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Ulm News, 06.06.2024 16:56

6. Juni 2024 von Ralf Grimminger
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Drei Euro fürs legendäre Phrasenschwein – "Doppelpass" mit Helmer, Basler und Reichert in Neu-Ulm


Konnte SSV Ulm-Aufstiegsheld Jo Reichert gegen Mario Basler bestehen? Die "Doppelpass On Tour"-Veranstaltung am Mittwoch im ausverkauften Edwin-Scharff-Haus gab dazu eindeutige Antworten.

Kommen Fußball-Runden in Deutschland ohne Phrasen aus? Diesen Beweis erbringt seit fast 30 Jahren der Sport 1-Doppelpass am Sonntagvormittag. Der legendäre Fußball-Stammtisch mit dem berühmten Phrasenschwein geht nun seit drei Jahren auch auf Tour durch die Fußball-Republik. Jüngster Halt war nun das Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus. Neben den Europameistern von 1996 – Thomas Helmer und Mario Basler - diskutierte auch SSV Ulm-Kapitän und Aufstiegsheld Johannes Reichert mit. Natürlich das (fast) alles ohne Phrasen in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Edwin-Scharff-Haus.

Treffen sich zwei Fußballfans – zufällig oder geplant - in der Kneipe: Familie, ja die gibt´s auch, ist aber schnell abgehandelt – geht allen gut, außer dem Sohn, der gerade in ein schwieriges Milieu abrutscht, die Tochter ist schon wieder schwanger, mit dem Job läuft es, oder es läuft halt nicht, sind sowieso alles Idioten um einen rum - und die Ehefrau hat man schon ewig nicht mehr gesehen, obwohl man seit ungefähr soundsoviel Jahren verheirate ist und zusammen unter einem Dach wohnt – oder doch nicht mehr? Egal, es gibt eben wichtigere Themen, eigentlich nur eins: Fußball - und die beiden Kumpels sind damit den ganzen Abend versorgt.

Bierseeliger Abend – was auch sonst

Diesen in Deutschland so oft vorkommenden Sachverhalt hat sich seinerzeit der TV-Sender Sport 1 zunutze gemacht und den bierseligen Abend im Kleinen zu einer Fernseh-Fußball-Talkshow im Großen herausgeputzt – und zwar für den Sonntagvormittag ab 11.00 Uhr. Einschub: nach dem Kirchgang kann man auch bequem um 11.30 Uhr in den Doppelpass einsteigen, oder eigentlich immer – denn es geht ja durch die Bank um… - eben Fußball.

Doppel-Pass on Tour: Regionale Highlights sowie die ganz große Fußball-Bühne

Für den Doppelpass on Tour – unter der von Leitung SAT-1-Ran und Ranissimo Urgestein Markus Höhner – haben die Macher regionale Highlights sowie die ganz große Fußball-Bühne aufgefahren. Die beiden Europameister von 1996 (richtig, die EM war damals in England), Thomas Helmer als souveränen Moderator und Mario Basler als noch souveräneren Provokateur (beide Mitte 50), haben sich zwei jüngere Ex-Profis an die Seite geholt: Maik Franz, früher gerne mal Grätschen-Maik genannt mit besonderer Vorliebe für die Sprunglenke vor allem von Mario Gomez, tätig für u.a. Karlsruhe und Hertha BSC, nach der Karriere u.a. 3 ½ Jahre Sportlicher Leiter in Magdeburg und aktuell bei Sport 1 Experte für die 2. Liga und Frauen-Bundesliga, und Steven Ruprecht, immerhin gestandener Ex-Zweitliga-Profi bei Ingolstadt und Rostock und eine Liga tiefer bei Halle, Wehen Wiesbaden und Fortuna Köln, derzeit Experte bei Magenta Sport.

Für den Lokalkolorit in der Runde sorgte Aufstiegsheld, vollbärtiger Innenverteidiger-Kante und SSV 1846 Ulm Kapitän Johannes Reichert, der mit den anderen rhetorisch bestens mithalten konnte, obwohl diese ja schon x-On-Tour-Termine in den Beinen hatten. Da sitzt dann auch jede Pointe wie einst manch direkt verwandelte Ecke von Mario Basler – es hatte deren drei in seiner Karriere, witzigerweise zwei davon gegen Keeper Jörg Schmadtke (der heute noch von den Super-Mario-Ecken träumen soll).

Halbzeit eins: Mario Basler zieht vom Leder

Eben Basler zieht im Fernseh-Doppelpass wie auf der On-Tour kräftig vom (Fußball-)Leder, wobei der Autor dieser Zeilen dafür drei Euro ins Phrasenschwein bezahlen muss, und stichelt gegen jeden und alles, auch gegen das Gesamt-Publikum im Edwin-Scharff-Haus. „Wie Ulm oder Neu-Ulm? Hier war ich noch nie: Die haben zu meiner Zeit noch in der Bezirksliga gekickt, nicht mein Niveau“, poltert Basler und kann das Gejohle des Publikums aushalten, denn einem Basler nimmt man so etwas nicht übel: Provokation und herbe Sprüche gehören - damals schon und heute noch viel mehr – zu seiner Promi-DNA (Promi? ja, wie jüngst auch gegen Helmer im „Schlag den Superstar“).

Redakteur Markus Höhner - ach, wussten Sie das? - Wir bis gestern nicht: der Höhner ist 1965 ausgerechnet in Ulm geboren worden und hat nach dem Abi seine Ausbildung bei KHD im Donautal absolviert. Dann ging`s zum Studium nach Köln und dort wurde er Volontär bei RTL-Anpfiff. Nicht zu fassen.

Höhner lieferte nun prompt die entsprechenden Daten zu Baslers Aussage. Von wegen, Mario sei noch nie in Ulm gewesen: am 12. Dezember 1999 beim Bundesligaspiel seiner Kaiserslauterer unterlagen seine „Roten Teufel“ mit 1:3 der Heimmannschaft. Dazu Basler: „Mir doch egal, wahrscheinlich brauchten die Ulmer die Punkte dringender – dann haben wir sie ihnen eben gegeben – hat am Ende der Saison doch nicht gereicht.“

Dazu kommt auf der Großbildleinwand hinter der Diskussions-Runde ein Einspieler mit dem legendären Ausruf von damals SSV-Kicker Janusz Gora: „Skandal“. Und von uns der Zusatz, dass der TSV Neu-Ulm tatsächlich – auch heute noch - in der Bezirksliga spielt. Der Aufstieg in die Landesliga wurde in dieser Saison knapp verpasst (so viel Zeit muss hier sein).

Großes Fußballgeschäft: die Nationalmannschaft und die EM

Zurück zum großen Fußball-Geschäft. Thomas Helmer fragt, was denn nun mit der National-Mannschaft bei der EM wird? Raus wieder in der Vorrunde, oder doch bis ins Finale? Ach ja, ganz aktuell: und was wird mit Kapitän Ilkay Gündogan? Müsste dieser nicht eigentlich ob seiner oft sehr spärlichen Leistungen im National-Team auf die Bank? Oder demontiert man dadurch seinen Kapitän?

Die Runde ist sich einig, vor allem Basler mit sich: „Der gehört nicht in die erste Elf – eigentlich noch nie.“

Und wer soll im Sturm spielen, Niclas Füllkrug oder Kai Havertz: Hier grätschen die Ex-Innenverteidiger Franz und Ruprecht kräftig rein: „Havertz ist auf dem Platz emotional wie ein vollgesch. … Strumpf (Ausdruck von der Redaktion gestrichen).“  Auch dieser Spruch wird vom Publikum mit Gejohle quittiert. Ende Halbzeit 1 – Bierpause und in Sachen Basler ein eingeforderte Raucherpause. Zwischen-Fazit: Deutschland scheidet eh in der Vorrunde aus, oder aber wird Europameister, da sind sich die Experten auf der Bühne uneins.

In Halbzeit 2 gibt es viel Lob und breite Zustimmung für den „Ulmer Weg“, den Durchmarsch von der Regional-Liga in die 2. Bundesliga. Jo Reichert darf „mein geilstes Jahr als Kicker“ in allen Facetten aufleben lassen – auch hierzu kommen die passenden Einspieler der Ulmer Aufstiegs-Party auf die Großbildleinwand.   

Jo Reichert, mittlerweile auch 33 Jahre alt, ist gebürtiger Ulmer, kickte immer schon in Ulm und wird auch immer hierbleiben, auch wenn er schon mal ein Angebot der TSG Hoffenheim hatte, wie Helmer nach fünfmaliger Nachfrage herauslockt. „Es gibt doch nichts Schöneres, als in seiner Heimatstadt mit meinem Lieblingsverein (außer noch ein bisschen der HSV) zu gewinnen und abends vielleicht mal mit den Freunden in die Clubs abzutauchen. Übrigens: die jungen Spieler machen so etwas gar nicht mehr. Da denkt man in der Kabine, die waren gestern „mords auf der Piste“, dabei erzählen sie, wie sie zuhause gezockt haben – vernetzt mit anderen Jungs – und keine andere Person gesehen haben“, wundert sich Jo Reichert. Mario Basler kann seinen Nebenmann verstehen: seine Kneipentouren mit u.a. Keeper Sven Scheuer sind legendär, bis zu dem Zeitpunkt, als ihnen damals ein Regensburger Pizza-Wirt in die Quere kam – dann gab es Ärger mit dem Bayern-Vorstand und Sven Scheuer wurde suspendiert – wobei er als Bayern-Ersatztorwart sowieso als dauer-suspendiert galt.

Ein Jugendtraum: einmal im Hamburger Volksparkstadion kicken

Jedenfalls wird sich Jo Reicherts Jugendtraum in der kommenden Saison erfüllen: ein Auftritt im Hamburger Volksparkstadion, das offenbar tatsächlich wieder so heißt, nicht mehr „Dingenskirchen Sponsor Arena“. Reicherts Vorfreude auf die Vereine wie u.a. Köln, Hertha BSC Berlin, Schalke Kaiserslautern, Düsseldorf, Hannover und Nürnberg könnte nicht größer sein. „Bei jedem dieser Städte sieht man das Glitzern in seinen Augen“, begeistert sich auch Maik Franz.   

 „Wir sind die Uuuuuuuulmer“

Was war das für eine Saison für die Uuuuuuuuulmer in diesem 3.Liga-Jahr? Einfach Wahnsinn, und deshalb gibt es im Edwin-Scharff-Saal zum Ende der 2. Halbzeit den passenden Fan-Gesang dazu:  

„Gestern Albeck, morgen in Köln, aber Claudia Schiffer finden wir gar nicht schön. Wir sind die Ulmer, wir sind die Spatzen, wird sind diejenigen die immer wieder klatschen, Olé, Oléeeee, Olé, Oléeeee, Olé, Oléeeee, Olée, Olée.“

Und jetzt alle.

Okay, dann halt beim nächsten Mal.

Der Doppelpass On Tour will gerne nach Ulm/ Neu-Ulm wiederkommen, wenn, ja wenn die Ulmer in die 1. Liga aufsteigen.

Laut Jo Reichert, der bei Magenta Sport schon vor der letzten Saison den Aufstieg in die 2. Liga vorausgesagt hatte, wird das direkt in der kommenden Saison passieren – genauso ein Durchmarsch wie 1999. Na dann.

Die Liedtexte haben wir ja nun schon mal drauf und können jetzt schon wetten: das Edwin-Scharff-Haus wird wie das Ulmer Donaustadion dann auch wieder ausverkauft sein.

Übrigens und hier als Kritik an der Fernsehsendung: Florian König mag viele Jahrzehnte bei RTL ein guter Formel 1-Moderator gewesen sein, vor allem im Gespann mit der Gaspedal-Legende und Doppel-Formel 1-Weltmeister Nicki Lauda, aber den Doppelpass moderiert er um Klassen schlechter als seine Vorgänger Rudi Brückner, Jörg Wontorra und eben Thomas Helmer. Warum? Weil er den Begriff Doppelpass zu wörtlich nimmt und tatsächlich auf eine Frage nur eine einzige Antwort folgt – sprich: es kommt selten ein Talk zustande, außer wenn sich die Gäste selbst beschäftigen, vor allem wenn Sport 1-Experte Stefan Effenberg oder Mario Basler sich in die Haare kriegen.

Keine Phrase in Neu-Ulm deshalb: „Lieber Thomas (Helmer), wann übernehmen sie wieder die Moderation?“ Er sagte nur, dazu könne er lediglich Phrasen dreschen, um diplomatisch zu bleiben, da sage er doch lieber gar nichts dazu und bedanke sich für das Kompliment.

Fun Fact 2:

Wer geht in den Doppelpass On Tour? Zu 90 % Männer so um die… naja, sie wissen schon, aber es waren auch ganz junge Gäste und Damen anwesend. Die große Männerriege ist eben das Stammpublikum des eigentlichen Fernsehtalks, der Sonntag für Sonntag zwischen 1 bis 1,5 Millionen Fußballfans einschalten lässt.

Auslaufen nach anstrengendem Spiel

Beim „Auslaufen“ nach zwei echt begeisternden Halbzeiten im Edwin-Scharff-Haus sagen ebenfalls 90 % der Befragten, dass sie die Eintrittskarten für den Doppelpass On Tour von ihren Ehefrauen (wohnen also doch noch zuhause) geschenkt bekommen haben, manche sogar das VIP-Ticket mit einem kurzen Treff mit den Stars und deren Unterschrift auf das…ja, das gibt es tatsächlich – Phrasenschwein. „Das „Schweindl“ werde zuhause einen Ehrenplatz bekommen“, so die Einhellige (Männer-)Meinung. Wir sind gespannt, ob das die Ehefrauen auch noch unterstützen.

Text und Fotos: Thomas Kießling/ulm news
@Kleinstadtheldenroman



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