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Ulm News, 20.01.2016 14:37

20. Januar 2016 von Ralf Grimminger
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Körperliche und seelische Traumata verstehen - Land fördert Ulmer Zentrum für Traumaforschung mit drei Millionen Euro


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 Bei der offiziellen Scheckübergabe durch Landesforschungsministerin Theresia Bauer wurde es öffentlich: Mit rund drei Millionen Euro Anschubfinanzierung für die kommenden sechs Jahre unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) des Landes Baden-Württemberg den Aufbau eines  transdisziplinären Zentrums für Traumaforschung (ZTF). Bauer würdigte dabei die Ulmer Traumaforschung als bemerkenswertes, weit über die Landesgrenzen hinaus sichtbares Alleinstellungsmerkmal. 

Grundlage hierfür sei am Standort Ulm die exzellente fachübergreifende Verbindung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung und Patientenversorgung. „Wir werden Ihre Expertise dringend brauchen: in der Region, in Deutschland und in der Welt“, ermutigt die Wissenschaftsministerin bei der Übergabefeier die Traumaforscher und Gründer des ZTF. „Denn nicht zuletzt mit den Flüchtlingsströmen landen die Probleme der Welt bei uns vor der Haustür“, erklärt Bauer. So gehörten weltweit vor allem Krieg und Terror zu den häufigsten Traumaursachen. „Und wir haben hier die Pflicht, uns zu kümmern“, sagt die Ministerin.
Die Traumaforschung sei hierfür ein wichtiger Beitrag.  Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit des Zentrums für Traumaforschung stehen die komplexen Wechselwirkungen zwischen psychischem und physischem Trauma. „Denn viele drängende Forschungsfragen an der Schnittstelle zwischen physischem und psychischem Trauma sind bis heute ungeklärt“, so Professorin Anita Ignatius, Leiterin des Instituts für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik an der Universität Ulm. Beispielsweise hätten physische Traumata oft auch psychische zur Folge, und umgekehrt könnten sich seelische Belastungen über das Immun- und das Hormonsystem auch auf den Krankheitsverlauf körperlicher Verletzungen auswirken. „Mit einem transdisziplinären Ansatz, wie wir ihn am Ulmer Zentrum für Traumaforschung verfolgen werden, sind wir national und international bestens aufgestellt, um solche hochkomplexen Probleme zu lösen“, versichert Ignatius, geschäftsführende Sprecherin und Fachvertreterin für den Bereich „Physisches Trauma“ am ZTF.
So wie Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle oder andere Gewalteinwirkungen physische Traumata sowie seelische Belastungen auslösen können, sind psychische Traumen häufig auf Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch und Misshandlung zurückzuführen. „Besonders gefährdet sind dadurch Kinder und Jugendliche“, sagte Professor Jörg Fegert, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. Die Deutsche Traumafolgenkostenstudie beziffert die jährlichen Folgekosten früher Kindheitstraumata auf über 11 Milliarden Euro. Ein weiteres Problem sieht Fegert, ZTF-Sprecher aus dem Bereich „Psychisches Trauma“, in der transgenerationalen Weitergabe von traumatischen Belastungserfahrungen, beispielsweise von der Mutter auf das Kind. „Die Genetik, Epigenetik und Immunologie bilden hier eine vielversprechende Schnittstelle für die transdisziplinäre Forschung in diesem Bereich“, ist der Kinder- und Jugendpsychiater sowie Psychotherapeut überzeugt. 
Dass die Traumaforschung bereits seit der Gründung der Universität ein wichtiges Thema der Ulmer Universitätsmedizin ist, darauf wies der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Thomas Wirth, hin. Der Leiter des Instituts für Physiologische Chemie rekapitulierte in einem standortgeschichtlichen Abriss die markantesten Wegmarken dieses außergewöhnlichen Forschungsbereichs am Standort Ulm – von der Unfallchirurgie, über die unfallchirurgische Forschung, die Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Anästhesiologischen Pathophysiologie bis hin zur Klinischen und Experimentellen Traumaimmunologie. & amp; bdquo;In der heutigen Traumaversorgung kommen weltweit Methoden und Instrumente zum Einsatz, die in Ulm entwickelt oder opt imiert wurden. An keinem anderen Standort ist die Verbindung zwischen `bench´ und `bedside´ so eng wie in Ulm“, so Wirth und meint damit die enge Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und Klinikern.
  Universitätspräsident Professor Michael Weber wertete den Besuch der Wissenschaftsministerin als klares Bekenntnis der Landesregierung zum erfolgreichen Trauma-Standort Ulm und dankte Theresia Bauer für die Unterstützung des Landes Baden-Württemberg beim Aufbau des Traumazentrums. „Die außergewöhnliche nationale und internationale Sichtbarkeit des Standorts verdanken wir einer einzigartigen Konstellation“, sagt Weber und zielt damit auch auf die einrichtungsübergreifende Vernetzung der Forschung, an der neben dem Uniklinikum auch das Rehabilitationskrankenhaus (RKU), das Bundeswehrkrankenhaus (BWK Ulm) und die Transfusionsmedizin des DRK-Blutspendedienstes beteiligt ist.  Wie von der Ulmer Expertise die Patienten am Universitätsklinikum profitieren, illustrierte Professor Florian Gebhard beim anschließenden Rundgang über den „Weg des Traumapatienten“ in der Chirurgischen Klinik. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie führte Ministerin Bauer samt Besuchertross vom Hubschrauberlandeplatz bis in die Notfallaufnahme. Im Schockraum zeigte er den Besuchern gleich zwei Ulmer Erfindungen: den Ulmer Notfallkoffer und die vierfarbige Notfalluhr. Gleichwohl Professor Gebhard betonte, dass das Klinikum auf dem Eselsberg bei der Traumaversorgung zu den besten in Deutschland gehört, waren die meisten Besucher doch froh, diesen medizintechnisch hochgerüsteten Bereich bald wieder verlassen zu dürfen, um noch ein paar Blicke in das benachbarte Traumalabor zu werfen.  



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