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Ulm News, 06.12.2014 01:00

6. December 2014 von Thomas Kießling
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Durchblick behalten – Komplexität entflechten


Unternehmer und Führungskräfte  sind mit immer mehr und komplexeren Anforderungen konfrontiert. Wer es nicht schafft, diese Komplexität für sich und sein Unternehmen zu entflechten und zu beherrschen, ist langfristig nicht wettbewerbsfähig. Das ist die provokante These von Dr. Erich R. Utz, stellvertretender Vorstand der Sparkasse Ulm, der sich in seinem 464 Seiten starken Buch „Komplexität entflechten“ mit dieser Problematik beschäftigt. 

Das Leben wird für jeden komplexer, das Geschäftsleben erst recht.  Ständig neue internationale und nationale Gesetze, Verordnungen, Handelsabkommen, Fragen der Haftung, Mitarbeiterführung, Strategien und vieles mehr. Um Abläufe im Handel und in der Produktion zu regeln, entstehen Regelwerke oftmals mit hunderten und tausenden Seiten, die – manchmal sogar gewollt – kaum jemand versteht oder vollständig liest. So erhöht diese Regelwut oft die Komplexität, anstatt sie zu verringern. Ob dieser vielen Anforderungen und komplexen Vorgänge läuft ein Unternehmer Gefahr, den Über-und Durchblick zu verlieren. Er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und erkennt das Wesentliche für sein Unternehmen nicht mehr.    Der Manager müsse diese Komplexität beherrschen und entflechten, um am Markt zu bestehen, sagt  Erich R. Utz, stellvertretender Vorstand der Sparkasse Ulm. Wie gelingt das? Zunächst habe der Unternehmer seine Rolle zu definieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nach vorne zu denken und sich zu fragen: Was rollt auf mein Unternehmen zu? Das „generalistische Wissen“ sei für einen Unternehmer wichtiger denn je. Daher müsse eine Führungskraft „ den Überblick über Märkte, Produkte und das Unternehmen“ haben, selbst von Teilbereichen die Finger lassen und stattdessen Bereichsleiter und Mitarbeiter gestalten und  – auch – Fehler machen lassen.  Utz: „Die Mitarbeiter sollen zum Chef nicht mit Problemen kommen, sondern mit Lösungen.“ Ein Betrieb benötige Mitarbeiter, die mitgestalten, mitdenken und motiviert sind. Um Mitarbeiter zu motivieren, solle der Unternehmer Selbstständigkeit und Anerkennung bieten.  „Wer nicht selbständig arbeiten darf, wird nie eigenständig agieren.“ Allerdings ließen sich komplexe Zusammenhänge nur dann erfolgreich bewältigen, wenn auch die einzelnen Mitarbeiter den Gesamtzusammenhang (er)kennen. Wer ausschließlich Teilbereiche  – das gelte natürlich auch für Manager und Bereichsleiter  – im Blick habe, liefere oft Arbeit ab, die im Gesamtkontext über das Ziel hinausschieße und dadurch Komplexität  sogar vergrößert, ist Utz überzeugt.   Für das Unternehmen selbst gilt:  Schlanke Organisationsformen entflechten Komplexität.   Dies gelingt mit neuen Organisationsformen, einer verbesserten internen Kommunikation, zeitgemäßer IT und notfalls mit Consulting von außen und verschiedenen Tools.  „Schwierige Sachverhalte können bildlich, schematisch und organisiert dargestellt werden“, rät der 51-Jährige, der auch über vier Jahre lang als Prokurist einer Unternehmensberatung tätig war.  Beispielsweise erhöhten Szenarien und Simulationen zwar den Informationsstand, verhelfen aber oft gar nicht zu besseren Entscheidungen. Stattdessen sollten Manager wichtige Sachverhalte auf Teilbereiche herunterbrechen, die die einzelnen Bereiche Stück für Stück analysieren und auf dieser Ebene Lösungen erarbeiten.   Sicher ist: Die Komplexität, also die Vielfalt der Themenstellungen, wird weiter zunehmen, sowohl qualitativ als auch quantitativ.  Es wird wichtiger denn je, die wichtigen Themen zu erkennen, zu selektieren, zu entflechten und Aufgaben dann zu delegieren. Der Unternehmer muss sich daher dem dynamischen Wandel stellen, um sein Unternehmen zukunf tsfähig zu machen. Das sei existenziell notwendig, so Dr. Utz. „Die Krisen kommen immer schneller und vielfältiger. Und die nächste Krise kommt bestimmt“, warnt der Finanzfachmann. „Wer dann die Komplexität nicht beherrscht und wer das Wesentliche nicht erkennt, geht unter. Aber keine Krise ohne Chance“. Firmen, die hochflexibel und agil bleiben, würden dagegen bestehen.  „Allein mit Bauchgefühl geht nichts mehr“, betont Dr. Erich R. Utz.     Dr. Erich R. Utz, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Ulm, beschäftigt sich im 464 Seiten starken Buch „Komplexität entflechten – das Wesentliche erkennen“ (ISBN 978-3-09-305-128-9 305 128 000) mit Managemententscheidungen, Fehlerkultur, Mitarbeiterführung und Strategien. Zudem finden sich auf einer DVD interessante Management-Interviews. Im Wesentlichen geht es darum, wie Unternehmer – ob Großbetrieb oder Mittelstand – auf die komplexen Anforderungen unserer Zeit reagieren und das Unternehmen fit und stark für die nächsten Jahren machen. 



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