung muss daher alles daransetzen, dass es an dieser Stelle endlich vorangeht“, sagt Roell.

Lieferengpässe bremsen Expansion der Industrieproduktion

Die Geschäfte der regionalen Industrie laufen zunehmend besser. Die Kapazitätsauslastung hat ihr durchschnittliches Niveau mit 86 Prozent überschritten. Die gestiegene Nachfrage nach Industrieerzeugnissen aus der IHK-Region Ulm schlägt sich inzwischen immer deutlicher in Umsatz- und Ertragszuwächsen nieder. Sechs von zehn Industrieunternehmen melden höhere Erlöse, nur noch 18 Prozent Umsatzrückgänge. Im Frühsommer hielten sich beide Gruppen noch in etwa die Waage. Der Schwung, mit dem sich die Industrie vom Corona-Einbruch vor über einem Jahr erholt, dürfte in den nächsten Monaten jedoch etwas nachlassen. Darauf deuten insbesondere die Auftragseingänge hin. Zwar zeigen die aktuellen Nachfragetendenzen aus dem In- und Ausland weiterhin nach oben, jedoch ist die Zahl der Industrieunternehmen, die von Auftragszuwächsen profitieren, gegenüber dem Frühsommer von 61 auf 50 Prozent zurückgegangen. Insbesondere aus Asien kommen etwas schwächere Impulse. Nach der rasanten Erholung der Asienexporte von der Krise scheint die Nachfrageentwicklung wieder auf normale Pfade einzuschwenken. Unverändert kräftig bleiben die Impulse aus der EU sowie aus den USA.
Trotzdem schießen die Erwartung der regionalen Industrie nicht durch die Decke. 72 Prozent der Unternehmen machen rasant gestiegene Rohstoff- und Transportkosten Sorgen, 32 Prozentpunkte mehr als im Frühsommer. Zudem können viele Industriebereiche wie der Fahrzeugbau oder die Elektrotechnik die hohe Nachfrage aufgrund von Lieferengpässen bei wichtigen Vorprodukten wie Chips und Halbleitern nicht in entsprechende Produktionssteigerungen umsetzen. Die aus Vorsicht gebotene Zurückhaltung gegenüber Inlandinvestitionen hat eine wachsende Zahl von Industriebetrieben hingegen abgelegt. Jeder zweite hat seine Investitionsbudgets aufgestockt. Nur noch 12 Prozent drücken investiv weiterhin auf die Bremse. Angesichts leerer Zeitkonten und des Abbaus von Kurzarbeit steigt der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften nur langsam.

Großhandel im Aufwind, Einzelhandel wagt zu hoffen

Der Aufschwung im Großhandel hat in den letzten Monaten erheblich an Breite gewonnen. Im Nachfragesog der Industrie ist die Zahl der Großhändler, die über gestiegenen Umsätze berichten, noch einmal kräftig auf 72 Prozent angestiegen. Erlösrückgänge erleiden nur noch vier Prozent der Betriebe, im Frühsommer waren noch 26 Prozent betroffen. Zu den schon zuvor kräftig steigenden Auslandsumsätzen ist jetzt auch der Inlandsabsatz als treibende Kraft hinzugekommen. Mehr als drei Vierteln der Großhändler geht es gut. Zahlreiche Risiken mahnen jedoch zu Vorsicht. Stark steigende Rohstoff- und Energiepreise sowie sonstige Risiken bereiten einer rasch steigenden Zahl von Großhändlern Sorgen. Unter den sonstigen Risiken dürfte der Großhandel vor allem die globalen Lieferengpässe verstehen, die die Geschäfte vieler Großhändel einschränken. Trotz einer erneuten Zunahme der Bestelleingangsdynamik schaut die Branche nicht mehr so zuversichtlich nach vorn wie noch im Frühsommer. Das hält die meisten Großhändler jedoch nicht davon ab, ihre Investitionsaktivitäten zu steigern, insbesondere um die Digitalisierung voran zu treiben. Auch zeigt der Personalbedarf weiter nach oben.
Der Einzelhandel hat hingegen gerade erst damit begonnen, den finanziellen Scherbenhaufen aufzuräumen, den die Corona-Schutzmaßnahmen insbesondere in den von Geschäftsschließungen betroffenen Betrieben hinterlassen haben. Der Anteil der Einzelhändler, die den Umsatzschwund gestoppt haben, also gleichbleibende oder steigende Erlöse erzielen, ist von 19 Prozent im Frühsommer auf aktuell 55 Prozent gestiegen. 45 Prozent ist diese Trendumkehr jedoch noch nicht gelungen. Das Kaufverhalten der Kundschaft bleibt zurückhaltend. Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie mit möglichen Beschränkungen wird zudem weiter als Risiko gesehen, wenngleich dieses nunmehr geringer eingeschätzt wird als vor einigen Monaten. Letztlich blicken nun 39 Prozent der Einzelhändler zuversichtlich auf die kommenden Monate, 13 Prozent bleiben skeptisch. 48 Prozent gehen davon aus, zumindest das Schlimmste hinter sich gelassen zu haben. Erholt hat sich auch die Investitionsneigung, insbesondere durch Vertriebs- und andere Innovationen sowie durch die Digitalisierung wollen viele Einzelhändler versuchen, in der Pandemie an den Online-Handel verlorenes Terrain wieder zurückzugewinnen. Vorerst plant der Handel, den Aufholprozess mit dem vorhandenen Mitarbeiterstamm in Angriff zu nehmen.

Kontaktintensive Dienstleistungen schöpfen wieder Hoffnung

Die Stimmung unter den Dienstleistern hat sich insgesamt weiter aufgehellt. Sowohl die aktuelle Situation als auch der Ausblick werden positiver eingeschätzt. Die Unterschiede in der wirtschaftlichen Verfassung einzelner Servicebereiche bleiben jedoch eklatant. Die kontaktintensiven Dienstleister wie die Hotels und Gaststätten, der Personenverkehr sowie die Messe- und Eventveranstalter freuen sich darüber, zumindest unter Auflagen wieder Gäste begrüßen zu dürfen.
Auch hoffen sie, trotz der im Herbst voraussichtlich wieder steigenden Infektionszahlen ohne erneute Schließungen weiter machen zu können. Von einem normalen Betrieb wie vor dem Corona-Ausbruch sind die meisten dieser Dienstleister jedoch noch auf unabsehbare Zeit weit entfernt. So bleibt unter anderem für die Gastronomen und Hoteliers ungewiss, ob insbesondere die Geschäftskunden jemals wieder die Gastfreundschaft der Branche wie vor der Krise in Anspruch nehmen werden. Dagegen laufen die Geschäfte der unternehmensnahen Dienstleister bereits wieder auf recht hohem Niveau. Der Güterverkehr, die Zeitarbeit, die Unternehmensberater, die Architektur- und Ingenieursdienste sowie der ITK-Service profitiert von der guten Industrie- und Baukonjunktur.
Statt der Pandemie treiben der Fachkräftemangel sowie steigende Arbeitskosten den Unternehmen aus diesen Servicesparten Sorgenfalten auf die Stirn. Aber auch Betriebe aus den Lockdown-Branchen befürchten, dass sie die bewährten Kräfte, die sie mangels Geschäft haben gehen lassen müssen, künftig nicht mehr in ausreichendem Maße zurückgewinnen können. Die Investitionspläne der meisten Dienstleister bleiben von Zurückhaltung geprägt.



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