Ulm News, 25.10.2016 09:00
Max Goldt liest im Roxy
„Lippen abwischen und lächeln“ heißt das neue Buch vom vielfach preisgekrönten Max Goldt, das zur Frankfurter Buchmesse erschienen ist und die „prachtvollsten Texte“ des Autors aus den Jahren 2003 bis 2014 (und einige aus den Neunzigern) enthält. Am Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr, ist Goldt im Roxy zu Gast und liest eigene Texte – und wer seine Lesungen kennt, weiß, dass immer auch ganz Neues und Ungedrucktes mit dabei ist.
Nicht erwähnen muss man, dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, denn das „weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg“.
Aus dem neuen Buch
"Im allgemeinen bin ich recht zufrieden mit dem, was mir aufgetischt wird. Mich wundern allerdings regelmäßig Restaurant-Kritiken, in denen kaum jemals der Umstand berücksichtigt wird, daß ein hungriger Mensch nicht nur einen Mund hat, sondern auch zwei Beine. Ein guter Eßtisch hat meines Erachtens vier Beine, und zwar, ganz simpel, an jeder Ecke eines. Restauranttische haben jedoch oft nur einen Mittelsockel, welcher, indem er sich unten zu einem ausladenden Fuß weitet, den Gast die Füße nach außen zu biegen zwingt wie weiland Charlie Chaplins Tramp, wodurch es zu Durchblutungsstörungen kommen kann. Man will schon gehört haben, daß Menschen, die längere Zeit mit verdrehten, abgeknickten Füßen sitzen mußten, ‹obenrum› aber mit lebhafter Konversation befaßt waren – so daß das Einschlafen der Füße unbemerkt blieb –, sich beim Aufstehen einen Fuß gebrochen haben. In nostalgischen, mit Trödel ausstaffierten Lokalen wird dem Gast bisweilen sogar zugemutet, an alten Nähmaschinen-Tischen der Firma ‹Singer› Platz zu nehmen, in deren schnörkelreichem Untertischgekröse Frauen mit hohen Absätzen sich schon qualvoll verfangen haben wie ein erbeutetes Insekt im Spinnennetz."
Max Goldt, geboren 1958 in Göttingen, zog nach dem Abitur 1977 nach Berlin. 1981 gründete er mit Gerd Pasemann das der Neuen Deutschen Welle zugeordnete Duo "Foyer des Arts", mit dem zahlreiche Schallplattenveröffentlichungen erfolgten.
Seine Kolumnen für die Berliner Zeitschrift "Ich und mein Staubsauger" führten zur langjährigen Mitarbeit beim Satiremagazin "Titanic". 1984 erschien sein erstes Buch "Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz", dem zahlreiche weitere folgten.
Mit dem Zeichner Stephan Katz arbeitet Goldt als Texter zusammen, die gemeinsamen Arbeiten wurden neben der Titanic auch in "Intro" und dem "Zeitmagazin" sowie in Buchform veröffentlicht. Goldt, der bis heute als freier Schriftsteller in Berlin lebt bzw. ausgiebige Lesereisen unternimmt, erhielt u.a. den "Kasseler Literaturpreis für Grotesken Humor" (1997), den "Hugo-Ball-Preis" der Stadt Pirmasens und ebenfalls 2008 auf Empfehlung von Daniel Kehlmann den "Kleist-Preis"; in der Begründung dafür hieß es, Goldt habe den deutschen Alltag "bis zur Kenntlichkeit entstellt". Goldt sei hinsichtlich seines Sprachwitzes und seines Urteilsvermögens mit dem Sprachkritiker Karl Kraus vergleichbar.
Stimmen zu Max Goldt
"Auf die Unklarheiten in der Systematik der Dinge hinzuweisen ist nur eine der ehrenwerten Aufgaben, denen sich der deutsche Kolumnist Max Goldt verschrieben hat.
Kaum einer versteht es so wie Goldt, die vermeintlichen Nebenschauplätze des Lebens ins Auge des Betrachters zu schieben und den heutigen Alltag auf seine Widersprüche und Kuriositäten hin abzutasten."
Regula Fuchs, Der Bund, Bern
"Dass Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Daß es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, daß es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und daß sich hinter seinen trügerischen Gedankenfluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet. "
Daniel Kehlmann
"Max Goldt schreibt heute das schönste Deutsch aller jüngeren Autoren ... Die Heiterkeit und Stille, die diese Sprache ihren Lesern schenkt, liegt nicht nur im Humor; ebenso in einem freundlichen Abstandnehmen von den Aufdringlichkeiten einer Wirklichkeit, an der man sich besser seitlich vorbeidrückt."
Gustav Seibt
"Natürlich kann nur einer, der der Masse angehört, den Drang empfinden, sich von der Masse abzuheben. Wer sowieso nicht der Masse angehört, braucht keinen bunten Plunder und wirre Frisuren. Wer nicht der Masse angehört, wird sich hüten, sich irgendwie auffällig zu gebärden, um von der Masse nicht völlig in den Abgrundgetrieben zu werden."
Max Goldt



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