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Ulm News, 31.01.2019 15:02

31. Januar 2019 von Ralf Grimminger
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Vier junge Wissenschaftlerinnen aus Ulm in das Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm aufgenommen


Gleich vier junge Wissenschaftlerinnen der Universität und Universitätsklinik Ulm sind in das Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm aufgenommen worden - so viele wie nie zuvor. In den nächsten fünf Jahren soll das Programm den ausgewählten Forscherinnen Dr. Julia Zinngrebe,  Dr. Sally Olderbak, Dr. Kerstin Felgentreff und Dr. Joana Straub (v.li.) den Weg zur Habilitation und somit zur Professur ebnen. 

Aus Ulm erhalten zwei Ärztinnen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin mit den Schwerpunkten Leukämieforschung und angeborene Immundefekte Wrangell Stipendien. Dazu kommen zwei Psychologinnen, die sich der Psychotherapieforschung bzw. der Messung sozio-emotionaler Eigenschaften widmen. Frauen sind in der Wissenschaft noch immer unterrepräsentiert - 2017 lag der bundesweite Professorinnenanteil bei nur 24 Prozent. Das Wrangell-Habilitationsprogramm will jungen begabten Frauen eine wissenschaftliche Karriere ermöglichen.

Meilenstein auf dem Weg zur Professorin

Großer Erfolg für Wissenschaftlerinnen auf dem Weg zur Professur: Gleich vier junge Forscherinnen der Universität Ulm sind in das „Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm für Frauen“ aufgenommen worden – so viele wie nie zuvor. Ziel des Landesprogramms ist es, qualifizierten Wissenschaftlerinnen die Habilitation zu ermöglichen, mit der sie die Lehrberechtigung in ihrem Fach erwerben. Im Zuge des Habilitationsprogramms werden die Stellen der Forscherinnen in der Regel für fünf Jahre finanziert – drei Jahre davon durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) sowie den Europäischen Sozialfonds und zwei Jahre von der Heimatuniversität. Darüber hinaus nehmen die Habilitandinnen an Schulungen und Trainingsangeboten im Zuge des Mentoring-Programms MuT teil. Ein Gutachterinnengremium hat an der Universität Ulm zwei Psychologinnen und zwei Ärztinnen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin für das Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm ausgewählt. Die Förderung beginnt im ersten Quartal 2019.
Die Stipendiatin Dr. Kerstin Felgentreff, Jahrgang 1981, ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Neben ihrer ärztlichen Tätigkeit an der Universitätsklinik forscht Dr. Felgentreff in Kooperation mit dem Ulmer Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik (IKT) zur DNA-Reparatur und zu DNA-Reparaturdefekten bei Kindern mit angeborener Immunschwäche. Vor ihrem Wechsel an die Uniklinik Ulm im Jahr 2015 hat Kerstin Felgentreff in Marburg Medizin studiert und dort auch promoviert. An der Universitätsklinik Freiburg sowie insbesondere bei einem vierjährigen Forschungsaufenthalt am Boston Children’s Hospital, wo sie sich mit induzierten pluripotenten Stammzellen von Patienten mit schweren kombinierten Immundefekten beschäftigte, legte die Stipendiatin wichtige Grundlagen für ihre weitere wissenschaftliche Arbeit. Im Zuge ihrer durch das Margarete von Wrangell-Programm geförderten Habilitation will die Forscherin Biomarker für die Diagnostik von DNA-Reparaturdefekten und primären Immundefekten identifizieren, sowie den Einfluss von DNA-Schäden auf die Entwicklung von Immunzellen untersuchen.
Dr. Kerstin Felgentreff beteiligt sich an der klinischen Ausbildung im Medizinstudium im Bereich Immunologie und ist Mitglied der Junior Faculty der Internationalen Graduiertenschule für Molekulare Medizin an der Uni Ulm.

Ebenfalls an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin forscht die Assistenzärztin Dr. Julia Zinngrebe zu Leukämien im Kindesalter. Julia Zinngrebe, Jahrgang 1986, studierte Medizin an der Universität Ulm. Für ihre von der Ulmer Universitätsgesellschaft (UUG) ausgezeichnete Promotionsarbeit hat sie zwei Jahre lang am Imperial College und am University College in London geforscht. Als Postd oktorandin widmet sich Zinngrebe nun der Erprobung neuartiger Therapieansätzen bei der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) im Kindesalter. Im Zuge des Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramms will die Wissenschaftlerin das bisher unzureichend erforschte Zusammenspiel von Leukämiezellen und Adipozyten (Fettzellen) im Knochenmark untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern und über welche Wege diese Adipozyten das Überleben und die Vermehrung von Leukämiezellen beeinflussen. Forschungsziel sind neue therapeutische Ansätze, die sich gezielt gegen Leukämiezellen im Knochenmark richten. Denn die Prognose von rückfälligen jungen ALL-Patienten ist besonders schlecht, wenn das Knochenmark betroffen ist. Dr. Zinngrebe ist Mitglied der Junior Faculty der Internationalen Graduiertenschule für Molekulare Medizin. Lehraufgaben übernimmt sie im Masterstudiengang Molekulare Medizin und bei der klinischen Weiterbildung von Medizinstudierenden.

In das Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm aufgenommen wurde zudem die Psychologin Dr. Sally Olderbak. Die gebürtige Amerikanerin (Jahrgang 1984) promovierte an der University of Arizona und führt ihre wissenschaftliche Arbeit seit 2011 am Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm fort. In der Abteilung Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik beforscht die zweifache Mutter unter anderem individuelle Unterschiede in der emotionalen Kompetenz. Im Zentrum ihrer wissenschaftlichen Arbeit stehen das Konstrukt Empathie und die Wahrnehmung von Emotionen in Gesichtsausdrücken. Als Habilitandin will Sally Olderbak die Messung sozio-emotionaler Eigenschaften verbessern und deren Einfluss evaluieren. Diese Forschung ist hochrelevant, denn solche sozio-emotionalen Eigenschaften werden beispielsweise in Auswahlverfahren oder bei der Beschreibung schwerer Störungen wie Psychopathie oder Autismus herangezogen. Dabei ist bisher wenig darüber bekannt, wie zuverlässig eingesetzte Messinstrumente sind und welchen Einfluss sozio-emotionale Eigenschaften tatsächlich auf den beruflichen oder etwa schulischen Erfolg haben.
Dr. Sally Olderbak lehrt im Bachelor- und Masterstudiengang Psychologie insbesondere zu den Themen Persönlichkeit und individuelle Unterschiede sowie interpersonale Fähigkeiten.

Mit Dr. Joana Straub hat eine weitere Psychologin die Aufnahme in das Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramm geschafft. Die approbierte Kinder- und Jungendpsychotherapeutin arbeitet als leitende Psychologin des stationären Bereiches an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm. Joana Straub, Jahrgang 1984, hat nach ihrem Masterabschluss an der Universität Konstanz in Ulm promoviert. Thema ihrer kumulativen Dissertation war die Entwicklung und Evaluation einer Gruppen-Kurzzeittherapie zur Behandlung depressiver Jugendlicher. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT)-Bildgebung hat sie dabei auch neuronale Korrelate als „Antwort“ der Jugendlichen auf die Psychotherapie untersucht.
Das Habilitationsprojekt der zweifachen Mutter dreht sich ebenfalls um die Psychotherapieforschung: Straub will zum einen die Wirksamkeit der Eye Movement, Desensitization and Reprocessing (EMDR)-Traumatherapie bei Jugendlichen, die unter einer post-traumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, untersuchen. Zum anderen möchte sie die damit einhergehenden neuronale Veränderungen mittels fMRT erforschen. Eine PTBS tritt häufig nach Flucht- oder Gewalterfahrungen auf. Dr. Joana Straub engagiert sich in der medizinischen und psychologischen Lehre der Universität Ulm mit dem Schwerpunkt Depressionen im Kindes- und Jugendalter.
„Ich freue mich außerordentlich über diesen tollen Erfolg und gratuli e re den vier hervorragenden Stipendiatinnen ganz herzlich. Ihr Weg zur Professur ist durch die Aufnahme in dieses Programm ein gutes Stück weit geebnet“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Ulm, Professorin Susanne Biundo-Stephan. Namenspatronin des Margarete von Wrangell-Habilitationsprogramms für Frauen ist die erste ordentliche Professorin an deutschen Universitäten.
Die Botanikerin und Chemikerin Margarete von Wrangell (1877-1932) erhielt 1923 einen Ruf auf die Professur für Pflanzenernährungslehre an der landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim. Seit 1997 schreibt die Landesregierung das nach ihr benannte Programm aus, wobei in Baden-Württemberg bis zu zehn Förderzusagen im Jahr gemacht werden. Erklärtes Ziel ist es, strukturell bedingten Nachteilen von Frauen in der Wissenschaft entgegenzutreten. Dabei wird der besonderen Situation klinisch tätiger Medizinerinnen Rechnung getragen. Noch immer sind Frauen in der Professorenschaft unterrepräsentiert. Gemäß dem Statistischen Bundesamt lag der bundesweite Professorinnenanteil 2017 bei rund 24 Prozent.



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