Ulm News, 31.03.2010 20:00
Peter Zwey: Moskauer Terror
Russland bleibt das Land der Greuelmärchen, keiner scheint dort dem anderen mehr über den Weg zu trauen, abenteuerliche Ideologien von ano dunnemal feiern fröhliche Urständ. Davon ist Peter Zwey überzeugt.
Einige Schriftsteller verfertigen seit Jahren ein apokalyptisches Gemälde nach dem anderen. Ein einziges Inferno gäre im weiten Lande und schreite im Sturmwind voran. Die Politik sei korrupt, die Polzei selbst terroristisch. Keine Spur echter Demokratie weit und breit. Daran ändern auch die markigen Sprüche des Vladimir Putin gar nichts, der den Tätern wieder einmal blutige Vernichtung androhte. Auch die marktwirtschaftliche Grundregel von Angebot und Nachfrage trägt in Russland die Maske eines Raubtiers. Als nach den Terroranschlägen niemand mehr die Metro betreten wollte, erhöhten die Taxifahrer ihre Tarife spontan um das Zehnfache und auch die Busfahrer öffneten ihre Türen nur gegen einen Zutritts-Preis von 100 Euro.Eine schäbige Geschichte darüber, wie sich ein Volk in der Not selbst ausbeutet und quält, statt einander zu helfen. Der Terror offenbart einiges an den inneren Erosionszuständen in der russischen Welt. Und jetzt, nach den Terroranschlägen in der Metro, die viele Tote und schwer Verletzte kostete, verbreitet sich wieder der Verdacht im einfachen Volk, die Miliz selbst habe die Bomben gelegt. Denn seit einiger Zeit arbeitet die russische Opposition daran, die Willkürherrschaft der Sicherheitskräfte per Gesetz einzuschränken. Diese Kräfte, - der Staat im Staate, - versuchen naturgemäß, ihre Entmachtung zu verhindern, und bedürfen drum stets des neuerlichen Nachweises, dass ihre Omnipräsenz sehr wohl lebensnotwendig sei. Wer schütze sonst das Volk vor Terror und Verbrechen? Doch ließ ein solch täglich beschworenes Verbrechen, seit man die Tschetschenen besänftigt hat, auf sich warten. Und die Rhetorik der Staatsgewalt schallte immer hohler durchs Land. Was liegt nun näher als die Vermutung, dass die Sicherheitskräfte selbst dafür sorgen wollen, ihre Übermacht als eine Garantie der Staatsvernunft (raison d'etre) nachzuweisen? Als Leser dieser Pro- und Contrameinungen und Verdächte, weiß man nicht,wer lügt hier, wer spricht dort wahr. Man neigt eh zum finstersten Verdacht, wenn es um Russland und Russisches geht. Da finde ich endlich im Internet eine Anekdote, die deutlicher spricht.
Ein Russe erzählte sie, nachdem die erste Bombe in der Moskauer U-Bahn hochging, ein Russe , der an der Ticketbox der Metro stand. Plötzlich kam ein schwer bewaffneter, mit einer kugelsicheren Weste umgürteter Polizist angerannt, sagt der Russe, und rief einer alten Metrobeamtin zu: „ Das war nur die erste Bombe, es folgen gleich noch zwei weitere“. Davon und von der Detonation aufgeschreckt, begehrten einige in der Warteschlange um Tickets anstehende Bürger Auskünfte darüber, was er denn damit meine, was eigentlich los sei?
Da schrie der Milizionär sie an, sie sollten das Maul halten, sonst ließe er sie auf der Stelle verhaften und in das Gefängnis der Geheimpolizei werfen.
Diiese Anekdote steht gegen tausend Putinpressekonferenzen zur Sicherheitslage in Russland. Auch dass die russischen Medien statt den ersten Bildern vom blutigen Tatort, ur-alte Filme zeigten, ist kein gutes, sondern ein altes Zeichen, das der größte Staatsterrorist aller Zeiten, Josef Stalin, oft gebrauchte.




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