ulm-news.de

Donaubad Skyscraper - oben_neu
Sie sind hier: ulm-news Startseite  Nachrichten

Ulm News, 20.01.2016 14:37

20. January 2016 von Thomas Kießling
0 Kommentare

Körperliche und seelische Traumata verstehen - Land fördert Ulmer Zentrum für Traumaforschung mit drei Millionen Euro


 schließen


Foto in Originalgröße



 Bei der offiziellen Scheckübergabe durch Landesforschungsministerin Theresia Bauer wurde es öffentlich: Mit rund drei Millionen Euro Anschubfinanzierung für die kommenden sechs Jahre unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) des Landes Baden-Württemberg den Aufbau eines  transdisziplinären Zentrums für Traumaforschung (ZTF). Bauer würdigte dabei die Ulmer Traumaforschung als bemerkenswertes, weit über die Landesgrenzen hinaus sichtbares Alleinstellungsmerkmal. 

Grundlage hierfür sei am Standort Ulm die exzellente fachübergreifende Verbindung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung und Patientenversorgung. „Wir werden Ihre Expertise dringend brauchen: in der Region, in Deutschland und in der Welt“, ermutigt die Wissenschaftsministerin bei der Übergabefeier die Traumaforscher und Gründer des ZTF. „Denn nicht zuletzt mit den Flüchtlingsströmen landen die Probleme der Welt bei uns vor der Haustür“, erklärt Bauer. So gehörten weltweit vor allem Krieg und Terror zu den häufigsten Traumaursachen. „Und wir haben hier die Pflicht, uns zu kümmern“, sagt die Ministerin.
Die Traumaforschung sei hierfür ein wichtiger Beitrag.  Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit des Zentrums für Traumaforschung stehen die komplexen Wechselwirkungen zwischen psychischem und physischem Trauma. „Denn viele drängende Forschungsfragen an der Schnittstelle zwischen physischem und psychischem Trauma sind bis heute ungeklärt“, so Professorin Anita Ignatius, Leiterin des Instituts für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik an der Universität Ulm. Beispielsweise hätten physische Traumata oft auch psychische zur Folge, und umgekehrt könnten sich seelische Belastungen über das Immun- und das Hormonsystem auch auf den Krankheitsverlauf körperlicher Verletzungen auswirken. „Mit einem transdisziplinären Ansatz, wie wir ihn am Ulmer Zentrum für Traumaforschung verfolgen werden, sind wir national und international bestens aufgestellt, um solche hochkomplexen Probleme zu lösen“, versichert Ignatius, geschäftsführende Sprecherin und Fachvertreterin für den Bereich „Physisches Trauma“ am ZTF.
So wie Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle oder andere Gewalteinwirkungen physische Traumata sowie seelische Belastungen auslösen können, sind psychische Traumen häufig auf Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch und Misshandlung zurückzuführen. „Besonders gefährdet sind dadurch Kinder und Jugendliche“, sagte Professor Jörg Fegert, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. Die Deutsche Traumafolgenkostenstudie beziffert die jährlichen Folgekosten früher Kindheitstraumata auf über 11 Milliarden Euro. Ein weiteres Problem sieht Fegert, ZTF-Sprecher aus dem Bereich „Psychisches Trauma“, in der transgenerationalen Weitergabe von traumatischen Belastungserfahrungen, beispielsweise von der Mutter auf das Kind. „Die Genetik, Epigenetik und Immunologie bilden hier eine vielversprechende Schnittstelle für die transdisziplinäre Forschung in diesem Bereich“, ist der Kinder- und Jugendpsychiater sowie Psychotherapeut überzeugt. 
Dass die Traumaforschung bereits seit der Gründung der Universität ein wichtiges Thema der Ulmer Universitätsmedizin ist, darauf wies der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Thomas Wirth, hin. Der Leiter des Instituts für Physiologische Chemie rekapitulierte in einem standortgeschichtlichen Abriss die markantesten Wegmarken dieses außergewöhnlichen Forschungsbereichs am Standort Ulm – von der Unfallchirurgie, über die unfallchirurgische Forschung, die Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Anästhesiologischen Pathophysiologie bis hin zur Klinischen und Experimentellen Traumaimmunologie. & amp; bdquo;In der heutigen Traumaversorgung kommen weltweit Methoden und Instrumente zum Einsatz, die in Ulm entwickelt oder opt imiert wurden. An keinem anderen Standort ist die Verbindung zwischen `bench´ und `bedside´ so eng wie in Ulm“, so Wirth und meint damit die enge Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und Klinikern.
  Universitätspräsident Professor Michael Weber wertete den Besuch der Wissenschaftsministerin als klares Bekenntnis der Landesregierung zum erfolgreichen Trauma-Standort Ulm und dankte Theresia Bauer für die Unterstützung des Landes Baden-Württemberg beim Aufbau des Traumazentrums. „Die außergewöhnliche nationale und internationale Sichtbarkeit des Standorts verdanken wir einer einzigartigen Konstellation“, sagt Weber und zielt damit auch auf die einrichtungsübergreifende Vernetzung der Forschung, an der neben dem Uniklinikum auch das Rehabilitationskrankenhaus (RKU), das Bundeswehrkrankenhaus (BWK Ulm) und die Transfusionsmedizin des DRK-Blutspendedienstes beteiligt ist.  Wie von der Ulmer Expertise die Patienten am Universitätsklinikum profitieren, illustrierte Professor Florian Gebhard beim anschließenden Rundgang über den „Weg des Traumapatienten“ in der Chirurgischen Klinik. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie führte Ministerin Bauer samt Besuchertross vom Hubschrauberlandeplatz bis in die Notfallaufnahme. Im Schockraum zeigte er den Besuchern gleich zwei Ulmer Erfindungen: den Ulmer Notfallkoffer und die vierfarbige Notfalluhr. Gleichwohl Professor Gebhard betonte, dass das Klinikum auf dem Eselsberg bei der Traumaversorgung zu den besten in Deutschland gehört, waren die meisten Besucher doch froh, diesen medizintechnisch hochgerüsteten Bereich bald wieder verlassen zu dürfen, um noch ein paar Blicke in das benachbarte Traumalabor zu werfen.  



Hochzeitsmesse 2026 - Teil 2Patrizia Morexco im Pfleghof LangenauPaul Camper - Tessa 2Donaubad Startseite 1Stauferkrone 2026Sparkasse NU

Termine & Kino

weitere Termine
Donaubad Skyscraper - oben_neu
Feb 23

Nach Frontal-Crash: Beifahrerin tödlich verunglückt - neue Erkenntnisse der Poliezi
Am Freitag stießen auf der L240 zwischen Schelklingen und Ringingen zwei Fahrzeuge frontal zusammen - mit...weiterlesen


Mar 05

Tödlicher Unfall bei Ehingen - Bus und Auto stoßen zusammen
Ein 58-jähriger Autofahrer starb am Dienstagnachmittag bei Ehingen. Tödlicher Unfall auf der B492Ein...weiterlesen


Feb 23

Der Riesen-Kran für die Ulmer Wallstraßenbrücke ist da - Kran kostet 10.000 Euro Miete - pro Stunde
Ein Gigant aus Stahl hat Ulm erreicht. In Einzelteilen. Seit Montag wird der Raupenkran Liebherr LR 11000...weiterlesen


Feb 25

Nachtrag der Polizei: Beim Frontal-Crash auf der B10 ist nun der Autofahrer seinen schweren Verletzungen erlegen
Am Montag kollidierte ein 26-jähriger Autofahrer auf der B10 zwischen Amstetten und Geislingen frontal...weiterlesen


Feb 28

Ein Glanzlicht der Woche: Ulms Mega-Kran ist aufgebaut - höher als das Münster - nun kann es für 10.000 Euro Miete pro Stunde losgehen
Die Stadt Ulm erlebt ihre wohl bisher größte Baustelle. Für den Neubau der Wallstraßenbrücke wird nun...weiterlesen


Mar 07

Kurioses Glanzlicht der Woche: Brand im Ulmer Gefängnis sorgt für große Aufregung - mit hohen Sicherheits-Vorkehrungen
In einer Werkstatt der Justizvollzugsanstalt Ulm ist am Mittwochmittag ein Feuer ausgebrochen. Drei...weiterlesen


Mar 03

Baustellensprechstunde u.a. am imposanten Kranen am Blaubeurer Ring - und weitere Ulmer Baustellen
Das Update des Baustellen-Managements der Stadt Ulm ist auch für kommende Woche umfangreich -...weiterlesen


Feb 25

Ulmer Hauptbahnhof erneut lahmgelegt: diesmal ein Fahrleitungs-Schaden - wieder mussten Fahrgäste evakuiert werden
Ein Schaden an der Oberleitung hat den Ulmer Bahnverkehr am Montagmorgen getroffen. Der Hauptbahnhof war...weiterlesen



Donaubad Skyscraper - oben_neu

 
© ulm-news.de, Nachrichten für Ulm und Umgebung   KONTAKT | FAQ | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ | Cookie Einstellungen anpassen nach oben