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Ulm News, 10.11.2014 11:05

10. November 2014 von Thomas Kießling
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Weiterbildung beugt sexuellem Missbrauch vor


Nachdem im Jahre 2010 bekannt wurde, dass es deutschlandweit in verschiedensten Einrichtungen zu einer Vielzahl von Fällen massiven sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen gekommen war, stellte ein von der Bundesregierung eingerichteter Runder Tisch u.a. fest, dass ein erheblicher Fort- und Weiterbildungsbedarf bei Fachkräften im Bereich Prävention von sexuellem Missbrauch besteht.

Unter der Federführung von Prof. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, und mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), wurde deshalb von 2011 bis 2014 der Online-Kurs „Prävention von sexuellem Missbrauch“ entwickelt und implementiert. Im Beisein von Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs, zog Professor Jörg M. Fegert heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin Bilanz und informierte über die Schwerpunkte und Ziele des neuen Folgeprojekts.

„Wir konnten deutlich mehr Fachkräfte schulen als ursprünglich angedacht war, und es hat sich gezeigt, dass E-Learning auch bei einem sensiblen Thema wie sexuellem Kindesmissbrauch eine geeignete Fortbildungsmethode ist. 96% der Teilnehmenden waren zufrieden bis sehr zufrieden mit dem Kurs, dementsprechend gaben 97% an, dass sie den Kurs an Kolleginnen und Kollegen weiterempfehlen würden“, bilanziert Studienleiter Fegert und ergänzt: „Wir sehen, dass weiterhin ein großer Weiterbildungsbedarf besteht. Fast 3.300 Personen haben sich bereits registrieren lassen. Ein beachtlicher Teilnehmerkreis, zumal wiederum fast 2.000 Personen aus dieser Gruppe den Online-Kurs bereits in der Testphase absolviert und die dazugehörigen Prüfungen erfolgreich bestanden haben.“ Johannes-Wilhelm Rörig: „Prävention von sexuellem Missbrauch kann nur gelingen, wenn Mädchen und Jungen von gut ausgebildeten und vertrauenswürdigen Fachkräften umgeben sind. Sie müssen die Signale von betroffenen Kindern und Jugendlichen erkennen und sensibel und fachgerecht reagieren können. Oft wird das Thema aber in der Aus- und Fortbildung nicht ausreichend behandelt. Oft fehlt es auch an Strukturen und Ressourcen für die Erarbeitung von Schutzkonzepten und Fortbildungsangeboten vor Ort, beispielsweise an spezialisierten Beratungsstellen, die das leisten könnten. Hierfür bietet das E-Learning sehr wichtige und sinnvolle Ergänzungen und Vertiefungen.“

Professor Fegert erläuterte, dass es deutlich geworden sei, dass der erste Kurs „Prävention von sexuellem Missbrauch“ zwar wichtige Basiskenntnisse vermitteln könne, die Möglichkeiten zur Vertiefung von berufsgruppenspezifischen Inhalten aber bisher nicht in das bestehende Kursangebot integriert worden seien. „Genau hier setzen wir an“, sagte Professor Fegert. „Das auf unserer bisherigen Arbeit aufbauende Folgeprojekt ,ECQAT – Entwicklung eines E-Learning-Curriculums zur ergänzenden Qualifikation‘ soll vertiefende Informationen und Lernmöglichkeiten zur Traumatherapie, Traumapädagogik, Gefährdungsanalyse und zu Schutzkonzepten in Institutionen bieten.“ Hinzu komme außerdem noch ein Querschnittskurs für Leitungskräfte von Institutionen. ECQAT ist ein Verbundprojekt in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bielefeld und Hildesheim sowie der Hochschule Landshut.

Bei allem bislang Erreichten und mit Blick auf das neue Projekt liegt Studienleiter Fegert ein Aspekt besonders am Herzen: „Ohne Betroffene, mit denen wir uns seinerzeit im Rahmen des Runden Tisches ausgetauscht haben, wären wir heute noch nicht so weit. Sie waren es, die uns sehr anschaulich verdeutlicht haben, dass es in der Vergangenheit fast nicht möglich war, überhaupt gut geschulte und informierte Ansprechpartner zu finden. Im Sinne eines aktiven Kinderschutzes sind wir an dieser Stelle einen wichtigen Schritt vorangekommen.“ An der Pressekonferenz nahm neben Stefanie Merse, Absolventin des Online-Kurses von der Universität Duisburg-Essen, die über ihre praktischen Erfahrungen berichtete, auch der Filmemacher Christoph Röhl teil. Röhl erstellte für das E-Learning-Programm Gesprächsbeiträge mit Betroffenen und Expertinnen und Experten. Zudem drehte er u.a. den Film „Die Auserwählten“ über den Missbrauch an der Odenwaldschule. Auch er schätzt die Wichtigkeit gut geschulter Fachkräfte als sehr hoch ein: „Häufig suchen sich betroffene Kinder gezielt eine Vertrauensperson aus, und zwar in der Hoffnung, dass diese Person auf sie hören wird. Wenn diese Person in diesem Moment falsch reagiert, entweder indem sie überreagiert oder den Missbrauch als unglaubhaft abtut, dann macht das Kind wieder dicht und schweigt. Und somit ist das goldene Fenster, wo wir als Erwachsene etwas hätten bewirken können, wieder zu. Das E-Learning- Programm ist genau deswegen eine wichtige Maßnahme, weil es Fachpersonal emotional sensibilisiert, damit es weiß, wie im richtigen Moment gehandelt werden sollte.“

Weitere Informationen:
Online-Kurs: „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch“ 



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