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Ulm News, 13.06.2019 12:44

13. Juni 2019 von Ralf Grimminger
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IHK-Konjunkturbericht zum Frühjahr 2019: Konjunkturmotor schaltet einen Gang zurück


Die regionale Wirtschaft bekommt im Frühjahr den anhaltenden wirtschaftspolitischen Gegenwind zu spüren. Der Konjunkturmotor in der IHK-Region Ulm schaltet daher einen Gang zurück. Das erreichte Niveau liegt jedoch weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. „Der Konjunkturmotor schaltet somit einen Gang zurück, läuft aber immer noch mit einer ordentlichen Drehzahl“, fasst IHK-Präsident Dr. Jan Stefan Roell den aktuellen Konjunkturverlauf zusammen. 

Was sich zu Jahresbeginn bereits angedeutet hatte, lässt sich nun auch in den Zahlen ablesen: Die Dynamik der regionalen Wirtschaft lässt nach. Belastend wirken sich dabei die anhaltenden Handelskonflikte zwischen den USA und Europa, zwischen den USA und China sowie das Chaos um den Brexit aus. In der Folge fällt der IHK-Konjunkturklimaindex, ein gemeinsames Maß für die Lage-urteile und die Erwartungen, um zehn Punkte und steht nun bei 125 Zählern. „Der Konjunkturmotor schaltet somit einen Gang zurück, läuft aber immer noch mit einer ordentlichen Drehzahl“, fasst IHK-Präsident Dr. Jan Stefan Roell den aktuellen Konjunkturverlauf zusammen. 
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Einzelindikatoren wider. So gibt der Indikator für die aktuelle Geschäftslage deutlich nach (minus 15 Punkte). Dies ist allerdings allein auf eine Verlagerung von guten zu befriedigenden Lageurteilen zurückzuführen. Denn schlecht geht es gegenwärtig weiterhin nur fünf Prozent der Betriebe. Ihnen stehen immer noch fast 55 Prozent mit gut laufenden Geschäften gegenüber. Auch liegen die Lageurteile weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Zudem bleibt die Ertragslage ordentlich: Acht von zehn Unternehmen berichten von einer guten oder zumindest befriedigenden Ertragssituation. 
Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate fallen ebenfalls pessimistischer aus als noch zu Jahresbeginn. Dies geht mit verhalteneren Auftragseingängen einher. Dennoch erwartet das Gros der Unternehmen immerhin eine Weiterentwicklung der Geschäfte auf dem erreichten Niveau. Jeder fünfte Betrieb geht sogar von einer Verbesserung aus. 
Zentrale Stütze bleibt dabei die Binnenwirtschaft. Mit einer Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent in den Monaten April und Mai erreicht die IHK-Region Ulm einen neuen Jahrestiefststand. Anhaltend steigende Beschäftigtenzahlen und Einkommenszuwächse stärken die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Im Gegenzug treibt die Sorge um fehlende Fachkräfte die Betriebe um. Und eine Entspannung der Arbeitsmarktsituation ist trotz einer etwas nachlassenden Dynamik nicht in Sicht. Das Angebot an offenen Stellen bleibt überdurchschnittlich. Zwei von zehn Unternehmen wollen in den kommenden Monaten zudem weitere Stellen aufbauen. Mehr als 60 Prozent planen die derzeit hohe Beschäftigtenzahl zumindest zu halten. 
Impulse erhält die Binnenwirtschaft auch von der investiven Seite. Zwar sinkt das Investitionsklima merklich und gerade Investitionen zur Kapazitätserweiterung werden weniger geplant. Dennoch möchte über die Hälfte der Unternehmen ihr derzeitiges ordentliches Investitionsniveau halten. Mehr als jedes fünfte Unternehmen beabsichtigt sogar höhere Ausgaben für Inlandsinvestitionen. „Auch die Politik sollte noch stärker investive Impulse setzen. Der Ausbau der Verkehrs- und IT-Infrastruktur muss hierzulande schneller gehen. Zudem ist endlich eine längst überfällige Steuer- und Bürokratieentlastung für die Unternehmen umzusetzen“, fordert Roell. 

Industriekonjunktur verliert an Tempo 

Die weltweit rückläufige Investitionsdynamik beschert der regionalen Industrie abnehmende Auftragseingänge aus dem In- und Ausland. Das unruhige wirtschaftspolitische Fahrwasser macht sich hier also besonders bemerkbar. Damit ist es auch die exportorientierte Industrie, die maßgeblich zur Abwärtskorrektur der gesamtwirtschaftlichen Lageeinschätzung beiträgt. Allerdings liegt diesem Rückgang ein sehr hohes Ausgangsniveau zugrunde: Die Mehrheit der produzierenden Unternehmen ist somit auch jetzt noch mit der Geschäftslage zufrieden. Lediglich sieben Prozent geht es schlecht. Die Kapazitäten sind mit knapp 90 Prozent zudem nach wie vor stark ausgelastet. Hinzu kommt, dass die Branche von keiner weiteren Abwärtsentwicklung in den nächsten Monaten ausgeht. Auch soll an den aufwärtsgerichteten Personalplänen festgehalten und auf moderaterem Niveau weiter investiert werden. 
Ein Blick auf die einzelnen Industriebereiche zeigt, dass sich das skizzierte Bild durch nahezu alle Produktionssegmente zieht: Die  Lageurteile werden deutlich nach unten revidiert, erreichen jedoch zumeist ein weiterhin ordentliches Niveau. Mit Abstand am besten läuft es für die Investitionsgüterproduzenten. Auch die Vorleistungsgüterindustrie steht nach wie vor gut da. Bei den Konsumgüterproduzenten halten sich gute und schlechte Lageurteile hingegen die Waage. 

Großhandel besser in Form als der Einzelhandel 

Der Großhandel macht weiterhin eine gute Figur, was sich in guten Lageurteilen und einer soliden Ertragslage zeigt. Sieben von zehn Großhändlern sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Ausgesprochen gut steht es um den produktionsverbindenden Großhandel. Doch auch der konsumnahe Großhandel ist in guter Verfassung. Die langsamere Gangart einiger Kunden aus Industrie und Dienstleistungen macht sich allerdings in vorsichtigeren Geschäftserwartungen und einer geringeren Investitionsbereitschaft des Großhandels bemerkbar. 
Im Einzelhandel laufen die Geschäfte trotz der guten Rahmenbedingungen für den Konsum weniger gut als im Großhandel. Nicht alle Warensegmente profitieren gleichermaßen von der gestiegenen Kaufkraft. Insbesondere Anbieter von Saisonware sind der Konkurrenz aus dem Internet ausgesetzt. Wirklich gut ist die aktuelle Geschäftslage daher lediglich bei rund einem Viertel der Einzelhändler. Große Zuwächse werden auch in den kommenden Monaten nicht erwartet. 

Dienstleister weiter in guter Verfassung 

Der Höhenflug der Dienstleister hält nahezu unvermindert an. Drei von fünf Serviceunternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut, nur ein Prozent ist unzufrieden. Die Tendenz bei den Auftragseingängen geht zwar etwas zurück, liegt aber immer noch in einem guten Bereich. Über 80 Prozent gehen daher von einer konjunkturellen Weiterentwicklung auf dem bestehenden Niveau aus. Dennoch trüben sich die Aussichten etwas ein. Investitions- und Beschäftigungspläne werden dementsprechend angepasst, fallen aber weiterhin expansiv aus. 
Innerhalb der Dienstleistungsbranche stehen das Verkehrsgewerbe und die unternehmensnahen Dienstleister besonders gut da. Im Verkehrsgewerbe sind die Beförderungskapazitäten weiterhin zu über 90 Prozent ausgeschöpft. In beiden Servicesparten rechnen die Dienstleister in den kommenden Monaten mit einer ähnlich guten Entwicklung. 
Im Hotel- und Gaststättengewerbe verharrt die Geschäftslage auf einem ordentlichen, aber deutlich niedrigeren Niveau als in den beiden Top-Servicesparten. Ähnliches gilt für das Kreditgewerbe. Hier nimmt die Zufriedenheit zwar etwas zu, Regulatorik und Niedrigzinsen wirken sich aber nach wie vor negativ auf die Erträge aus.



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