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Ulm News, 04.11.2010 12:50

4. November 2010 von Thomas Kießling
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Kirche bauen - Akzeptiert Gott Beton?


Die Euphorie, mit der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Möglichkeiten des damals bereits nicht mehr neuen Baustoffs Eisenbeton gefeiert wurden, kam einem Fanal gleich. Eine Ausstellung im Stadthaus Ulm beschäftigt sich mit dem Thema.

 Der Ersatzbaustoff Beton, der bislang unsichtbar in Fundamenten und hinter Stilfassaden versteckt blieb, wurde in seinen gestalterischen Qualitäten erkannt und erlebte einen ungeahnten Siegeszug. 1914 schrieb Erich Mendelsohn: "Das Eisen in Verbindung mit Beton, der Eisenbeton, ist der Baustoff unseres neuen Formwillens, des neuen Stils. Seine neue statische Potenz, fast gleichmäßig auf Zug und Druck beansprucht werden zu können, wird eine neue, seine Logik statischer Gesetze zur Folge haben, seine Logik der Form, seine Harmonie, seine Selbstverständlichkeit." Auch für Theodor Fischer, der 1906 bis 1910 mit der Garnisonskirche (Pauluskirche) in Ulm den ersten Kirchenbau in Eisenbeton schuf, waren die neue Formen generierenden Eigenschaften des Materials Grundlage für seinen epochalen Entwurf. In der Ausstellung wird diese architektonische Leistung anhand von Originalplänen ebenso gewürdigt, wie die zeitgenössische Ausstattung des Kirchenbaus. Teile des Originalmobiliars werden neben ebenfalls von Fischer entworfenen sakralen Geräten präsentiert. Zugleich steht das Thema "Beton und Sakralbau" im Focus der Ausstellung. Zugespitzt auf die Frage "Akzeptiert Gott Beton?" sollen Betonkirchen des 20. Jahrhunderts in Modellen gezeigt werden und beweisen, dass das sperrige und noch immer negativ bewertete Material gerade auch sakrale Stimmungen hervorrufen kann. Die "gnadenlose" Modernität der Sichtbetonbauten der Nachkriegszeit, ihre karge Askese und unverstellte Wahrhaftigkeit, die einst von den Gemeinden gesucht wurden, um die Hierarchie des Herkömmlichen aufzulösen, gilt es heute wieder zu entdecken. Es gilt, ein Material zu rehabilitieren, das kraft seiner in ihm liegenden Fähigkeit zu gestalten immer wieder zu neuen, bislang noch nicht ausgeschöpften Formen und Räumen führen kann. Projektleitung: Dr. Max Stemshorn, Ulm Wissenschaftliche Bearbeitung: Prof. Dr. Klaus Jan Philipp, Stuttgar



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