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Ulm News, 30.01.2013 10:30

30. Januar 2013 von Ralf Grimminger
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Handwerkskonjunktur bleibt in guter Verfassung


Die Konjunktur im Bezirk der Handwerkskammer Ulm gelangt in ruhigeres Fahrwasser. „Konjunkturell liegt ein gutes Jahr hinter uns“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Die ganz große Euphorie der vergangenen Monate sei aber vorbei.

Aufträge, Auslastung und Investitionsbereitschaft zeigten sich auch zum Jahreswechsel positiv und lassen den Handwerksbetrieben wieder Luft zum atmen. Mehlich betont: „Wir befinden uns in guter Verfassung, von einer Krise sind wir weit entfernt.“ Die Erwartungen der Handwerksbetriebe bewegen sich auf einem hohen Niveau, sinken im Vergleich zum vergangenen Jahr aber leicht ab. 55 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage weiterhin als gut, im Winter 2011 taten dies noch über 60 Prozent. Damit liegen die aktuellen Geschäftserwartungen immer noch über dem Landesdurchschnitt, der 49 Prozent positiv gestimmte Betriebe ausweist.

Auftragslage weiterhin positiv
Das Auftragsvolumen der Handwerksbetriebe verringerte sich im Kammerbezirk Ulm im Verlauf eines Jahres um rund zwei Prozentpunkte. Hatten im Winter 2011 noch 26,1 Prozent der befragten Betriebe ihre Auftragszahlen erhöhen können, sind es Ende 2012 noch 23,9 Prozent, die ein Auftragswachstum erzielen konnten. „Nach dem sehr positiven Verlauf des vergangenen Jahres müssen die angestauten Aufträge erst einmal abgearbeitet werden“, betont Mehlich. Dementsprechend sei es kein Beinbruch, wenn in den Wintermonaten aktuell noch 15,9 Prozent der Betriebe von einer steigenden Auftragslage ausgingen, nachdem dies in 2011 noch 17,2 Prozent taten.

Betriebsauslastung und Investitionsbereitschaft weiter hoch
Die Betriebsauslastung zeigt sich ähnlich robust wie im gesamten vergangenen Jahr. Der Anteil der Betriebe, mit einer Kapazitätsauslastung von über 100 Prozent vergrößerte sich in den letzten Wintermonaten des Jahres 2012 von 12,9 Prozent auf 14,4 Prozent. Damit fährt jeder siebte Betrieb mit Vollauslastung und hat keinerlei Kapazitätsfreiraum mehr. Insgesamt arbeitet jeder zweite Betrieb (54,3 Prozent) zwischen Jagst und Bodensee mit einer Auslastung von mehr als 80 Prozent. Mehlich weist darauf hin, dass diese hohe Auslastung die Kunden an der einen oder anderen Stelle zu spüren bekommen. „Das regionale Handwerk ist gefragt, woraus höhere Preise oder längere Wartezeiten resultieren.“ Das Investitionsklima bleibt weiterhin positiv.
Über 62 Prozent der Handwerker haben in den vergangenen Monaten in ihren Betrieb investiert, mehr als die Hälfte (52,4 Prozent) wollen dies auch in den kommenden Monaten fortsetzen. „Die positive Grundhaltung bleibt bestehen, sodass mir wirtschaftlich vor 2013 nicht bange ist“, so Mehlich.
Nachdem im September ein neuer Bundestag gewählt werde, bringe das Jahr aber entsprechende Eigenheiten mit sich. Mehlich: „Bei gewichtigen Themen, wie beispielsweise der Energiewende, leiden Verbraucher, Umwelt und Handwerk am politischen Stillstand.“
Die Gefahr sei groß, dass politische Tatenlosigkeit zu steigenden Unsicherheiten bei Betrieben und ihrer Kundschaft führe, sodass 2013 zu einem verschenkten Jahr wird.

Regionale Schulentwicklung wird Thema Das Thema „Regionale Schulentwicklung“ rückt zunehmend in den Fokus des Handwerks. Die verbreitete Fixierung auf sogenannte höhere Bildungsabschlüsse wird einerseits zu einer Wachstums- und Entwicklungsbremse für das regionale Handwerk, andererseits auch vermehrt Schulstandorte in die Diskussion bringen.
„Wir sorgen uns um die Grundversorgung des ländlichen Raumes“, so Mehlich. „Dort wo ein Auszubildender 20 bis 30 Kilometer länger zu seiner Berufsschule fahren muss, verliert die Berufliche Bildung an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber weiterführenden Schulen.“ Dies verstärke den Fachkräftebedarf um einen weiteren Faktor, sodass die kommenden Weichenstellungen in der Bildungspolitik auch zur Standortfrage für den ländlichen Raum werden.
Diese Situationsbeschreibung stelle sich von Ostwürttemberg bis zum Bodensee ähnlich dar und werde auf kommunalpolitischer Ebene geteilt. „Das Handwerk kommt seinen Aufgaben als Teil der kommunalen Familie nach und wird sich konstruktiv mit eigenen Vorschlägen in die Diskussion einbringen“, so Mehlich. Dies sei aber auch von einem belastbaren Bekenntnis der Landesregierung zur beruflichen Bildung abhängig. Die Finanzierung und personelle Ausstattung beruflicher Schulen bedürfe einer Annährung zu Gymnasien und Universitäten.

Konjunkturelle Situation Landkreis Alb-Donau und Stadt Ulm
„Das Jahr 2013 wird ein gutes Jahr für unsere Betriebe“, ist sich auch Thomas Jung, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ulm, sicher. Aufträge werde es für gute Handwerker weiterhin genug geben. Im Landkreis Alb-Donau beurteilen 50 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, im Stadtkreis Ulm insgesamt 45 Prozent. In beiden Regionen sehen die Unternehmen zuversichtlich der Zukunft entgegen. 57 Prozent der Betriebe rechnen im Landkreis Alb-Donau mit einem positiven Verlauf des aktuellen Jahres, im Stadtkreis Ulm ist der Ausblick mit 41 Prozent verhaltener. Im Raum Alb-Donau meldet aktuell drei Viertel der Betriebe eine Auslastung von 80 Prozent und höher, 58 Prozent gehen von einem gleichbleibenden bis steigenden Auftragseingang für das laufende Jahr aus.
In Ulm fahren zwei Drittel der Betriebe mit einer entsprechenden Auslastung, 75 Prozent kalkulieren mit einem weiteren positiven Verlauf bei den Aufträgen. Die Investitionsbereitschaft für die kommenden Monate bleibt erhalten. In Ulm und dem Alb-Donau-Kreis will jeder zweite Betrieb ein Investitionsvorhaben tätigen.

Das Handwerk der Handwerkskammer Ulm:
ca. 18.000 Betriebe
ca. 7.500 Auszubildende
ca. 100.000 Beschäftigte
ca. 11 Mrd. € Umsatz

Das Handwerk in Baden-Württemberg:
ca. 132.000 Betriebe
ca. 55.000 Auszubildende
ca. 730.000 Beschäftigte
ca. 80 Mrd. € Umsatz



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