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Ulm News, 21.11.2019 12:14

21. November 2019 von Ralf Grimminger
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Erfolgreiche Veranstaltung der Nething Akademie: Architekt Van Bo Le-Mentzel referiert über visionäre Wohnformen im Einrichtungshaus BoConcept


Der 42-jährige deutsche Architekt Van Bo Le-Mentzel stellte am Mittwochabend rund 150 Interessierten seine Visionen für Wohnen, Bauen und Leben in Städten im Design-Einrichtungshaus BoConcept in der Neuen Mitte in Ulm vor. Die Praxis gab es in der Neuen Mitte zu bewundern. Dort konnte man ein Tiny Haus mit 15 Quadratmetern Wohnfläche besichtigen. Veranstaltet hatte den Vortragsabend für Bauträger, Architekten und an der Wohnform „Tiny“-Haus Interessierte das Ulmer Architekturbüro Nething.

Der 42-jährige deutsche Architekt Van Bo Le-Mentzel sprach am Mittwoch auf Einladung der Nething Akademie im Ulmer Einrichtungshaus BoConcept  gut 90 spannende Minuten über seine – aus heutiger Sicht – noch radikalen Visionen und Utopien in puncto Wohnen und Leben.
Der Architekt, der im Jahr 1979 mit seinen Eltern aus Laos nach Deutschland kam, wurde bekannt durch seine „Hartz-IV-Möbel“ zum Selberbauen für wenig Geld. Unter dem Künstlernamen „Prime Lee“ war er außerdem in Berlin auch als Rapper und Graffiti-Künstler aktiv und bekannt. Nach seinem Architekturstudium absolvierte Van Bo Le-Mentzel einen Tischler-Wochenendkurs an der Berliner Volkshochschule. Nach dieser handwerklichen Erfahrung entwarf er eine Möbelkollektion mit dem „24 Euro Chair“. Ein Vorbild für dessen Gestaltung war das deutsche Bauhaus. Aufsehen erregte auch sein Projekt „100-Euro-Wohnung“ . Es war eine Wohneinheit, die ein Tiny Haus  und Teil eines gemeinschaftlichen Wohnens war. Der Architekt nennt diese Form „Co-Being House“. Menschen sollen dabei gemeinsam unter einem Dach in einzelnen Wohnungen leben, von denen die Kleinste nur 100 Euro Miete pro Monat kosten soll. Die 6,4 Quadratmeter kleine, auf einen Anhänger aufgestellte Wohnung umfasst Küche, Bad, Büro, Schlafzimmer und Wohnstube.
Im „Co-Being House“ sollen auch Menschen mit wenig Geld in der Innenstadt leben können. Dabei geht es nicht nur um günstigen Wohnraum, sondern um einen neuen Sozialraum. Geht es nach Van Bo sollen in diesen Tiny Häusern jung und alt, arm und reich, gebildet und weniger gebildet, Deutsche und Ausländer zusammenleben. Auch sollen die Arbeitsplätze möglichst im selben Gebäude angesiedelt sein, so dass man praktisch in Hausschuhen von der Wohnung zum Arbeitsplatz wechseln kann und auch den Einkauf für den täglichen Bedarf erledigen kann. Das Aufheben der strikten Trennung von  reinen Gewerbe-und Wohngebieten würde auch das Verkehrsaufkommen in den Städten deutlich verringern, ist Van Bo überzeugt. "Das Pendeln fällt weg". 
Ein Ansatz, den auch der Ulmer Architekt Axel Nething für bedenkenswert hält. „Es macht ja eigentlich wenig Sinn, vom Wohngebiet Wiley in Neu-Ulm zum Arbeiten auf den Ulmer Eselsberg zu fahren und zwischendrin noch einen Supermarkt anzusteuern“.
Van Bo Le Mentzels Vision: Laute und leise Nutzungen werden nicht horizontal, sondern vertikal organisiert. Seiner Ansicht nach brauchen Industrie, Museen und Supermärkte wenig Fenster. Sie dürfen daher das gesamte Erdgeschoss ausfülllen. Auf dem Dach enstehen Hochgärten und Raum für soziale Nachbarschaft, wie Kindergarten, Kitas, lauben, Tiny Häuser  oder Spielplätze. Die Hochgärten werden von Stadthäusern eingerahmt, die den Lärm der Stadt filtern.    
Vor zwei Jahren organisierte Van Bo den „Bauhaus Campus Berlin“ auf dem Freigelände vor dem Museum für Gestaltung Bauhaus-Archiv in Berlin. Van Bo experimentierte unter dem Motto „Study. Build. Research.“ Interessierte aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Design und aus der Startup-Szene studierten und forschten auf einem Campus. All e bet eiligten Projekte waren in der Tiny Haus-Bewegung organisiert. Diese befasst sich mit mobiler Architektur. Die Tiny Häuser sind nicht größer als ein Parkplatz. Vorbild für dieses Experiment war ebenfalls das Bauhaus.
Über all diese Visionen und Pläne referierte der 42-Jährige mit viel Elan und packender Begeisterung. Auch wenn die anwesenden Architekten und Bauträger, die sogleich Bebauungspläne, Bauverordnungen und Kosten im Kopf hatten, gelegentlich skeptisch die Stirn runzelten, fanden viele die vorgetragenen Ansätze interessant. „Van Bo Le-Mentzel brennt für seine Ideen. Wie er sich mit seinen Visionen auseinandersetzt und dafür wirbt, ist toll. Und Utopien braucht es, damit sich auch das Bauen und Wohnen weiterentwickelt“, sagte der Ulmer Immobilienmakler und Bauträger Volker Munk.
;Der Berliner Architekt setzte sich unmittelbar nach seinem Vortrag mit Gästen an einen Tisch und diskutierte mit diesen weiter über seine Vorstellungen.  Diese waren auch Thema unter den anderen Vortragsbesuchern beim  anschließenden Getränk, das an der mobilen, rollenden „Die Bar“ ausgeschenkt wurde.
Warum fand der Vortrag bei BoConcept in der Neuen Mitte statt? Axel Nething war der Meinung, dass das Tiny Haus und der Vortrag „mitten in die Stadt gehören“ und fragte bei Heike und Joachim Seiler, Inhaber der Ulmer BoConcept-Niederlassung, nach. Diese waren von der Idee begeistert. „So ein interessanter Vortrag ist auch gut für die Innenstadt“, freute sich Heike Seiler über die erfolgreiche Veranstaltung, die kein Einzelevent im Haus für moderne und skandinavische Designmöbel bleiben wird.
In den nächsten Wochen führt das Theater Ulm zehn Mal das Stück „Josef und Maria“ von Peter Turrini auf. Der Inhalt passt zur Lage und auch zum Thema Wohnen. Es geht um Heiligabend nach Ladenschluss. In einem Geschäft treffen sich die Putzfrau Maria und Josef, der Mann vom Wach- und Sicherheitsdienst. Inmitten der edlen Umgebung des Geschäfts vollzieht sich auch etwas ganz anderes Nobles: Aus dem Schimpfen wird Zuhören, aus dem Alleinsein Gemeinsamkeit und aus Josef und Maria am Weihnachtsabend ein vielleicht nicht hochheiliges, aber doch trautes Paar, das auf das Leben anstößt. So beschreibt das Theater Ulm die Weihnachtsgeschichte, die mitten  im BoConcept-Einrichtungshaus aufgeführt wird. Premiere ist am 22. November um 19.30 Uhr.



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