Ulm News, 15.05.2025 08:00
Wäre der Abstieg der Spatzen vermeidbar gewesen? – ein Kommentar
Die Spatzen werden in Hamburg ganz schön zerfleddert – aber über die Saison hinweg entscheiden Kleinigkeiten und mangelnde Cleverness über Klassenerhalt oder Abstieg – das Hamburgspiel als Sinnbild für so viel Stereotypisches in dieser Saison?
Auf besonderen Wunsch nochmals der ulm-news Kommentar.
Das war`s, sagt der Lars, leck mich am A…Abendrot im Schussental (eine Liedzeile von Grachmusikoff – auch schon längers her). Mit dem 1:6 auf dem hernach leicht mit Menschen überschwemmten Spielfeld des Volksparkstadions hat der SSV Ulm 1846 Fußball den HSV in die lang ersehnte 1. Liga bugsiert und sich selbst in Liga 3. Aber an einem Spiel hat es natürlich nicht gelegen – wobei einige Stereotype wieder aufgetaucht sind, die maßgeblich für den Abstieg sind.
Wie gegen Hannover im letzten Heimspiel – wieder ein verschossener Elfmeter – wieder ein Eigentor – der Anfang vom Ende in beiden Spielen. Wieder dem Gegner eine Halbchance zugelassen und den Ball aus dem Tornetz geholt – mangelnde Cleverness in den entscheidenden Situationen – da entscheiden immer Kleinigkeiten über den Erfolg, vor allem in den letzten zehn Minuten des Spiels - das ist lernbar, denn jedem der Ulmer Spieler ist beileibe nicht vorzuwerfen, dass er nicht sein letztes Hemd für den Club und die Fans zerrissen hätte - und umgekehrt, denn auch die Fans waren eine Wucht, allein 4.800 mit nach Hamburg - famos.
Die Spatzen waren die geilste Regionalligamannschaft, die je in der 2. Liga gespielt hat. Viele Spieler haben den famosen Doppel-Aufstieg mitgemacht – und müssen nun wieder eine Liga runter.
Königsdörfer läuft auf Thiede zu – sein Lupfer sitzt. Röser läuft auf Heuer-Fernandes zu – sein Lupfer ist viel zu hoch. Darum heißen entscheidende Situation auch so – oder auch Knackpunkte.
Denn natürlich spielte auf der jeweils anderen Seite etwas mehr individuelle – und gleichsam teure - Klasse: Die anderen konnten – wie jetzt der HSV - in der 80. Minute noch einen Marco Richter einwechseln, der gefühlt schon in der halben 1. Bundesliga gespielt und fast 200 BL-Spiele auf dem Buckel hat (sind nur 176). Fast alle Ulmer Spieler kennen die BL nur aus dem Fernsehen – und jetzt auch die 2. Liga.
Was bleibt? Ein geiles Jahr in Liga 2 – mit etwas mehr Glück und Cleverness hätten sie es sogar gepackt. Aber im Fußball geht fast nix aufs erste Mal, das muss man sich schon ein bisschen härter und länger und zäher erarbeiten.
Bestes Beispiel ist der HSV: er hat ja nun auch sieben lange Jahre für den Aufstieg gebraucht – und sich gegen Ulm in einen Rausch spielen können. Ulm schafft seinen - also der Wieder-Aufstieg ist gemeint - in Liga 2 natürlich schneller. Zwinker-zweinker.
Mit welchem Personal das von statten geht, wird sich zeigen. Natürlich stehen einige Spieler bei zumindest 3.Liga-Vereinen, aber auch bei 2.-Liga-Teams im Fokus. Vielen sei empfohlen, auch für etwas weniger Geld als anderswo im Ulmer Biotop zu bleiben – die Erfahrung zahlt sich auf Strecke aus – und ein eingespieltes Team hat´s logischerweise einfacher in Liga 3 – da ist dann ihre Cleverness die größere. Die Kohle, liebe Jungs, kommt noch von ganz allein.
Nicht für den Verein, die Fernsehgelder sind futsch: In Liga 3 gibt es durchgängig nur knapp 1,4 Mio Euro – in der 2. und 1. Liga die Quersumme aus den letzten fünf Jahre, im Ulmer Fall fast 8 Mille. Schon ein Unterschied - auch dann beim Sponsorengeld.
Höchstwahrscheinlich werden die Leihspieler Thiede, Krattenmacher und Hyryläinen den Verein leider verlassen (auch Leipertz). Andere Talente werden folgen, aber die drei haben in der Saison ihre Klasse gezeigt.
Bei Philipp Strompf ist laut transfermarkt.de jede Woche ein anderer (Zweit-) Ligaverein am Handy des Spielerberaters – und jeder Spieler hat einen, und auch der Trainer. Robert Lechleiter wird ziemlich sicher in Ulm bleiben und mit seine Trainerstab die gute Arbeit fortsetzen. Semir Telalovic soll bei Nürnberg auf der Liste stehen - WM-Rkordtoruschütze Miro Klos wird den Ehinger noch formen können - beides waren und sind aber keine 1 gegen 1-Stürmer. Niklas Kolbe soll - ulm-news berichtete bereits im Januar - bei Hertha BSC unter Vertrag kommen - die letzten Jahre keine vergnügungssteuerplichtige Station.
Die beiden letzten Ulmer Heimniederlagen muss sich die Mannschaft und auch das Trainerteam selbst ankreiden lassen: mangelnde Erfahrung und Cleverness – aber die kommen, das wird, denn heute ist nicht aller Tage, Ulm kommt wieder, keine Frage.
Ein ulm-news Kommentar von Thomas Kießling.



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