Ulm News, 26.04.2013 10:46
Umwelttechnologien „Made in Germany“ weltweit gefragt
Über 90 Prozent aller Abfälle werden in den EU-Mitgliedstaaten lediglich deponiert. Für Professor Dr. Wolfgang Rommel, Geschäftsführer der bifa Umweltinstitut GmbH, handelt es sich hierbei um Ressourcen, die dadurch dem menschlichen Zugriff entzogen werden.
Als Redner auf der Kooperationsveranstaltung der Recycling Technologies Bayern sowie der IHK Schwaben wies er darauf hin, wie wichtig es sei, mittels Recycling Sekundärrohstoffe zu schaffen. Zum Motto der Veranstaltung „Entwicklungs- und Schwellenländer als Zielmärkte für deutsche Umwelttechnologien“ konnte auch Thomas Kreuzer, Staatsminister und Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, vieles beitragen. Er machte deutlich, dass Technik und Umweltschutz keinen Gegensatz darstellen. Vielmehr tragen gerade Forschung und Technik zum Schutz der Umwelt bei. Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, ist sich sicher, dass ein Engagement in die Umwelttechnologie eine Investition in Wachstumsmärkte darstellt. Denn sämtliche Schwellenländer hätten dieselben Herausforderungen vor sich, denen sich die Bundesrepublik vor rund 50 Jahren stellen musste. Als Gründungsmitglied des Netzwerks Recycling Technologies Bayern nahm auch Dr. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, an der Veranstaltung teil. In Anbetracht der starken Aufholgeschwindigkeit anderer Länder bezüglich der Recyclingtechnologien forderte er dazu auf, Tempo aufzunehmen – damit der Vorsprung, den sich deutsche Unternehmen hier erarbeitet haben, auch in Zukunft erhalten bleibt. Rund 80 Besucher erhielten darüber hinaus Einblicke in die verschiedenen Förder- und Kooperationsmöglichkeiten sowie ein aktuelles Projekt eines Netzwerkmitglieds in China, lernten relevante Initiativen kennen und informierten sich über die Absicherung von Investitionen und die Exportförderung. Durch den Tag führte der Moderator und Journalist des Bayerischen Rundfunks, Rudolf Erhard. In einem waren sich alle Redner einig: Umwelttechnologien „Made in Germany“ sind weltweit gefragt. Wo diese mittlerweile überall zum Einsatz kommen, ist dennoch erstaunlich. Von Südamerika über den afrikanischen Kontinent bis nach Asien entwickeln Schwellenländer das Bedürfnis nach Umwelt- und Klimaschutz. So investiert China in den nächsten Jahren umgerechnet rund 330 Milliarden Euro in Projekte für die Wasseraufbereitung und die Luftreinigung. Es wird erkannt, dass Klimaschutz und Recycling nachhaltig sind. Denn die Kreislaufwirtschaft ist eine logische Antwort auf ständig steigende Rohstoffpreise. Peter Mayer vom Netzwerkmitglied S+S Separation and Sorting Technology GmbH hat den Schritt nach China mit Sortieranlagen für PET-Flaschen bereits vor Jahren gewagt. In seinem Erfahrungsbericht erklärte er, warum Recycling in China tatsächlich Sinn macht: Etwa 30 Prozent aller weltweit genutzten PET-Flaschen sind dort im Umlauf. Mayer machte aber auch deutlich, dass der Mangel an Fachkräften oder die Sprachbarriere gerade zu Beginn eines Engagements in Schwellenländern Hürden darstellen. Für Unternehmen aus dem bayerischen Schwaben ist das ein Markt, der ungeheueres Wachstum birgt. Thomas Kreuzer spricht von 10,6 Prozent Plus in der Umweltbranche. Dabei handelt es sich bei diesen Unternehmen meist nicht um große Konzerne: Der größte Teil der Firmen, die sich in Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren, sind typische Mittelständler. Sie haben nicht nur in den Punkten Forschung und Entwicklung die Nase vorne, sondern auch jahrelange Erfahrung. Dabei gilt: Nicht nur die Technik in ein fremdes Land bringen, sondern einen landestypischen Weg finden. Unterstützend stehen den Unternehmen Partner wie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zur Seite. Gemeinsam werden schon heute zahlreiche Projekte realisi ert, wie beispielsweise in Brasilien. Dort werden mit dem Einsatz deutscher Technologien in den nächsten zehn Jahren bis zu 30 Millionen alte Kühlschränke sachgerecht entsorgt. Ein weiterer Effekt der Arbeit in Entwicklungs- und Schwellenländern: Durch die praxisrelevante Qualifizierung des Personals vor Ort schaffen sich Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil auf dem weltweiten Markt. Der Bedarf ist groß, doch die Entwicklungsstände der Infrastrukturen in den einzelnen Entwicklungs- und Schwellenländern sind genauso unterschiedlich wie die politischen Situationen. Doch wie sind die Investitionen auch bei Krisen geschützt? Gemeinsam mit der Bundesrepublik gewährleistet die Euler Hermes zum einen die Exportförderung und zum anderen eine weltweite Sicherung von Warengütern. In Folge dessen wird eine Chancengleichheit der Exporteure im internationalen Wettbewerb sicher gestellt. Auch hier ist der Mittelstand besonders gut vertreten: 75 Prozent der Anträge stammen von kleinen und mittleren Unternehmen. Darüber hinaus unterstützt die KfW-Entwicklungsbank jedes Jahr mit zirka 4,5 Milliarden Euro Entwicklungsprojekte auf der ganzen Welt. Schon die Vorträge, Talks und Erfahrungsberichte stießen beim Fachpublikum auf großes Interesse. So wurde nicht nur währenddessen gefragt, auch in den Pausen bot sich die Gelegenheit für Diskussionen und den Erfahrungsaustausch. Am Ende waren sich auch die Besucher einig, dass Entwicklungs- und Schwellenländer als Zielmärkte für deutsche Umwelttechnologien große Chancen bieten. Die damit verbundenen Risiken können mit erfahrenen Partnern deutlich abgeschwächt werden.




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