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Ulm News, 19.11.2013 18:52

19. November 2013 von Thomas Kießling
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Gute Arbeitsplätze bei gerechter Bezahlung


Wie kommt man dem Begriff „gerecht in der Arbeitswelt“ am nächsten? Dieser Frage gingen Diskussionspartner bei einer neuen Veranstaltungsreihe nach. Sie heißt „Arbeitgeber im Dialog“ und ist von der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände mit Südwestmetall Ulm und dem Unternehmensverband Südwest. Die Diskussion in den Räumen der Museumsgesellschaft Ulm war jederzeit spannend.

 Die Tarifpartnerpartner zusammen auf einem Podium: die Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberverband für die Metall- und Elektroindustrie Südwestmetall. Da kommen in den Tarifverhandlungen gute Tarifverträge zustande, und auch bei der neuen Veranstaltungsreihe „Arbeitgeber im Dialog“ wurden die Positionen gut und fair ausgetauscht. Für Dr. Petra Wassermann, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ulm, war es unstrittig, dass die Arbeitswelt nicht mehr für jeden alle Sicherheiten biete: „Je verbreiteter so genannte prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind, desto stärker die Rückwirkungen in die `normale` Arbeitswelt und desto ausgeprägter die gesellschaftliche Spaltung“, sagte sie. Petra Wassermann sehe dadurch fatale Folgen für diejenigen Menschen, die von Armut und Ausgrenzung betroffen seien und nur wenige Chancen hätten, dem zu entkommen. Für die Arbeitgeber saß Mario Trunzer auf dem Podium. Er ist stellvertretender Vorsitzender von Südwestmetall Ulm und Geschäftsführer der Liebherr Werk Ehingen GmbH mit rund 3.000 Mitarbeitern. „Der Ausdruck prekär ist offenbar negativ besetzt, und mit ihm werden leider auch gesellschaftlich gewollte und individuell vorteilhafte Arbeitsbeziehungen wie etwa Teilzeitarbeit abgewertet“, sagte Trunzer. Für ihn und sein Unternehmen sei Teilzeitarbeit ein bewährtes Modell. „Vor allem Frauen schätzen die Teilzeitarbeit sehr, wenn sie sich wieder in den Beruf eingliedern“, sagte Trunzer. Auch Zeitarbeit sowie Werkverträge, die oft kritisiert würden, seien bei Liebherr im einstelligen Prozentbereich und unverzichtbar. „Mit dem Betriebsrat ist das klar abgesprochen: Wir federn damit Auftragsspitzen ab und können Sonderprojekte verwirklichen.“ Mario Trunzer sprach sich aber auch klar gegen Verfehlungen einzelner Betriebe in der Republik aus: „Arbeitsbeziehungen, die manche Arbeitnehmer missbräuchlich benachteiligen, sind nicht akzeptabel und zu korrigieren.“ Bei mittelständischen Unternehmen der Branche sehe er dafür landesweit aber keine Beispiele. Dr. Rolf Kroker, Geschäftsführer und Leiter Wirtschafts- und Sozialpolitik Institut der deutschen Wirtschaft Köln, steuerte in einem Impuslreferat wie in der Diskussionsrunde die Zahlen und Fakten bei. Etwa beim Beispiel Mindestlohn führte Rolf Kroker aus, dass die geplante Einführung von 8,50 Euro Mindestlohn für Ostdeutschland verheerende Folgen hätte. „Wir würden damit für viele Menschen nicht den Lohn erhöhen, sondern auf Null senken, indem sie ihre Jobs verlieren.“ Für die Metall- und Elektroindustrie sei der Mindestlohn aufgrund der hohen Entgelttarife hingegen kein Thema, dafür aber im Pflege- und Sozialbereich. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich über eine ungerechte Bezahlung in diesem Sektor einig, wobei Kroker nachschob. „Auch hier gibt es Tarifverträge, die die Tarifparteien ausgehandelt haben – offenbar geht nicht mehr.“ In der von Karen Emler, Leiterin des Wirtschaftsressorts der Südwest Presse Ulm, souverän geführten Runde blieb für die rund 70 Gäste eines der Fazits: Gute Arbeitsplätze bei gerechter Bezahlung sind offenbar der entscheidende Schlüssel in der Arbeitswelt.



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