ulm-news.de

Sparkasse Neu-Ulm - Illertissen 1
Sie sind hier: ulm-news Startseite  Nachrichten

Ulm News, 07.10.2021 12:25

7. Oktober 2021 von Ralf Grimminger
0 Kommentare

Zuerst die Reichen, dann die Armen: Mannheimer Forschende zeichnen Weg der Corona-Pandemie nach


Internationale Daten zeigen, dass zu Beginn der ersten Pandemie-Welle vor allem die sozioökonomisch bessergestellten Gebiete betroffen waren. Erst nach und nach breitete sich COVID-19 stärker in den weniger privilegierten Gebieten aus – dann aber umso heftiger. Bei der „Spanischen Grippe“ vor rund 100 Jahren war es ähnlich. Das haben Jana Berkessel, Dr. Tobias Ebert und Prof. Dr. Jochen Gebauer vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim heruasgefunden. 

Kein Zweifel: Die sozial Schwächeren trifft die Pandemie besonders hart. Zu Beginn der Corona-Krise sah das aber anders aus. Im Frühling 2020 waren es zuerst die reicheren Regionen, in denen sich das Virus in Deutschland verbreitete. Jana Berkessel, Dr. Tobias Ebert und Prof. Dr. Jochen Gebauer vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim zeigten gemeinsam mit weiteren Forscherinnen und Forschern aus Dänemark und den USA diese Entwicklung auf – nicht nur für Deutschland, sondern auch für England und die USA. Dass sie dabei erstaunliche Parallelen zur „Spanischen Grippe“ vor rund 100 Jahren entdeckten, könnte bedeutsam sein für den künftigen Umgang mit Pandemien. 
Berkessel, Ebert und ihr Team haben die Untersuchung mittlerweile in der vielrezipierten Fachzeitschrift „Social Psychological and Personality Science“ veröffentlicht. Ihr Beitrag beschreibt zwei Studien: Für die erste Studie analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Covid-19-Infektionszahlen aus rund 400 deutschen, 300 englischen und 3.000 US-amerikanischen Regionen im Zeitverlauf. Für die zweite Studie untersuchte das Forschungsteam historische Daten zu rund 6.700 Todesfällen von US-Bürgern während der „Spanischen Grippe“ von 1918 bis 1919. 

Wohlhabendere anfangs deutlich stärker betroffen

„Das Virus verbreitete sich anfangs schneller in reicheren Gebieten. Bald kehrte sich das jedoch um und ärmere Gebiete rückten in den Brennpunkt, mit schwerwiegenden Folgen“, erklärt Jana Berkessel. So zeige sich für alle drei untersuchten Länder, dass sich Covid-19 am Anfang stärker in Gebieten mit höherem Median-Einkommen verbreitet habe. Tobias Ebert: „Nach 30 Tagen Pandemie waren Gebiete mit höherem Einkommen in den USA und Deutschland deutlich stärker betroffen als unterprivilegiertere Gebiete. In England war es ähnlich, aber weniger ausgeprägt.“

Langsamere Verbreitung in den ärmeren Gebieten Deutschlands

Erst mit der Zeit stiegen die Infektionszahlen in den unterprivilegierten Regionen. Während in den USA und England die ärmeren Gebiete aber sehr bald stärker von Covid-19 betroffen waren als reichere Gebiete, blieb diese Umkehr während der ersten Pandemiewelle in Deutschland aus. „Die USA haben der Verbreitung des Virus anfangs wenig entgegengesetzt. Es erscheint daher logisch, dass das sehr dynamische Infektionsgeschehen dort bald auch die unterprivilegierten Gebiete erreichte“, so Berkessel. In Deutschland habe man die erste Welle dagegen offensichtlich früh genug abgebremst, bevor diese von reicheren auf unterprivilegierte Gebiete überspringen konnte, bilanziert das Forschungsteam: „Die Verbreitung in den unterprivilegierten Gebieten Deutschlands ging – höchstwahrscheinlich aufgrund der getroffenen Maßnahmen – wesentlich langsamer als in den USA oder England.“

Warum erst die Reichen? Entscheidend sind Netzwerke und Mobilität

Doch warum trifft es die reicheren Gebiete offenbar prinzipiell zuerst? Die Psychologinnen und Psychologen sehen als Ursache, dass wohlhabendere Personen oft diverser vernetzt und grundsätzlich mobiler sind. Wer ein hohes Einkommen hat, ist beispielsweise tendenziell häufiger auf Geschäfts- oder Urlaubsreisen und hat mit relativ vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. „Und wenn ein Virus kurz vor der massenhaften Verbreitung steht und das Sozialleben noch nicht eingeschränkt ist, dann sind es genau diese Menschen mit diversen Kontakten, welche eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, sich anzustecken und das Virus weiterzugeben. Plakativ ausgedrückt: „Die mobilen Eliten schleppen das Virus ungewollt ein, die Ärmeren kriegen es dann mit Verzögerung ab“, resümiert Ebert.

Lehren für künftige Pandemien

Dass der Weg von „Spanischer Grippe“ und Covid-19 durch die Schichten der Gesellschaft – zuerst die Reichen, dann die Armen – prinzipiell ähnlich war, legt für das Forschungsteam Schlussfolgerungen für mögliche künftige Pandemien nahe. „Unsere Erkenntnisse zeigen, dass man in der wichtigen Phase zu Beginn einer Pandemie genau hinsehen muss, welche Maßnahmen zu treffen sind, um die Ausbreitung effektiv zu unterbinden“, erklärt Jana Berkessel. Es erscheine beispielsweise ratsam, in der Frühphase das Ausbruchsgeschehen insbesondere in wohlhabenderen Regionen genau zu verfolgen.

Keine Scheinbefunde aufgrund unterschiedlicher Bevölkerungsdichten 

Umfangreiche Zusatzanalysen legen nahe, dass die Ergebnisse keine Scheinbefunde sind, die durch regional unterschiedliche Faktoren wie Testkapazitäten, Urbanität (Bevölkerungsdichte) oder Tourismuskapazitäten zustande kamen. „Wir haben unsere Befunde auf derartige Faktoren hin überprüft. Die Ergebnisse sind nach wissenschaftlichen Standards robust“, bilanziert das Forschungsteam. 



Sparkasse NU

Termine & Kino

weitere Termine
Sparkasse Neu-Ulm - Illertissen 1
Mai 17

Die SSV-Party geht weiter: Aufstiegs- und Meisterfeier im Donaustadion und auf Ulmer Münsterplatz
Die Party geht weiter! Am Samstag wird die Mannschaft des SSV Ulm 1846 Fußball offizell für...weiterlesen


Mai 19

Nach der Feier ist vor der Feier: Meister-Spatzen fliegen nach Malle
Erst ein Wolkenbruch beendete am Samstagabend die Party mit mindestens 9000 Fans auf dem Ulmer...weiterlesen


Mai 20

Blank gezogen - Unbekannter langt zu
Eine unangenehme Erfahrung hat eine junge Frau in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der...weiterlesen


Mai 13

Berblinger-Turm wieder begehbar
Am Dienstag finden abschließende Wartungsarbeiten am Berblinger-Turm in Ulm statt. Danach soll der Turm...weiterlesen


Mai 17

Autolenker fährt Fußgängerin auf Zebrastreifen an
Am Donnerstag erfasste ein Autofahrer im Ulmer Stadtteil Wiblingen eine Fußgängerin.  weiterlesen


Mai 16

Schockanrufer erbeuten Schmuck
Am Mittwoch brachten Betrüger eine Seniorin aus Ulm um ihren Schmuck. weiterlesen


Mai 15

Junge Radlerin bei Unfall verletzt
Am Dienstagmorgen fuhr eine 72-Jährige mit ihrem Pkw in Illertissen auf der Dietenheimer Straße...weiterlesen


Mai 19

Unfall beim Spurwechsel in Neu-Ulm
Am Samstagmittag gegen 12:30 Uhr befuhr ein 24-jähriger Lkw-Fahrer die Europastraßein Neu-Ulm in...weiterlesen



Sparkasse Neu-Ulm - Illertissen 1

 
© ulm-news.de, Nachrichten für Ulm und Umgebung   KONTAKT | FAQ | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ | Cookie Einstellungen anpassen nach oben