Ulm News, 04.08.2023 12:03
Hilfe für Opfer von Gewaltverbrechen
Wer durch ein Gewaltverbrechen einen körperlichen Schaden erlitten hat, findet in der Gewaltopferambulanz des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Ulm (UKU) eine vertrauliche Anlaufstelle.
Die Ambulanz wurde 2021 eröffnet, um Menschen, die Opfer von Gewalt geworden sind, die Möglichkeit zu bieten, niederschwellig Verletzungen dokumentieren und Spuren sichern zu lassen. Dabei geht es auch um eine gerichtsverwertbare Beweissicherung. Die Anzahl an Untersuchungen pro Jahr, insbesondere auch von Kindern, wächst seitdem stetig. „Menschen, die zu uns kommen, verspüren oftmals Scham oder Angst darüber, gewaltsame oder sexuelle Übergriffe anzuzeigen, vor allem, wenn diese innerhalb der Familie oder Beziehung stattfinden“, so Anna Müller, Leiterin der Gewaltopferambulanz. „Wir bieten den Opfern eine unbürokratische und schnelle Hilfe an, sichern alle Spuren und dokumentieren Verletzungen gerichtsverwertbar. Ohne Beteiligung der Polizei“, so die Rechtsmedizinerin. Bei Bedarf, zum Beispiel im Falle einer späteren Gerichtsverhandlung, können die erhobenen Befunde als Beweismittel für die Tat verwendet werden. Die Entscheidung, ob oder wann ein Übergriff angezeigt wird, liegt jedoch gänzlich bei den Betroffenen, denn die Rechtsmediziner*innen der Gewaltopferambulanz unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. Im Jahr 2022 waren 167 Fälle in der Ambulanz vorstellig, im ersten Halbjahr 2023 sind es bereits 95. Neben den rechtsmedizinischen, körperlichen Untersuchungen umfasst das Aufgabenfeld der Gewaltopferambulanz Ulm auch telefonische Beratungen, rechtsmedizinische konsiliarische Beratungen, die Begleitung von Ärztinnen und Ärzten anderer Fachabteilungen sowie Untersuchungen im Rahmen der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM/C= female genital mutilation and cutting). Eine besondere Stellung nimmt der medizinische Kinderschutz in Zusammenarbeit mit der Kinderschutzgruppe am Universitätsklinikum Ulm ein. „Erschreckend ist die zunehmende Anzahl an Kindeswohlgefährdungen, die bei uns vorgestellt werden“, sagt Prof. Dr. Sebastian Kunz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am UKU. Dabei gehe es oftmals um miterlebte Gewalt zwischen den Eltern oder eines Elternteils und neuen Partner*innen, aber auch über selbst erlebte physische Gewalt gegenüber den Kindern und Jugendlichen. „In knapp zwei Dritteln der Gesamtfälle aus dem Jahr 2022 waren die Geschädigten minderjährig, mehr als 90 Prozent davon waren unter 13 Jahre alt“, so Prof. Kunz. Die Vermittlung der Untersuchungsstelle erfolgt oftmals über die Kinderschutzgruppe der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKU, aber auch über das Jugendamt, Ärztinnen, Ärzte und Kliniken im Umkreis, offizielle Beratungsstellen für Geschädigte oder Frauenhäuser, das Bundesamt für Migration sowie über Angehörige und Familie. Viele Betroffene melden sich auch selbständig. Einen weiteren großen Schwerpunkt innerhalb der Vorstellungen in der Ambulanz stellt Partnerschafts- bzw. häusliche Gewalt dar. Der Großteil der untersuchten Personen nach häuslicher Gewalt ist weiblich. Der Anteil der untersuchten Männer nach häuslicher Gewalt ist deutlich kleiner, nimmt jedoch zu. Alle Untersuchungen in der Gewaltopferambulanz dienen allein der Dokumentation der Verletzungen und des berichteten Tatgeschehens und können von Betroffenen kostenlos in Anspruch genommen werden. Eine rechtsmedizinische Beurteilung kann bei Bedarf in Form eines Gutachtens nachträglich kostenpflichtig angefordert werden. „Als Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner sind wir darauf spezialisiert, Verletzungen durch äußere Gewalteinwirkung zu dokumentieren und zu beurteilen“, so Prof. Kunz. „Deshalb seh en wir es als unsere Aufgabe an, den Betroffenen eine vertrauensvolle, gutachterlich verwertbare und fotografische Dokumentation der Verletzungen zu ermöglichen und damit eine Lücke in der Versorgung der Geschädigten zu schließen.“



Highlight
Weitere Topevents
Tödlicher Unfall bei Ehingen - Bus und Auto stoßen zusammen
Ein 58-jähriger Autofahrer starb am Dienstagnachmittag bei Ehingen. Tödlicher Unfall auf der B492Ein...weiterlesen
Trauriges Glanzlicht der Woche: Drei Männer dringen in Ulmer Wohnung ein und attackieren einen 36-Jährigen
In einer gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Ulm und der Polizei geben biede bekannt: In...weiterlesen
Kurioses Glanzlicht der Woche: Brand im Ulmer Gefängnis sorgt für große Aufregung - mit hohen Sicherheits-Vorkehrungen
In einer Werkstatt der Justizvollzugsanstalt Ulm ist am Mittwochmittag ein Feuer ausgebrochen. Drei...weiterlesen
Baustellensprechstunde u.a. am imposanten Kranen am Blaubeurer Ring - und weitere Ulmer Baustellen
Das Update des Baustellen-Managements der Stadt Ulm ist auch für kommende Woche umfangreich -...weiterlesen
Auto nimmt`s mit Straßenbahn auf - 30 Fahrgäste kommen mit dem Schrecken davon
Am Dienstag sind ein Auto mit einer Straßenbahn in Ulm zusammengestoßen. weiterlesen
Hammer in Ulm: Mario Schneider von der CDU klaut Michael Joukov, Grüne das Direktmandat
Mit Mario Schneider (45) wird wieder ein CDU-Politiker aus dem Wahlkreis Ulm direkt in den Landtag...weiterlesen
88-Jähriger Fahrfahrer nach Unfall seinen Verletzungen erlegen
Am Montag kam es zu einem schweren Verkehrsunfall bei Erolzheim bei dem ein 88-Jähriger schwere...weiterlesen
Ein Glanzlicht der Woche: Katrin Albsteiger bleibt Oberbürgermeisterin und startet mit einem klaren Vertrauensvotum in ihre zweite Amtszeit
Das war glatt der Oberhammer: Es gab eine klare Entscheidung im ersten Wahlgang für OB Albsteiger. Sie...weiterlesen








