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Ulm News, 14.03.2019 17:01

14. März 2019 von Ralf Grimminger
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Weniger Verkehrsunfälle im Raum Ulm im Jahr 2018 - 14 Zweiradfahrer tödlich verletzt


Die Polizei hat am Donnerstag ihr Verkehrssicherheitslagebild 2018 für
den Bereich des Polizeipräsidiums Ulm vorgestellt. Demnach ist die
Zahl der Verkehrsunfälle seit langem erstmals wieder rückläufig, die Zahl
der Verkehrstoten unverändert. Die Zahl der Verletzten hat jedoch
zugelegt. Das gute Wetter des vergangenen Jahres trug zu einer schlimmen Entwicklung bei: Waren es im Jahr 2017 noch 10 Zweiradfahrer, die starben, so waren es 2018 insgesamt 14 getötete Zweiradfahrer (sieben Motorradfahrer, eine Sozia, sechs Radfahrer). 

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm hat im vergangenen Jahr, erstmals seit 2014, wieder abgenommen. 23.619 Verkehrsunfälle verzeichnet die Unfallstatistik der Polizei. Das sind 174 Unfälle weniger als im Vorjahr (-1 Prozent). Dieser Rückgang bezieht sich jedoch allein auf die Zahl der Unfälle mit Sachschaden und Kleinstunfälle. Deren Zahl sank um 305 Fälle (-1 Prozent), während die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um 131 auf jetzt 3.038 anstieg (+5 Prozent). Auch die Zahl der Verletzten stieg um 184 auf jetzt 4.072 Verletzte (+5 Prozent) an. Die Zahl der Getöteten blieb im Jahr 2018 mit 41 Verkehrstoten im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm unverändert. „Mit der Entwicklung bei den Unfällen mit Personenschaden können wir nicht zufrieden sein“, resümiert Polizeipräsident Christian Nill, Leiter des Polizeipräsidiums Ulm.

Zahl der Verkehrstoten geht zurück

Der Trend zeige auf lange Sicht einen Rückgang der Verkehrstoten, auch im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm. Deren Zahl lag im Jahr 2010 noch bei 52 Verkehrstoten und ist jetzt im fünften Jahr in Folge darunter und tendenziell weiter rückläufig. „Die Bekämpfung der Ursachen schwerer Verkehrsunfälle ist seit Jahren eines der Handlungsfelder, dem sich das Polizeipräsidium Ulm verschrieben hat“, erläutert Nill. „Unsere Maßnahmen zeigen durchaus Erfolge. Durch unsere intensiven Kontrollen ist es uns gelungen, die Hauptursache Geschwindigkeit weiter zu reduzieren“, so Nill weiter. Tatsächlich sank deren Zahl auf 789 Unfälle, dem zweitniedrigsten Stand der - 2 - letzten Dekade. Dazu habe die Polizei intensive Kontrollen über das ganze Jahr durchgeführt und 92.062 Verstöße durch zu schnelles Fahren aufgedeckt, ein Viertel mehr als im Jahr zuvor. Parallel dazu seien auch die Unfälle durch Missachten der Vorfahrt (-19 auf 1831 Unfälle, - 1 Prozent) und durch Fehler beim Abbiegen (-55 auf 496 Unfälle, - 10 Prozent) zurückgegangen. Auch die Zahl der Unfälle durch Fehler beim Überholen sank um 39 auf 402 Unfälle (-9 Prozent). Dies seien alles Ursachen, die auf Eile zurückzuführen seien. Doch Eile sei im Straßenverkehr fehl am Platz, sagte Polizeipräsident Nill. Er mahnte die Autofahrer, sich die Zeit zu nehmen und lieber eine Minute länger unterwegs zu sein, als jemand anderen oder sich selbst zu verletzen und damit sein Leben lang zu zeichnen.

 

Schönes Wetter: 14 tödlich verunglückte Zweiradfahrer 

 Bei der Analyse der Unfälle habe sich gezeigt, dass das gute Wetter des vergangenen Jahres zur Entwicklung der Unfallzahlen beigetragen hat: Waren es im Jahr 2017 noch 10 Zweiradfahrer, die getötet wurden, so waren es 2018 insgesamt 14 getötete Zweiradfahrer (sieben Motorradfahrer, eine Sozia, sechs Radfahrer). „Je mehr Zweiradfahrer unterwegs sind desto höher ist das Risiko, dass jemand aus dieser Gruppe in einen Unfall verwickelt ist. Und Zweiradfahrer haben keine Knautschzone. Unfälle mit ihnen führen fast immer zu Verletzungen“, erläutert Manfred Burger, Leiter der Verkehrspolizeidirektion des Polizeipräsidiums Ulm. Deshalb habe die Polizei mit ihren Präventionsangeboten gerade diese Zielgruppe besonders im Blick. So werde zum Beginn der Motorradsaison regelmäßig mit Schwerpunktkontrollen auf die Gefahren hingewiesen. Außerdem biete die Polizei Biker-Treffen, um mit den Motorradfahrern ins Gespräch zu kommen. Bei den Radfahrern setze die Polizei mit der Verkehrserziehung in Schulen viel früher an. Sehr früh sollen die Kinder auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden. Dieses Erfolgsmodell trage auch langfristig Früchte: So sei die Zahl der Schulwegunfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm mit 42 Unfällen auf dem niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre angekommen.

Senioren verursachen mehr Unfälle

Dagegen bereitete die Beteiligung älterer Menschen am Straßenverkehr Grund zur Sorge: „Betrachtet man die Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, so stieg die Zahl der Senioren als Verursacher von 376 im Jahr 2017 auf jetzt 454. Das sind 78 Unfälle mehr, was einer Zunahme um 21 Prozent entspricht“, gibt Burger zu bedenken. Deshalb rücke die Zielgruppe der Senioren immer mehr in den Fokus polizeilicher Präventionsarbeit. Etwa im Rahmen der landesweiten Aktion „sicher fit unterwegs“, aber auch im Rahmen von Verkehrskontrollen, bei denen die Polizei stets darauf achte, ob Senioren noch geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen seien. Gebe es Zweifel an dieser Eignung, informiere die Polizei die Führerscheinstellen, damit diese weitere Maßnahmen prüfen können.
Doch auch als Zweiradfahrer bereiteten die Senioren Sorgen. Denn die Zahl der Unfälle mit Pedelecs, die zu einem großen Anteil von Senioren gelenkt würden, steige ständig. Gegenüber dem Vorjahr sei die Zahl um etwa ein Drittel (+36 Prozent, +31 Unfälle) auf jetzt 117 Unfälle angestiegen. Die Hälfte der Beteiligten waren Senioren, wobei 31 den Unfall selbst verursachten. Das lasse sich durchaus darauf zurückführen, dass im Alter Konzentrationsfähigkeit und Reflex nachlassen.
Dabei sei gerade das Führen dieser Fahrräder, die regelmäßig höhere Geschwindigkeiten zuließen als normale Fahrräder, sehr anspruchsvoll. Hinzu kommt die Schwierigkeit, neben dem Fahren die Technik zu bedienen.

Weniger Alkoholunfälle, mehr Unfälle mit Drogen

Die intensiven Kontrollen der Polizei seien auch einer der Gründe für einen Rückgang der Alkoholunfälle. Deren Zahl sank im Jahr 2017 um 30 auf jetzt 335 Unfälle (-8 Prozent), den niedrigsten Wert der letzten Dekade. Im Gegenzug habe die Polizei 1.133 Fahrer unter Alkoholeinfluss aus dem Verkehr gezogen, 191 mehr als im Jahr zuvor (+20 Prozent). „Hier müssen wir noch dicke Bretter bohren um unsere Botschaften in die Köpfe der betroffenen Fahrer zu bekommen“, sagte Nill und ergänzte: „Fahren und Alkohol trinken passt einfach nicht zusammen. Wer das ignoriert riskiert nicht zu Unrecht seinen Führerschein.“
Immerhin seien bei 143 Alkoholunfällen Menschen verletzt worden. Die Zahl der Drogenunfälle bewege sich zwar auf niedrigem Niveau, steige aber tendenziell an. 37 Drogenunfälle registrierte die Polizei im Jahr 2018, den höchsten Wert im 10-Jahres-Vergleich. Das Polizeipräsidium Ulm intensiviere derzeit ihre Maßnahmen gegen Drogen im Straßenverkehr.
Aktuell werde eine neue Konzeption umgesetzt, in der zunächst Polizeibeamte gezielt intensiv geschult würden. Dann solle die Zahl der Kontrollen weiter angehoben werden. „Rauschgift darf im Leben der Menschen keinen Stellenwert haben. Und im Straßenverkehr schon gar nicht“, bekräftigte Nill die Absicht der Polizei, gegen diese Rauschmittel vorzugehen.

Erschreckend oft: Mit Handy am Ohr am Steuer

Erschreckend hoch sei die Zahl der Fahrer, die gleichzeitig das Handy bedienten. 5.535 solcher Ordnungswidrigkeiten registrierte die Polizei im Jahr 2018, das sind 816 Verstöße mehr als noch im Vorjahr (+22 Prozent). Besonders bedenklich sei das angesichts der Tatsache, dass sich bei zwölf der tödlichen Unfälle keine Ursache ermitteln ließ. Das deute auf Ablenkung als Ursache hin. Hier komme angesichts der steigenden Zahl an Verstößen durchaus die Ablenkung durch das Telefon, das Navi oder das Radio in Betracht.
Die Polizei appelliert deshalb dringend an die Fahrer, das Telefon liegen zu lassen, auch wenn es bei der Fahrt klingelt. Die Polizei unterstützt deshalb die Aktion des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) unter dem Motto #FingerwegvomHandy (www.runtervomgas.de/ablenkung), der mit einfachen Sprüchen auf die Gefahren hinweist: „Nicht rangehen heißt nicht draufgehen“ oder „Lieber nicht erreichbar als nicht zu retten“ usw.
Aber auch die hohe Zahl der Fahrer, die nicht angegurtet sind oder keinen Helm tragen stimmt nachdenklich: 7.953 Fahrer ohne Gurt musste die Polizei anzeigen, 435 weitere, weil die Kinder nicht gesichert waren. 66 Fahrer trugen keinen Helm. 8.454 Fahrer haben damit auf die „Lebensretter Nr. 1“ verzichtet, 1.250 mehr als im Jahr zuvor (+19 Prozent).

Weitere intensive Konrollen

„Die Bekämpfung schwerer Verkehrsunfälle mit all ihren Facetten bleibt einer der Schwerpunkte der polizeilichen Arbeit“, bekräftigte Polizeipräsident Nill am Ende des Pressegesprächs. Durch gezielte Verkehrsüberwachung auf unfallträchtigen Strecken könne das Verhalten der Fahrenden positiv beeinflusst werden. Deshalb würden auch 2019 Schwerpunktaktionen zum Start der Motorradsaison durchgeführt, Gurtpflicht, Telefonnutzung und Geschwindigkeit intensiv überwacht. Diese Maßnahmen seien Säulen der Verkehrssicherheitsarbeit, betonte Nill. Daneben solle mit gezielten Informations- und Aufklärungsveranstaltungen und einer engen Zusammenarbeit mit Partnern, Behörden und Arbeitskreisen, ein Mehr an Sicherheit im Straßenverkehr erreicht werden.



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