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Ulm News, 27.02.2019 14:55

27. Februar 2019 von Ralf Grimminger
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Bildungsreport der IHK Ulm zeigt deutliche Defizite bei Grundschulen in der Region


In der Grundschule werden wesentliche Weichen für die Zukunft unserer Kinder gestellt. Die Auswirkungen der grundschulischen Bildungsergebnisse lassen sich noch lange nachverfolgen. Zudem können in der Grundschule noch am ehesten herkunfts- und kulturell bedingte Benachteiligungen ausgeglichen werden. Deshalb kommt der Grundschule im Schulsystem eine besondere Bedeutung zu. Die Ergebnisse der jüngsten Schulleistungsstudien IQB-Bildungstrend, IGLU und TIMSS zeigen jedoch deutliche Defizite auf - gerade für die Grundschulen in Baden-Württemberg. Mit ihrem Bildungsreport beobachtet die IHK Ulm die Bildungssituation in der Region kontinuierlich, um Defizite in der Bildungsqualität aufzudecken.  

„Die Grundschule hat das bildungspolitische Ziel, die Unterschiede in den Eingangsvoraussetzungen der Kinder so weit wie möglich auszugleichen. Diesem Ziel wird die Grundschule jedoch nicht gerecht. Es gelingt der Grundschule nicht, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzentwicklung auszugleichen“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle die Ergebnisse der Studien zusammen. 

Ergebnisse der Leistungsstudien sind ernüchternd 
Nach der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU 2016 kann in Deutschland fast jeder fünfte Grundschüler nicht richtig lesen. Zusätzlich liegen die deutschen Leseleistungen lediglich im unteren Mittelfeld bei einer im internationalen Vergleich sehr großen Streuung.
Ähnliche Ergebnisse zeigen die Trends in International Mathematics and Science Study TIMSS 2015 für Mathematik und Naturwissenschaften und der IQB-Bildungstrend 2016 des Instituts für Qualität im Bildungswesen (IQB) für Lesen und Mathematik. Außerdem hat sich das Ausmaß sozial bedingter Leistungsunterschiede nicht statistisch bedeutsam verringert. Für Baden-Württemberg verläuft die Entwicklung zwischen 2011 und 2016 besonders ungünstig: das Leistungsniveau beim Lesen und Rechnen sinkt und der Anteil der Schüler, die den Mindeststandard nicht erreichen, die sogenannten „Risikokinder“, steigt. 
Die Autoren der drei Studien betonen, dass diese „Risikokinder“ nur über einfachstes Wissen in den einzelnen Fächern verfügen und erhebliche Schwierigkeiten beim Lernen in der Sekundarstufe haben werden. „Wichtig wäre es, dass diese Schülerinnen und Schüler zusätzliche schulische Förderung bekommen. Viele Talente können sich so nicht entwickeln und gehen uns als Fachkräfte verloren“, macht Sälzle deutlich. 

Folgen für Wirtschaft sind enorm 

Die bereits im ersten IHK-Bildungsreport 2008 festgestellten Defizite bestehen nach wie vor. „Die schon vor zehn Jahren absehbaren Folgen zeigen sich heute immer deutlicher: Ein erheblicher Teil der Kinder kommt mit unzureichenden Sprachkenntnissen in die Schule, erreicht dort nur einen niedrigen formalen Abschluss und wird schlussendlich mit geringen Erfolgschancen in den Arbeitsmarkt entlassen. Dies könnte sich vor dem Hintergrund des künftigen Fachkräftebedarfs und der zunehmenden Digitalisierung als signifikante Bremse für die künftige wirtschaftliche Entwicklung erweisen“, warnt Sälzle. 

Trend zum Gymnasium ist ungebrochen

In der IHK-Region Ulm wechseln inzwischen vier von zehn Grundschülern auf das Gymnasium. 13% der Wechsler aufs Gymnasium haben keine Empfehlung dafür bekommen, was die Kinder dann oftmals in ihrem Leistungsvermögen überfordert. Gegen diesen Trend wechseln im Alb-Donau-Kreis und im Landkreis Biberach bis zu einem Viertel der Grundschüler mit einer Empfehlung für das Gymnasium stattdessen auf eine Realschule. „Mit dieser bewussten Entscheidung für die Realschule werden keine Chancen vergeben. Das Gegenteil ist der Fall: Die hohe Durchlässigkeit unseres Schulsystems hält alle Optionen offen. So steht guten Realschülern sowohl der Weg zur Hochschule über die beruflichen Gymnasien als auch der Weg zu attraktiven Ausbildungsberufen mit hervorragenden Beschäftigungschancen offen“, appelliert Sälzle an die Eltern. 

Bedarf und Nachfrage stimmen nicht mehr überein 

Der IHK-Fachkräftemonitor zeigt, dass neun von zehn gesuchten Fachkräften Nichtakademiker, also betrieblich ausgebildete Fachkräfte, sein werden. Besonders gut werden die Beschäftigungschancen für Personen sein, die sich nach ihrer Ausbildung weitergebildet haben. In der IHK-Region Ulm fehlen in den nächsten Jahren über 5000 Meister, Techniker und Fachwirte. „Die vermeintlich besseren Aussichten nach einem Studium könnten sich deshalb als überzogen erweisen. So ist bereits heute ein Drittel der Bachelor-Absolventen auf Positionen tätig, die keinen Hochschulabschluss erfordern. Mit der steigenden Anzahl an Hochschulabsolventen wird dieser Trend anhalten”, stellt Sälzle fest. 

Investitionen in die Grundschulen sind bestens angelegt

In Deutschland bildet Baden-Württemberg mit Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein das Schlusslicht bei den Bildungsausgaben pro Grundschüler. Baden-Württemberg hat mit 5.800 Euro pro Grundschüler hier deutlichen Nachholbedarf. „Bayern lässt sich die Grundschüler mit 7.200 Euro rund ein Viertel mehr kosten als Baden-Württemberg und erzielt in den Leistungsvergleichen deutlich bessere Ergebnisse. Alle Verantwortlichen im Land sind aufgefordert, die grundschulische Bildung so zu gestalten, dass jedes Kind eine faire Chance erhält. Gleichzeitig sichern wir uns damit unsere Fachkräfte und unseren Wohlstand“, ist sich Sälzle sicher. 

Qualitätskonzept konsequent umsetzen

Das von der Landesregierung eingeführte Qualitätskonzept mit einer Neuausrichtung der Lehrerfortbildung, der Einführung eines professionellen Bildungsmonitoring zur datengestützten Schulentwicklung sowie der Begleitung durch einen wissenschaftlichen Beirat weist in die richtige Richtung. “Die Grundschulen stehen vor großen Herausforderungen, deshalb sollte das Qualitätskonzept konsequent und zügig umgesetzt werden. Es werden allerdings noch Jahre vergehen, bis es seine volle Wirkung entfalten wird”, so Sälzle abschließend. 
 
Mit ihrem Bildungsreport beobachtet die IHK Ulm die Bildungssituation in der Region kontinuierlich, um Defizite in der Bildungsqualität aufzudecken und gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Politik an Verbesserungsmöglichkeiten zu arbeiten. Der aktuelle Bildungsreport befasst sich mit der Situation an den Grundschulen in der Region. Zuvor wurde bereits die frühkindliche Bildung beleuchtet. 

 



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