ulm-news.de

Donaubad Skyscraper - oben_neu
Sie sind hier: ulm-news Startseite  Nachrichten

Ulm News, 10.04.2025 19:45

10. April 2025 von Thomas Kießling
0 Kommentare

Bewährungsstrafe nach versuchtem Tankstellen-Raub in Weißenhorn


Der 43-jährige G. hat im Februar 2024 eine Tankstelle in Weißenhorn überfallen, aber kein Geld bekommen. Die überfallene Kassiererin leidet noch heute unter der Tat. Vor dem Landgericht Memmingen wurde er deswegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Die Handschellen an einem Bauchgurt gefesselt, wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Seit Juli sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Und er wirkt gebrochen. Der Blick geht auf die Tischplatte und am Körper ist keine Bewegung zu sehen, als am Donnerstagvormittag die Plädoyers der Staatsanwältin, des Nebenklagevertreters, der Verteidigerin und des Verteidigers gehalten werden.

Seine Verteidigerin erklärt dieses Verhalten in ihrem Plädoyer damit, dass sich der Angeklagte für seine Tat schämt. Wie sehr er sich schämt, wird deutlich, als er die Gelegenheit zu den letzten Worten vor der Urteilsverkündung bekommt: „Es war eine Lektion für mich, die neun Monate [Untersuchungshaft] und dass ich hier sitze.“ Weiter sagte er, dass er sich sehr schäme und es bereut, außerdem hat er sich erneut bei dem nicht anwesenden Opfer öffentlich entschuldigt. In den Plädoyers wurde nochmals kurz skizziert, was sich an diesem Februar-Abend im vergangenen Jahr ereignet hat, wobei Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Fakten unterschiedlich bewerten. Kurz vor neun Uhr abends und damit wenige Minuten vor Ladenschluss betrat der Angeklagte eine Tankstelle in Weißenhorn, maskierte sich dabei mit einer FFP2-Maske.

Nachdem er die Kassiererin in ein Gespräch verwickelt hatte, packte er die junge Frau plötzlich am Oberarm. Nachdem sie nicht wie gewünscht reagierte, sprühte er ihr Pfefferspray ins Gesicht und zog die sich stark wehrende Mitarbeiterin an ihrem Pferdeschwanz über den Tankstellenboden in das Büro. Dann versuchte der Täter die Kasse zu öffnen, was ihm nicht gelang und er rannte weg. Einigkeit herrschte im Gerichtssaal über die heftigen Folgen für das Opfer. Dabei ging es nicht um die zweiwöchige Krankschreiben wegen der erlittenen Verletzungen durch das brutale Zerren in das Büro, sondern um die psychischen Langzeitfolgen.

Die junge Frau ist noch immer in psychologischer Behandlung. Als Studentin hatte sie sich an der Tankstelle nebenher etwas Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen, doch nun leidet sie unter Angstzuständen und plötzlich auftretenden Panikattacken. Damit ist es ihr unmöglich, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und ihr Studium fortzusetzen. Sie befindet sich weiterhin in psychiatrischer Behandlung. Nach ihrer Zeugenaussage vor Gericht sagte sie zu ihrem Rechtsanwalt: "Es hat mir richtig gut getan, diese Aussage zu tätigen … einen Schritt in die Zukunft zu tun.“ Der Angeklagte, der sich bereits in einem handgeschriebenen Brief beim Opfer entschuldigt hat und auch die Tat vor Gericht gestanden hat, war wohl aufgrund seiner Spielsucht pleite.

Von Frau und Kindern getrennt lebte er bei Familienangehörigen, doch er hatte nicht nur sein eigenes Geld an Automaten verspielt, er hatte bei seiner Festnahme auch die Kontokarte seiner Mutter in der Tasche. Das Konto jedoch war leer, kein Geld mehr für Miete oder Essen. Vollkommen unterschiedlich bewerten die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung die Motive dahinter und die rechtlichen Folgen. War es nun Raub oder Erpressung? Die gefährliche Körperverletzung an der Tankstellen-Mitarbeiterin war unstrittig. Auch die Staatsanwältin hielt dem Angeklagten sein Geständnis und die Verzweiflung durch die Spielsucht zugute, ebenfalls erwähnte sie positiv, dass der Mann bis zu diesem versuchten Raub noch nie straffällig geworden ist.

Sie forderte dreieinhalb Jahre Haft, auch wegen der brutalen Ausführung der Tat. Die Verteidigung hob in ihrem Plädoyer darauf ab, dass die Planung der Tat nicht wirklich weitreichend war. Andere Tankstellenräuber verwenden Sturmhauben, Sonnenbrillen und Handschuhe. Der Täter in Weißenhorn verwendete lediglich eine FFP2-Maske und am Opfer konnte die Polizei DNA-Spuren des Täters sicherstellen. Schließlich scheiterte der Mann dann an der Kasse, die die Eingabe einer PIN verlangte und musste ohne Beute flüchten.

Er habe sich, so seine Verteidigerin, nicht vorher informiert, wie die Kasse geöffnet wird: „Das ist für mich, Entschuldigung, dämlich.“ Ab diesem Zeitpunkt geht die Verteidigerin von einem strafbefreienden Rücktritt aus, so dass es bei einer gefährlichen Körperverletzung bleibt. Sein Verhalten nach der Tat und die krankhafte Spielsucht sprechen für den Angeklagten: „Wenn er diese Spielsucht nicht hätte, würde er noch Immer mit seiner Frau und seinen Kindern zusammenleben.“ Eine Bewährungsstrafe sei hier angemessen und auch der Verteidiger des Angeklagten schlug daher eine zweijährige Bewährungsstrafe sowie einen Schadenersatz von 5 000 Euro für das Opfer vor.

Die beiden Berufsrichter und die beiden Schöffen sahen in ihrem Urteil ebenfalls die Spielschulden als Auslöser für den Tatentschluss. Da der Täter nach dem Blick auf die Aufforderung zur PIN-Eingabe weglief, sah das Gericht die Möglichkeit, dass es sich um einen Tatrücktritt handelt. Nach Aussage der Tankstellenpächterin hätte der Täter nur eine bestimmte andere Taste drücken müssen, um an das Geld zu kommen. Da im Zweifel zugunsten des Angeklagten entschieden werden muss, verurteilte das Gericht den 43-Jährigen zu einer zweijährigen Haftstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Zusätzlich muss er dem Opfer 5 000 Euro Schmerzensgeld in monatlichen 200-Euro-Raten zahlen. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, nach Erledigung der Formalitäten konnte der Angeklagte das Gericht als freier Mann verlassen. Nun geht es für ihn daran, die Therapie gegen seine Spielsucht fortzusetzen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden und seine Schulden abzuzahlen.

Text/Fotos: Thomas Heckmann



Hochzeitsmesse 2026 - Teil 2Patrizia Morexco im Pfleghof LangenauPaul Camper - Tessa 2Donaubad Startseite 1Stauferkrone 2026Sparkasse NU

Termine & Kino

weitere Termine
Donaubad Skyscraper - oben_neu
Feb 23

Nach Frontal-Crash: Beifahrerin tödlich verunglückt - neue Erkenntnisse der Poliezi
Am Freitag stießen auf der L240 zwischen Schelklingen und Ringingen zwei Fahrzeuge frontal zusammen - mit...weiterlesen


Mar 05

Tödlicher Unfall bei Ehingen - Bus und Auto stoßen zusammen
Ein 58-jähriger Autofahrer starb am Dienstagnachmittag bei Ehingen. Tödlicher Unfall auf der B492Ein...weiterlesen


Feb 23

Der Riesen-Kran für die Ulmer Wallstraßenbrücke ist da - Kran kostet 10.000 Euro Miete - pro Stunde
Ein Gigant aus Stahl hat Ulm erreicht. In Einzelteilen. Seit Montag wird der Raupenkran Liebherr LR 11000...weiterlesen


Feb 25

Nachtrag der Polizei: Beim Frontal-Crash auf der B10 ist nun der Autofahrer seinen schweren Verletzungen erlegen
Am Montag kollidierte ein 26-jähriger Autofahrer auf der B10 zwischen Amstetten und Geislingen frontal...weiterlesen


Feb 28

Ein Glanzlicht der Woche: Ulms Mega-Kran ist aufgebaut - höher als das Münster - nun kann es für 10.000 Euro Miete pro Stunde losgehen
Die Stadt Ulm erlebt ihre wohl bisher größte Baustelle. Für den Neubau der Wallstraßenbrücke wird nun...weiterlesen


Mar 07

Kurioses Glanzlicht der Woche: Brand im Ulmer Gefängnis sorgt für große Aufregung - mit hohen Sicherheits-Vorkehrungen
In einer Werkstatt der Justizvollzugsanstalt Ulm ist am Mittwochmittag ein Feuer ausgebrochen. Drei...weiterlesen


Mar 03

Baustellensprechstunde u.a. am imposanten Kranen am Blaubeurer Ring - und weitere Ulmer Baustellen
Das Update des Baustellen-Managements der Stadt Ulm ist auch für kommende Woche umfangreich -...weiterlesen


Feb 25

Ulmer Hauptbahnhof erneut lahmgelegt: diesmal ein Fahrleitungs-Schaden - wieder mussten Fahrgäste evakuiert werden
Ein Schaden an der Oberleitung hat den Ulmer Bahnverkehr am Montagmorgen getroffen. Der Hauptbahnhof war...weiterlesen



Donaubad Skyscraper - oben_neu

 
© ulm-news.de, Nachrichten für Ulm und Umgebung   KONTAKT | FAQ | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ | Cookie Einstellungen anpassen nach oben