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Ulm News, 12.07.2017 10:49

12. July 2017 von Thomas Kießling
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Ein Zuhause für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge


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Beschreibung: WG-Betreuerin Svenja Ruland und Teamleiter Matthias Kneer mit Mushtaq aus Afghanistan

Lizenz: Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 Germany

Fotograf: Press n Relations

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Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern Deutschland erreichen, unterstehen dem Jugendschutz. Gemeinsam mit Partnern haben die Jugendämter des Alb-Donau-Kreises für die jungen Menschen zahlreiche Unterkünfte geschaffen – wie die Wohngemeinschaften der Jugend- und Erwachsenenhilfe Seitz aus Neu-Ulm. Der gemeinnützige, anerkannte freie Träger wurde bereits in die Arbeit in den Gemeinschaftsunterkünften integriert und betreut derzeit insgesamt 28 sogenannte UMA (unbegleitete minderjährige Ausländer) in sechs Wohngruppen im Alb-Donau-Kreis, die speziell hierfür angemietet wurden. Die Wohngruppen befinden sich in Ehingen, Heroldstatt und Munderkingen (jeweils zwei). 

Das Konzept der Wohngemeinschaften funktioniert: „Wir haben bisher mit den Jugendlichen große Fortschritte und sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt Svenja Ruland, Erzieherin bei Seitz und Bezugsbetreuerin der Jugendlichen in Heroldstatt. „Da wir uns ganz individuell mit jedem Einzelnen beschäftigen können, stellen sich schnell Erfolge bei der Integration in Bezug auf die sprachliche Entwicklung und dem Bewältigen ganz alltäglicher Hürden – wie beispielsweise das Einkaufen in deutschen Supermärkten – ein. Die Rückmeldungen zur Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Schulen sind positiv“, so Ruland weiter.
In Heroldstatt erhielten drei der vier Bewohner Vorverträge für Ausbildungsplätze, der 17-jährige Mushtaq K. aus Afghanistan beginnt im September bereits das Berufsvorbereitungsjahr an der Ulmer Robert Bosch-Schule. Den Ausbildungsvertrag zum Elektrotechniker nach erfolgreichem Abschluss der Berufsschule hat er ebenfalls in der Tasche. Bereits Ende des Jahres 2015 stellte Seitz zwei betreute Wohnungen für UMA in Ehingen zur Verfügung, seit April 2016 gibt es in Heroldstatt die Wohngruppe, in der Mushtaq lebt.
Der Fokus der täglichen pädagogischen Arbeit als Bezugsbetreuer liegt auf der Interessensvertretung der Jugendlichen. „Diese haben immer Priorität. Neben dem zu erfüllenden Schutzauftrag besteht unsere Aufgabe darin, einen gesunden Mittelweg zwischen dem Erlernen der deutschen Kultur und dem Wahren ihrer eigenen Traditionen aufzuzeigen“, erläutert Ruland. Gemeinsam mit ihren Kollegen Nicolas Lüngen und Matthias Kneer unterstützt sie nicht nur bei Hausaufgaben, der Suche nach Praktikums- oder Ausbildungsplätzen und dem Einteilen der Finanzen, sondern ist vielmehr Vertrauensperson und erster Ansprechpartner bei allen Fragen rund um tägliche Belange und Herausforderungen, wie beispielsweise der Gang zum Arzt oder das Überwinden von Heimweh.
„In Wohngruppen wie unserer sind wir glücklicherweise in der Lage, flexibel auf den individuellen Hilfebedarf jedes Einzelnen einzugehen“, weiß Ruland. Mushtaq K. ist sehr glücklich über seinen Platz in Heroldstatt. Nach traumatischen Ereignissen in seinem Heimatland und der Flucht erreichte er ohne Begleitung seiner Familie im Februar 2016 Deutschland, im April kam er in Heroldstatt an. „Mushtaq war von Anfang an eine große Hilfe für uns Betreuer, da er sehr gut Englisch spricht und sofort als Dolmetscher eingesprungen ist“, erzählt Ruland. Mittlerweile ist er festes Teammitglied des Fußballvereins in Heroldstatt und spielt beinahe jedes Wochenende als Verteidiger in der B-Jugendmannschaft. Dort hat er zahlreiche Freunde g efunden, mit denen er sich bereits rege austauscht – teilweise mit leicht schwäbischem Dialekt.
Mit Erreichen der Volljährigkeit wird die Hilfe zwar nicht zwingend beendet, weitere Maßnahmen jedoch einzeln geprüft. Auf die dazugehörigen Anhörungen, Ämtergänge und die Zeit nach der Hilfe bereitet das Seitz-Team jeden Bewohner gründlich vor. Falls vom Amt keine Verlängerung für die Betreuung in der Wohngruppe erteilt wird, helfen die Mitarbeiter darüber hinaus bei der Suche nach einer eigenen Unterkunft und dem anstehenden Umzug. Dies alles dient dem Zweck, Jugendlichen wie Mushtaq den Start in Deutschland zu erleichtern.



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