ulm-news.de

Tentschert quer
Sie sind hier: ulm-news Startseite  Nachrichten

Ulm News, 10.11.2017 06:00

10. November 2017 von Ralf Grimminger
0 Kommentare

Wenn das Stofftier nicht loslässt - Kuscheltiere weisen bei Borderline-Patientinnen auf Bindungsängste hin


Kuscheltiere haben eine schützende und zugleich heilsame Wirkung: Sie spenden Wärme, Trost und Nähe. Und das nicht nur bei Kindern. Wissenschaftler der Universität Ulm haben nun herausgefunden, dass insbesondere Borderline-Patientinnen eine intensive emotionale Bindung zu Kuscheltieren aufbauen. Diese helfen den Betroffenen dabei, ihre Gefühle zu regulieren.

 Leiden die Betroffenen verstärkt unter Bindungsängsten oder Depressivität, wird dieser Effekt noch deutlicher. „Kuscheltiere haben für kleine Kinder eine besondere emotionale Bedeutung. In der Bindungstheorie gelten sie als ein sogenanntes Übergangsobjekt, das die frühe Mutter-Kind-Beziehung repräsentiert. Es erinnert das Kind an die Mutter und stellt eine Brücke zwischen ihm und der Außenwelt dar“, erklärt Professor Markus Kiefer vom Universitätsklinikum Ulm. Der Psychologe leitet an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III die Sektion für kognitive Elektrophysiologie. Doch auch für Erwachsene können solche Übergangsobjekte eine große emotionale Bedeutung haben. So ist schon länger aus Beobachtungen des klinischen Alltags bekannt, dass Patienten, die ein oder mehrere Kuscheltiere in ihrem Zimmer haben, häufig unter Persönlichkeitsstörungen leiden. Tagsüber helfen sie den Patienten dabei, sich zu beruhigen und nachts dienen sie als Einschlafhilfe. „Wenn sich Erwachsene von ihren Stofftieren nicht lösen können, weil diese eine besonders wichtige emotionale Bedeutung haben, ist dies ein Hinweis auf Defizite in der Emotionsverarbeitung sowie auf einen unsicheren Bindungsstil“, so Professor Carlos Schönfeldt-Lecuona, Oberarzt an der Klinik und Mitautor der Studie. Ein Team um die beiden Wissenschaftler hat nun erforscht, welche emotionale Rolle solche Kuscheltiere insbesondere für Borderline-Patientinnen spielen. „Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychiatrische Erkrankung, die unter anderem durch emotionale Instabilität und Impulsivität gekennzeichnet ist sowie durch Bindungsängste und häufig auch durch Depressivität“, erklärt der Psychiater Schönfeldt-Lecuona. Gemeinsam mit Fachkollegen aus ihrer Klinik untersuchten der Psychologe und der Psychiater, wie sich die Wahrnehmung von Bezugskuscheltieren bei 16 Borderline-Patientinnen auf die Aktivität bestimmter emotionaler Hirnareale auswirkt. Für diese Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Scientific Reports (Nature Research Journal) veröffentlich wurde, haben die Forscher den Studienteilnehmerinnen Bilder ihres Bezugskuscheltiers gezeigt sowie Bilder von emotional neutralen Kuscheltieren. Dabei wurden die Hirnströme mit dem Elektronenzephalogramm (EEG) gemessen und mit den Ergebnissen einer Kontrollgruppe verglichen. „Verstärkt aktiviert wurden bei der Wahrnehmung ihrer Bezugskuscheltiere im Vergleich zu Kontrollkuscheltieren frontale Hirnareale, die mit der persönlichen emotionalen Bedeutsamkeit in Verbindung gebracht werden“, erläutert Kiefer. Dieser Effekt war umso stärker, je depressiver die Person und je größer die Angst war, eine geliebte Bezugsperson zu verlieren. „Mit dieser Studie konnten wir eine Brücke schlagen zwischen Beobachtungen aus dem klinischen Alltag und neurobiologischen Prozesse im Gehirn“, betonen die Ulmer Wissenschaftler. „Eine enge emotionale Bindung zu Stofftieren kann ein deutlicher diagnostischer Hinweis auf eine Borderline-Persönlichkeitsstörung sein“, glauben die Forscher. Möglicherweise hilft das Wissen um diese Zusammenhänge auch dabei, den Erfolg einer psychotherapeutischen oder medikamentösen Behandlung zu bestimmen. Verringert sich die Bindung zum Kuscheltier, zeigt dies eine verbesserte Bindungs- und Emotionsverarbeitung an. Landet das einst so innig geliebte Kuscheltier nun unbeachtet im Schrank, heißt das wohl nichts anderes, als dass man sich stark genug fühlt für die Welt da Draußen. Egal ob man nun groß ist oder klein.



Ulmer Pressedienst Grüne

Termine & Kino

weitere Termine

Highlight

Zur Zeit gibt es kein Highlight.

Weitere Topevents

Zur Zeit gibt es keine weiteren Top-Events.

Tentschert quer
Feb 21

Krach in Ulm: Auto-Poser beschallen Innenstadt
Unruhig war es auch am Samstagabend einmal mehr für die Anwohner des Ulmer Altstadtringes. Dutzende...weiterlesen


Feb 18

36-Jähriger wegen Entführung und schwerer Vergewaltigung festgenommen
 Die Ulmer Strafverfolgungsbehörden können in zwei Entführungsfällen aus den Jahren 2006 und 2007...weiterlesen


Feb 28

Polizisten schießen aggressivem Mann ins Bein
Am Sonntag gegen 12:15 Uhr mittags wurden Polizeibeamte der Polizeiinspektion Krumbach zu einer...weiterlesen


Feb 21

20 Leute feiern ohne Mundschutz, ohne Abstand und mit viel Alkohol
Am Samstag kam es in Neu-Ulm im Verlaufe des Nachmittags und in der Nacht zu mehreren Verstößen gegen...weiterlesen


Feb 27

Brand in Innenstadt: Feuerwehr rettet gehbehinderten Gast aus Hotel "Schwarzer Adler"
Am frühen Samstagabend kam es zu einem Brand im Hotel "Schwarzer Adler"  in der Frauenstraße in der...weiterlesen


Feb 19

Tödlicher Unfall: Mercedes-Fahrer rast unter Sattelzug-Anhänger
Zu spät erkannte am Freitag ein Mercedes-Fahrer einen Überholvorgang auf der Autobahn.  weiterlesen


Feb 23

Familiendrama: 81-Jährige stirbt nach Messerstichen - Zwei weitere Menschen nach Angriff schwer verletzt
Nachdem eine Frau am Montag im Kreis Göppingen drei Menschen angegriffen und teils schwer verletzt hat,...weiterlesen


Feb 20

Nach Explosionen von Briefbomben bei Lidl und Wild: Tatverdächtiger aus Raum Ulm festgenommen
Nach den Explosionen von Brief- und Paketbomben bei der Firma Wild in Eppelheim am 16. Februar und bei der...weiterlesen



Tentschert quer

 
© ulm-news.de, Nachrichten für Ulm und Umgebung   KONTAKT | FAQ | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ nach oben