Ulm News, 31.05.2016 12:26
AOK: In Ulm mehr Ess-Störungen
Nur wer dünn ist, ist attraktiv: Internet und soziale Medien zelebrieren dieses Schönheitsideal. Vor allem Jugendliche übernehmen solche Vorstellungen. So eignen sich manche schon jung ein Essverhalten an, das massiv gesundheitsschädlich sein kann. Und nicht nur in Großstädten, sondern auch bei uns, wie regionale Analysen der AOK Ulm-Biberach zeigen: Über 500 ihrer Versicherten wurden wegen Ess-Störungen behandelt. Am häufigsten ist die gefährliche Magersucht.
Magersucht, Bulimie, unkontrollierte Ess-Attacken sowie Adipositas sind die typischen Diagnosen einer Ess-Störung; Magersucht ist die häufigste. Gleichzeitig ist sie eine der gefährlichsten psychischen Erkrankungen – beinahe jede vierte endet tödlich. Zuletzt waren wegen der so genannten Anorexia Nervosa 145 Versicherte der AOK Ulm-Biberach in Behandlung. Regional heißt das 63 Betroffene in Stadt und Landkreis Biberach, 48 im Alb-Donau-Kreis und 34 in Ulm. Die Statistik berücksichtigt diejenigen alle Versicherten der AOK Ulm-Biberach – jede zweite gesetzlich versicherte Person – und die sich mit ihrem Problem in Behandlung begeben hat.
Die Dunkelziffer liegt deutlich höher. „Betroffene haben eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers. Sie sehen ihr Untergewicht und ihr Problem nicht“, fasst Dr. Sabine Knapstein, Ärztin und Psychotherapeutin bei der AOK, das Tückische der Magersucht zusammen. Sie betrifft besonders Teenager und junge Erwachsene: Jeder Fünfte ist 15 bis 19 Jahre alt, die Hälfte zwischen 15 und 30.
Oder besser: Jede Zweite, denn vier von fünf Magersüchtigen sind weiblich. Unter den erkrankten Männern fällt auf, dass die größte Gruppe mit 15 bis 19 Jahren noch jünger ist und die jährliche Zunahme mit neun Prozent fast doppelt so hoch wie bei Frauen liegt. „Wichtig ist, die Gefahr einer Magersucht früh zu erkennen.
Typische Anzeichen sind permanente Angst vor Gewichtszunahme, sehr langsames Essen und trockene Haut, brüchige Nägel und sich deutlich abzeichnende Venen“, sagt Dr. Knappstein. „Betroffenen muss durch eine entsprechende Psychotherapie geholfen werden“, so Dr. Knappstein weiter.
Die meisten Essstörungen in Biberach – Deutliche Steiergung in Ulm
Ess-Störungen nehmen insgesamt zu. 507 entsprechende Diagnosen registrierte die AOK zuletzt, wobei regionale Unterschiede ins Auge fallen. Biberach liegt mit 230 Betroffenen weit vor dem Alb-Donau-Kreis mit 151 und Ulm mit 126 erkrankten AOK-Versicherten. Doch ist die Zahl dort konstant: In fünf Jahren erhielten ein Prozent mehr Biberacher eine Diagnose Ess-Störung. Im Alb-Donau-Kreis sind es 11 Prozent mehr – und ganze 40 Prozent in Ulm. Besonders auffällig ist, dass die Ulmer Männer mit Ess-Störungen in den letzten Jahren um jährlich 43 Prozent mehr geworden sind – in Biberach dagegen um vier Prozent weniger.
Im Alb-Donau-Kreis stellte die Gesundheitskasse sieben Prozent mehr Erkrankungen fest. Bei den Frauen lag das jährliche Plus bei gut drei Prozent.



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