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Ulm News, 03.09.2020 23:46

3. September 2020 von Ralf Grimminger
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Forschung der Universitätsklinik Ulm bestätigt: Kinder sind nicht Treiber der Corona-Infektion


Insbesondere aufgrund der Neuartigkeit des Virus ist Covid-19 weit verbreiteter Gegenstand der Forschung. Um einen besseren Umgang mit der Krankheit zu ermöglichen, stehen neben dem Impfstoff auch weitere Aspekte wie die Ursachen und Verbreitungsmöglichkeiten im Vordergrund. Eine Studie der Südwestkliniken, an der auch die Stadt Ulm beteiligt war, lieferte zumindest in Sachen Ausbreitung etwas mehr Klarheit.

 

Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung des neuartigen Corona-Virus? Diese Frage beschäftigt seit längerem eine Vielzahl von Forschern auf der ganzen Welt. Eine in Baden-Württemberg in Auftrag gegebene Studie untersuchte dabei 2.500 Kinder in den Monaten April und Mai. Kinder im Alter von bis zu zehn Jahren nahmen dabei mit ihren jeweiligen Eltern teil. Eine Blutabnahme wurde dabei als Grundlage für den Antikörper-Test genutzt.
Speziell Kleinkindern fällt die Einhaltung von diversen Hygienevorschriften, die in dieser Zeit umso wichtiger sind, etwas schwieriger. Sich neben dem Herumtollen mal schnell mit Seife die Hände im Waschbecken säubern - daran denken in den meisten Fällen die Wenigsten. Doch die Studie der Ulmer Klinik, an welcher auch die Städte Freiburg, Heidelberg und Tübingen beteiligt waren, geben Entwarnung. Auch ohne die ständige, hygienische Überwachung der eigenen Kinder ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung bei Erwachsenen deutlich wahrscheinlicher.
Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm bestätigt das Forschungsergebnis. Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten seien Kinder beim Coronavirus keine Virenschleudern. Die Ansteckung im Vergleich zu Erwachsenen sei deutlich niedriger. Deswegen können Kinder als “Treiber” des neuartigen Coronavirus ausgeschlossen werden.
Unter den insgesamt 5.000 Menschen, welche keinerlei Symptome zeigten, konnte nur bei einem Eltern-Kind-Paar eine aktive Infektion festgestellt werden. Bei anderen Paaren gab es weitgehend erfreulichere Nachrichten. Insgesamt konnte 64 erfolgreiche Bildungen von Antikörpern festgestellt werden. Darunter befanden sich 45 Erwachsene und 19 Kinder. 
Der dadurch gemessene Anteil von 1,3 Prozent führt Klaus-Michael-Debatin zu einer weiteren Schlussfolgerung. “Von einer Herdenimmunität sind wir somit weit entfernt”.
Obwohl die Studie wichtige Erkenntnisse zur Übertragung lieferte, gab es jedoch auch Kritik. Mit dem Forschungsprojekt sei nicht untersucht worden, wie ansteckend Kinder im Endeffekt tatsächlich sind, bemängelte Hans-Georg Kräusslich, Sprecher des Zentrums für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Daher könne auch nicht eindeutig festgestellt werden, wer den nun wen tatsächlich angesteckt habe.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen, der die Studie mit Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro durchführen ließ, äußerte sich ebenfalls zu dem abgeschlossenen Forschungsprojekt: “Wichtig ist, dass wir mit den Ergebnissen der Studie unsere politischen Entscheidungen auf die aktuellste wissenschaftliche Expertise stützen können". Die derzeitige Situation sei vor allem für Eltern und Kinder eine belastende Situation - aufgrund der neuen Erkenntnisse sieht Kretschmann jedoch auch diesbezüglich eine mögliche Verbesserung der Situation. "Die gewonnenen Erkenntnisse werden uns auch helfen, uns intensiv auf das neue Schul- und Kindergartenjahr ab September vorzubereiten".



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